
Interview erschienen in Argument 01/25
Die KPÖ wächst zusammen

Interview mit Günther Hopfgartner, Bundesvorsitzender
Redaktion: Günther, du bist seit vier Jahren Vorsitzender der KPÖ. Wir reden gern über Erfolge, aber was ist in dieser Zeit nicht gelungen?
Günther Hopfgartner: Es ist uns gelungen, der Partei als Ganzes das Selbstbewusstsein zurückzugeben, dass sie die Stärke entwickeln kann, Gesellschaft zu verändern. Am gemeinsamen Verständnis davon, warum es heute eine kommunistische Partei in Österreich braucht, müssen wir aber noch arbeiten. In allen Bundesländern gibt es in den Grundorganisationen und zwischen den Mitgliedern sehr unterschiedliche Zugänge dazu. Keiner davon ist der Königsweg und es ist unsere gemeinsame Aufgabe, die unterschiedlichen Ansätze zusammenzubringen, zu entwickeln und zu erweitern. Die geteilte Vorstellung davon fehlt uns noch.
Redaktion: Was wäre denn in deiner Perspektive das „richtige“ Verständnis von Partei?
Günther Hopfgartner: Wir müssen die KPÖ als organisatorisches Zentrum aller Interessen gegen die Verwertungslogik des Kapitalismus, die patriarchalen Strukturen und die vorherrschende Kriegslogik aufbauen. Natürlich bauen wir dieses Zentrum auch über Mandate in den Parlamenten auf. Verbindende Klassenpolitik muss an allen Orten ansetzen, wo Interessen der arbeitenden Klasse in ihrer Gesamtheit verletzt werden. Die Kernaufgabe der KPÖ besteht aber im Aufbau organisatorischer Strukturen durch die gleichzeitige Stärkung der Selbstorganisationsfähigkeit der Klasse und nicht in ihrer parlamentarischen Vertretung.
Redaktion: Reicht das für eine konkrete Vorstellung davon, was Partei heißen soll?
Günther Hopfgartner: Als vorläufiges Selbstverständnis ja, als fertige Gebrauchsanweisung für die tägliche Arbeit natürlich nicht. Wäre diese Aufgabe umstandslos ohne konkrete Ideen in die Wirklichkeit zu übersetzen, wäre sie ja längst bewältigt. Wir reden gern in der Partei darüber, dass wir in Arbeitskämpfen und Betrieben aktiv sein sollen. Wenn es um konkrete Schritte dorthin geht, fehlen schnell die Ideen. Deshalb definieren wir die Erarbeitung von praktisch umsetzbaren Schritten zu einer stärkeren Verankerung der KPÖ im Arbeitsfeld als einen unserer Schwerpunkte in den nächsten Jahren.
Redaktion: In der Partei wird viel über solidarische Projekte diskutiert. Worin siehst du den Beitrag zur Parteientwicklung?
Günther Hopfgartner: Es geht darum, Solidarität praktisch zu erleben. Ich würde da zum Beispiel die Pizza Comunista in Innsbruck sehen. Da ist schon viel drin. Je mehr Menschen in Armut rutschen, desto weniger Spielraum bleibt, Essen als lustvolle Tätigkeit zu erleben. Anfangs waren die lokalen Kader noch mit dem Kernbetrieb beschäftigt. Mittlerweile sind aber viele Aktive Teil des Projekts, es kommen Nachbarn, Armutsbetroffene und politisch Interessierte zusammen. So wie ich es erlebt habe, ist die Pizza Comunista ein Ort für Familien und der politischen Debatte, wo Mandatar:innen der KPÖ mit Besucher:innen auf Augenhöhe zusammenkommen und etwas tun. Das lässt sich selbstverständlich weiterentwickeln, aber zeigt das Potential auf, das darin liegt, Alltagsinteressen in ihrer Vielfalt von Teuerung bis Genuss aufzugreifen.
Redaktion Argument
Aktuelles

PVA-Gutachten: KPÖ begrüßt Mitnahme von Vertrauensperson

KPÖ fordert Solidaritätsabgabe der ehemaligen Adelsfamilien


