Warum Solidarität mit Kuba ein zentraler Kampf der Linken ist

KPÖ Bundesvorsitzender Günther Hopfgartner

Ein Beitrag von KPÖ-Vorsitzendem Günther Hopfgartner 

Kuba ist seit Jahrzehnten Gegenstand einer politischen Auseinandersetzung, die weit über das Land selbst hinausweist. Im Kern geht es um eine grundlegende Frage internationaler Politik: Können Gesellschaften ihren Entwicklungsweg auch selbst bestimmen – oder werden sie ökonomisch und politisch dazu gezwungen, sich einer bestehenden kapitalistischen Weltordnung unterzuordnen?

Ein kleines Land widersetzt sich

Seit der Revolution 1959 steht Kuba für den Versuch, sich der direkten Kontrolle durch die USA zu entziehen. Genau darin liegt seine anhaltende politische Bedeutung. Der Konflikt um Kuba ist daher nicht in erster Linie eine Debatte über ein politisches System, sondern Ausdruck eines Machtverhältnisses: Ein kleines Land widersetzt sich dauerhaft der Unterordnung unter eine von den USA dominierte kapitalistische Ordnung.

Die Antwort darauf ist eine Politik der systematischen ökonomischen Strangulierung. Die seit den 1960er Jahren bestehende Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade ist kein Nebeninstrument, sondern das zentrale Mittel dieser Strategie. Sie beschränkt den Zugang zu Märkten, Krediten, Technologie und selbst zu lebensnotwendigen Gütern. Durch ihre extraterritoriale Wirkung zwingt sie auch Unternehmen und Staaten außerhalb der USA, ihre Beziehungen zu Kuba einzuschränken.

Diese Politik richtet sich nicht abstrakt gegen eine Regierung, sondern konkret gegen die gesellschaftliche Entwicklung des Landes. Engpässe bei Medikamenten, Probleme in der Energieversorgung oder wirtschaftliche Instabilität sind nicht isolierte Phänomene, sondern direkte Folgen dieser dauerhaften Intervention. Wer die Situation Kubas beurteilt, ohne diese Bedingungen einzubeziehen, übernimmt implizit die Perspektive jener Politik, die genau diese Effekte erzeugt.

Was solidarität bedeutet

Für die politische Linke ergibt sich daraus eine klare Unterscheidung. Solidarität mit Kuba bedeutet nicht, ein widerspruchsfreies Modell zu verteidigen. Kuba ist – wie jede Gesellschaft – von inneren Konflikten, ökonomischen Schwierigkeiten und politischen Widersprüchen geprägt. Entscheidend ist jedoch, unter welchen Bedingungen sich diese Widersprüche entfalten.

Eine Gesellschaft, die unter permanentem äußeren Druck steht, kann nicht nach denselben Maßstäben beurteilt werden wie eine, die ihre Entwicklung unter stabilen Bedingungen organisiert. Solidarität heißt daher nicht, ein Ideal zu bestätigen, sondern den Raum zu verteidigen, in dem gesellschaftliche Entwicklung überhaupt möglich ist. Es geht um die Verteidigung eines realen Entwicklungsprozesses gegen seine Zerstörung von Außen.

Diese Frage ist nicht auf Kuba beschränkt. Sanktionen, wirtschaftlicher Druck und politische Intervention sind zentrale Instrumente in einer globalen kapitalistischen Ordnung, in der hegemoniale ökonomische Interessen durchgesetzt werden. Sie treffen Länder, die versuchen, eigenständige Wege zu gehen oder sich den vorgegebenen Regeln zu entziehen.

Solidarität ist Teil einer materiellen Auseinandersetzung

Internationale Solidarität ist unter diesen Bedingungen keine moralische Haltung, sondern Teil einer materiellen Auseinandersetzung. Sie stellt eine Gegenbewegung dar: gegen Isolation, gegen ökonomischen Zwang und gegen die Logik, dass gesellschaftliche Entwicklung ausschließlich im Sinne von Kapitalinteressen von außen bestimmt wird. In diesem Sinne ist Solidarität mit Kuba immer auch Teil eines umfassenderen Klassenkampfs – eines Kampfes um die Bedingungen, unter denen Gesellschaften ihre Zukunft gestalten können.

Gleichzeitig ist die Auseinandersetzung um Kuba auch ein Kampf um Deutungshoheit. Die dominante Darstellung reduziert die Realität des Landes auf wirtschaftliche Probleme und erklärt diese zum Beweis für das Scheitern eines alternativen Entwicklungswegs. Die Rolle der Blockade wird dabei systematisch relativiert oder ausgeblendet.

Diese Erzählung erfüllt eine klare Funktion: Sie soll die Vorstellung verfestigen, dass es keine realistischen Alternativen zur bestehenden kapitalistischen Ordnung gibt. Gerade deshalb wird Kuba seit Jahrzehnten politisch, wirtschaftlich und ideologisch bekämpft.

Praktische Konsequenzen

Gerade daraus ergibt sich aber eine praktische Konsequenz für die Linke.
Internationale Solidarität darf nicht bei Erklärungen stehen bleiben. Sie wird erst dann politisch wirksam, wenn sie in konkrete Beziehungen übersetzt wird: in Austausch, Zusammenarbeit, Unterstützung und gemeinsame Praxis.

Denn Solidarität ist nicht nur eine Position, sondern eine soziale Beziehung. Sie verbindet Kämpfe über Grenzen hinweg und schafft reale Gegenstrukturen zur bestehenden Ordnung.
In solchen Beziehungen wird erfahrbar, dass internationale Politik nicht nur ein Feld von Staaten und Märkten ist, sondern auch eines gemeinsamer Interessen und kollektiver Handlungsmöglichkeiten.

Solidarität mit Kuba bedeutet daher zweierlei: Sie richtet sich gegen konkrete materielle Angriffe – die Blockade, die Sanktionen, den ökonomischen Druck. Und sie bedeutet zugleich den Aufbau praktischer Verbindungen, die diese Isolation durchbrechen.

In diesem Sinne ist die Solidarität mit Kuba kein Randthema internationaler Politik. Sie ist ein Prüfstein dafür, ob die Linke in der Lage ist, reale Machtverhältnisse zu erkennen – und ihnen praktisch etwas entgegenzusetzen.

Aufruf zur Solidaritäts-Brigade

Um das praktsiche Band der Solidarität zu erneuern, rufen wir dazu auf sich an der internationalen Kuba-Solidaritätsbrigade von 2. bis 16.8. zu beteiligen. Eine erste unverbindliche Anmeldung ist unter diesem Link möglich.

Die Kosten für die 14 Tage belaufen sich auf 790€, plus Flüge.

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