Arbeitskampf im Krankenhaus:
Warum der Widerstand in den Ordensspitälern anders ist

Kundgebung zum ersten Streik, am 22. Jänner 2026, der Beschäftigten der Ordensspitäler Oberösterreich
Auch nach mehreren Runden der Kollektivvertragsverhandlungen für die Ordensspitäler Oberösterreichs ist es zu keiner wesentlichen Annäherung gekommen. Am 03. März wird daher zum 2. Mal ganztägig gestreikt. Interessant ist, wie dieser Arbeitskampf organisiert wurde.
Von der Basis zum Kollektiv

Das Außergewöhnliche an diesem Arbeitskampf ist seine demokratische Architektur. Er wurde nicht von Gewerkschaftszentralen am Reißbrett entworfen, sondern ist das Ergebnis einer tiefgreifenden Organisierung von unten.
Die Forderungen wurden in einem kollektiven Prozess direkt auf den Stationen, in den Wäschereien und Teeküchen erarbeitet. Die Beschäftigten haben sich als Subjekte begriffen, die selbst am besten wissen, was sie zum Überleben brauchen und was notwendig ist, für eine langfristig abgesicherte Versorgung der Patient:innen.

Einheit statt Spaltung
Ein zentraler Erfolg dieses Kampfes ist die Überwindung der künstlichen Hierarchien. Es wurde stets versucht, die Belegschaften zu spalten – in „akademisch“ und „nicht-akademisch“, in „Kernbelegschaft“ und „Hilfskräfte“.
Dieser Kampf wird hier gemeinsam geführt: von der Reinigungskraft bis zur diplomierten Krankenschwester.
Die neue Macht der Teamdelegierten

Ein wichtiger Punkt dieser Auseinandersetzung ist das System der Teamdelegierten. Überall in den Häusern wurden Kolleginnen und Kollegen gewonnen, die als direktes Bindeglied zwischen Station und Organisation fungieren.

  • Sie sind keine fernen Funktionär:innen, sondern das Gesicht des Protests vor Ort.
  • Durch sie wurde die Gewerkschaft nicht nur „genutzt“, sondern im wahrsten Sinne des Wortes gewonnen und transformiert. Die Gewerkschaft wird hier zum Werkzeug der Belegschaft, nicht zum Verwalter des Stillstands.
Das 40 Tage Ultimatum

Die Entschlossenheit zeigte sich in einer beispiellosen Welle von Unterstützungserklärungen. Tausende Unterschriften wurden gesammelt, verbunden mit einem klaren 40-Tage-Ultimatum an die Dienstgeber.
Diese Frist war kein bloßes Datum – sondern eine Ansage. Als die Gegenseite versuchte, auf Zeit zu spielen, war die Antwort: Der Streik! – Mittlerweile wurden 2 große Kundgebungen und 2 Streiks organisiert.

Aussicht:

Dieser Arbeitskampf in den Ordensspitälern Oberösterreich ist mehr als eine „normale“ KV‑Runde – er ist ein Beispiel dafür, wie sich Lohnabhängige im Gesundheitswesen bewusst, demokratisch und kollektiv organisieren. Statt bloß passiv auf Verhandlungsergebnisse zu warten, haben insbesondere die nichtärztlichen Beschäftigten die Initiative ergriffen und ihren Kampf selbst in die Hand genommen.
Er hat gezeigt, dass Organisierung im Pflegebereich möglich ist, wenn man die Menschen ernst nimmt. Die Erfahrung der kollektiven Selbstwirksamkeit wird bleiben und die Grundlage für kommende Kämpfe bilden.

Die Position der KPÖ

Als KPÖ stehen wir voll und ganz hinter den Forderungen der Beschäftigten in den Ordensspitälern. Doch wir wissen: Ein Pflaster heilt keine systemische Krankheit. Wir fordern:

  • Arbeitszeitverkürzung: 30-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Nur so kann der Beruf langfristig gesund ausgeübt werden.
  • Stopp der Profite mit der Gesundheit: Die Gesundheit der Bevölkerung darf nicht zur Ware werden – und die Arbeitskraft der Pflegenden nicht zur Verschleißware
  • Lohnerhöhung: Ein Gehalt, das nicht nur die Inflation abdeckt, sondern den realen gesellschaftlichen Wert dieser Arbeit widerspiegelt.
  • Personalschlüssel gesetzlich verankern: Verbindliche Quoten, die sich am Patientenschutz und nicht an Budgetvorgaben orientieren.

Petra Roth-Hopfgartner sprach mit den Beschäftigten der Ordensspitäler OÖ. und mit den Organizer:innen des Arbeitskampfes. 

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