BILDUNG | ABC DES KOMMUNISMUS

ABC des Kommunismus

Ideologie & Hegemonie

In unserer Serie »ABC des Kommunismus« stellen wir zentrale Begriffe und Debatten sozialistischer Politik vor. Ganz nach dem Motto »Kommunismus ist für alle da«.

Damit die Menschen bereit sind, unter kapitalistischen Bedingungen zu leben und zu arbeiten, müssen sie auch glauben, dass es „normal“ ist, dass die Gesellschaft so funktioniert, wie sie funktioniert. Das ist eine der zentralen Rollen der Ideologie. Ideologie bedeutet nicht einfach, sich „falsche“ Vorstellungen von der Welt zu machen, sondern sie ist immer da.

Ideologie ist das imaginäre Verhältnis der Menschen zu den gesellschaftlichen Verhältnissen, die Vorstellungen darüber, wie diese funktionieren, und welche Rolle man darin als Individuum spielt. Mehr als bloße Ideen, drückt sich Ideologie in den Handlungen der Menschen aus. Kein Mensch, keine Politik und keine Gesellschaft sind frei von Ideologie. Ideologie ist, wie Mundgeruch, man bemerkt sie immer nur bei den anderen. Das bedeutet, dass wir uns in der Regel nicht darüber bewusst sind, dass unsere Vorstellungen selbst ideologisch sind, sondern dass wir diese Vorstellungen als Fakten wahrnehmen.

Ideologie ist dabei immer zwischen gesellschaftlichen Gruppen umkämpft. Der italienische Marxist Antonio Gramsci sprach in diesem Zusammenhang von Hegemonie. Der kapitalistische Staat hält seine Herrschaft nicht nur mittels Polizei und Militär aufrecht, sondern durch (kulturelle) Hegemonie. Ein breites Netzwerk an „zivilgesellschaftlichen“ Organisationen, wie Schule, Medien, Parteien oder NGOs, schafft und hält diese Hegemonie aufrecht, indem sie an den Alltagsverstand der Menschen anknüpft.

Die konkrete Hegemonie unterliegt dabei immer gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und ist nie absolut. Als Kommunist:innen setzen wir hier an und versuchen, im Verhältnis zur herrschenden kapitalistischen Hegemonie einen „Geist der Abspaltung“ zu schaffen. Das heißt, eine Gegenhegemonie aufzubauen, eine widerständige Sicht auf die Welt, die sich gegen die herrschende Ordnung stellt. Das machen wir über Bildungsarbeit, eigene Medien, aber auch ganz praktisch durch erlebbare Solidarität, wie Straßenfeste oder Mieter:innenberatung. Dabei zeigt die Geschichte, wenn die kapitalistische Hegemonie wirklich gefährdet ist, greifen die Herrschenden zu Repression und Gewalt.

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