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Ausblick auf die wirtschaftlichen Folgen des Irankriegs

Inmitten der noch immer ungelösten Teuerungskrise und des von der EU verordneten Kürzungszwangs zeichnet sich ausgehend vom Nahen Osten die nächste Inflationswelle ab. EIne Analyse des Arbeitskreis Ökonomie
Als Reaktion auf den völkerrechtswidrigen Überfall der USA auf den Iran Ende Februar dieses Jahres hat dieser mit der Straße von Hormus eine der ökonomisch bedeutendsten Schifffahrtsrouten des Globus gesperrt. Die globalen Energiepreise sind bereits in die Höhe geschnellt, der Lebensmittelmarkt könnte bald nachziehen. Während die Krise Süd- und Ostasien sowie Afrika bereits erreicht hat, verabsäumt die österreichische Regierung die Vorbereitung nötiger Preiseingriffe. Ohne staatliche Begrenzung der Gewinnmargen droht eine Wiederholung der Profit-Preis-Spirale des Jahres 2022. Die teilstaatliche OMV freut sich bereits öffentlich auf Übergewinne im Windschatten der Krise.
Das Ausmaß des Schadens
Vor der Blockade der Straße von Hormuz wurden weltweit ein Fünftel des Erdölhandels, ein Fünftel des Flüssiggashandels und ein Drittel des Seehandels mit Düngemitteln durch die Meerenge vor der Küste des Irans abgewickelt. Dementsprechend groß sind die wirtschaftlichen Verwerfungen, die im Falle eines anhaltenden Konflikts im Persischen Golf auf uns zukommen könnten, sobald sich diese Engpässe auf die Endverbraucherpreise fortgesetzt haben. Dazu kommen Schäden an der Flüssiggas-Infrastruktur Katars infolge iranischer Bombardements, die die weltweite Flüssiggas-Exportkapazität für mehrere Jahre um knapp 3 % reduzieren werden, selbst wenn der Konflikt morgen beigelegt würde.
Die Inflation erreicht Österreich
Als erste Boten der zu befürchtenden Teuerungswelle sind die Diesel-, Benzin- und Heizölpreise um (im Jahresvergleich, Stand März) 22 %, 12 % beziehungsweise 38 % gestiegen. Doch dabei wird es kaum bleiben. Ab Juni, pünktlich zu Beginn der Urlaubssaison, werden in Europa eine Kerosinknappheit und folglich ein Anstieg der Passagierflug- und Luftfrachtpreise erwartet. Und wenngleich sich die Effekte auf österreichische Lebensmittelpreise kaum verlässlich vorhersagen lassen, muss mittelfristig angesichts einer weltweiten Verteuerung chemischer Düngemittel – die Vereinten Nationen prognostizieren für die Jahresmitte einen Düngerpreisanstieg von 15–20 % gegenüber dem Vorjahr – von einer erneuten Inflation am Lebensmittelmarkt ausgegangen werden. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass steigende Energie- und Agrarrohstoffpreise Spekulant auf den Plan rufen, deren Nachfrage die Preisentwicklung erst recht befeuert. In Summe zeichnen sich Preisanstiege vor allem lebensnotwendiger Waren ab: Heizstoff, Treibstoff, Nahrungsmittel. Wieder zeigt sich, dass die Teuerung jene am härtesten trifft, die den größten Teil ihres Einkommens für die Deckung ihrer Grundbedürfnisse aufwenden müssen.
Versorgungskrisen in Asien und Afrika
Anderswo ist die Situation bereits weit drastischer. Vor allem Ost- und Südasien ist fast vollständig von Energielieferungen abhängig, die in Friedenszeiten durch die Straße von Hormus verschifft werden. Zahlreiche Staaten sind angesichts der anhaltenden Versorgungs- und Inflationskrise zu Rationierungsmaßnahmen gezwungen. So sind in Myanmar Privatfahrzeuge abhängig von ihrer Nummerntafel nur an geraden oder ungeraden Tagen zugelassen, während in Bangladesh aufgrund illegaler Hamsterkäufe und mehrerer Sicherheitsvorfälle Öldepots und Tankstellen von Militär und Polizei bewacht werden und der Beamt Sri Lankas und der Philippinen eine Vier-Tage-Woche verordnet wurde, um das Verkehrsaufkommen zu reduzieren.
Auch der afrikanische Kontinent ist stark betroffen: In Äthiopien wird Treibstoff zulasten privater Konsument prioritär an den öffentlichen Verkehr vergeben, Zimbabwe streckt fossile Energieträger mit Ethanol, und sowohl in Kenia als auch auf den Komoren kam es im Zuge von Protesten gegen erhöhte Spritpreise bereits zu Todesfällen.
Krisenprofiteure zur Kasse bitten
Weder diese Krise noch die allgemeine Tendenz der kapitalistischen Konkurrenz, Kriege um Ressourcen zu produzieren, wird sich in Österreich lösen lassen. Das politische Gebot der Stunde wäre aber, sich darauf vorzubereiten, wo möglich zu verhindern, dass einige Wenige sie nutzen, um sich auf Kosten des Rests der Bevölkerung zu bereichern, wie man das 2022 geschehen hat lassen. Spätestens seit der Erfahrung der letzten Jahre ist offenkundig, dass es Unternehmen in Zeiten hoher Inflation immer wieder gelingt, ihre Preise über ihre gestiegenen Kosten hinaus anzuheben und ihre Profite auszudehnen. Das betrifft insbesondere Energieversorger und die Lebensmittelbranche – Sektoren mit geringem Konkurrenzdruck, auf deren Produkte wir nicht verzichten können, egal wie teuer sie sind. Tatsächlich füllt der Krieg gegen den Iran bereits heute weltweit die Taschen ohnehin reicher Öl- und Gaskonzerne. Den hundert Größten bescherte er allein im März Überprofite in der Höhe von 30 Millionen US-Dollar – stündlich (!) und zusätzlich (!) zu den nicht eben bescheidenen Profiten, die sie voraussichtlich ohne den US-amerikanischen Angriffskrieg erzielt hätten. Auch die OMV, die nebenbei bemerkt für das erste Quartal 2026 einen Gewinn (vor Steuern und Zinsen) von etwas über einer Milliarde Euro meldete, erklärte freimütig, sie gehe davon aus, dass die gestiegenen Preise ihre Verluste durch das gesunkene Absatzvolumen mehr als wettmachen werden.
Gleichzeitig gilt es, der Spekulation mit Energie- und Agrarressourcen, wo immer möglich, einen Riegel vorzuschieben, bevor milliardenschwere Zocker wie bereits vor vier Jahren mit Wetten auf steigende Preise Güter des täglichen Bedarfs noch weiter verteuern. Momentan scheint noch das Gegenteil der Fall zu sein: Dass Öl- und Gaspreise trotz der beschriebenen Verwerfungen nicht noch höher liegen, als sie es ohnehin tun, dürfte eine irrational optimistische Stimmung auf dem internationalen Energiemarkt bezeugen, die sich der Tatsache verdankt, dass die den Markt dominierenden Spekulant nicht entsprechend ihrer Einschätzung der realen Situation, sondern ihrer Einschätzung der Einschätzung ihrer Konkurrenz kaufen oder verkaufen. Denn will man vom Handel mit Öl, Gas oder irgendeinem anderen Spekulationsobjekt profitieren, ist einzig von Interesse, ob der Kurs steigt oder fällt. Und das hängt wiederum davon ab, ob der Rest des Marktes an Kursgewinne oder -verluste glaubt. So kann es sein, dass jede Spekulant trotz realistischer Einschätzung der ökonomischen Lage deshalb nicht Öl en masse kauft, um auf steigende Preise zu wetten, weil er oder sie davon ausgeht, dass das auch sonst niemand tut – und gerade deswegen der Preis auch nicht steigen wird.
Der freie Markt wird es nicht richten
Der freie Markt erfüllt durchaus seinen Zweck. Der besteht aber nicht in einem leistbaren Leben für alle, sondern in der Profitmacherei einiger Weniger. Um Übergewinne auf Kosten unserer Grundbedürfnisse und eine Profit-Preis-Spirale zu verhindern, muss ernsthaft und ohne Scheu vor Konflikten in die Preissetzung österreichischer Unternehmen eingegriffen werden. Die Leistbarkeit dessen, was wir alle brauchen, dürfen wir nicht in die Hände profitorientierter Unternehmen legen.
