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Resi Pesendorfer: »Die haben ja gewusst, dass ich Kommunistin bin. Ihr Hunde, hab' ich mir geschworen, ihr kriegt mich nicht!«

Eröffnung des Theresia-Pesendorfer-Platzes in Bad Ischl im Mai 2024

Theresia Pesendorfer spielte eine Schlüsselrolle beim Aufbau der Widerstandsbewegung als Kurierin und Organisatorin, indem sie unermüdlich unter Einsatz des eigenen Lebens für illegale Quartiere sowie Ausrüstung, Verpflegung sowie Sprengstoff und Munition für die Widerstandskämpfer sorgte.
Sie war eine der markantesten Gestalten des Widerstandes im Salzkammergut.
1935 erfolgte ihr Beitritt zur KPÖ.

Seit 2006 gibt es von Seiten der KPÖ Bemühungen in Bad Ischl eine Straße, eine Gedenkstafel oder einen Platz nach ihr zu benennen.
Nun 18 Jahre später, fand am 9. Mai die Eröffnung vom Theresia-Pesendorfer-Platz in Bad Ischl im Rahmen der europäischen Kulturhauptstadt Salzkammergut auf einer breiten Zivilgesellschaftlichen Initiative statt.

Liebe Gerlinde,  kannst du uns kurz skizzieren was in dieser Zeitspanne passiert ist, bzw. wie es dazu gekommen ist, dass endlich ein Platz nach Resi Pesendorfer benannt wurde.

Gerlinde Grünn: Die KPÖ Oberösterreich hat seit jeher großen Wert darauf gelegt, die Geschichte des kommunistischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus aufzuschreiben, aber nicht nur zu dokumentieren, sondern auch zu schauen, dass diese Geschichten nicht verschwinden, sondern auch im öffentlichen Raum präsent sind.
So gibt es zum Beispiel in Linz auf Initiative der KPÖ eine Henriette-Haill-Straße, nach einer kommunistischen Schriftstellerin benannt.
Weiters wurde im Linzer Süden eine Straße nach der Widerstandskämpferin Gisela Tschofenig-Taurer benannt, die nur kurz vor Kriegsende ermordet wurde.
In Bad Ischl verhält es sich so, dass sich dort unsere Genossin Erika Krenn (1938-2016) für eine Straßenbenennung von Resi Pesendorfer eingesetzt hat. Sie hat bereits 2006 den Bürgermeister kontaktiert und darum ersucht, eine Straße nach Pesendorfer zu benennen um ihre mutigen Taten als Widerständlerin zu würdigen. Leider ist damals, obwohl die Erika hartnächig dran geblieben ist, nichts daraus geworden.
Zusätzlich hat sich eine Initiative um den Kulturaktivisten Mario Friedwagner gebildet, die auch eine Straßenbenennung gefordert haben.
Es wurde auch ein Projekt für die Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024 eingereicht und letztendlich ist es so gekommen, dass Bad Ischl gesagt hat ja, es ist klug öffentliche Orte nach verdienten Frauen zu benennen und im Zuge gab es dann mehrere Benennungen nach Frauen.
Der zentrale Platz im Kurpark ist jetzt nach Resi Pesendorfer benannt!

An diesem Tag kam eine große KPÖ Delegation aus Oberösterreich nach Bad Ischl zu diesem Festakt. War es wichtig an dieser Eröffnung teilzunehmen?

Gerlinde Grünn: Ja, natürlich. Es ist uns eine große Freude, dass es jetzt einen Platz für die Resi Pesendorfer in Bad Ischl gibt.
Aber dahinter war natürlich schon auch der Gedanke, dass wir als KPÖ dort präsent sind. Wir haben vor Veranstaltungsbeginn eine Aktion mit Tafeln auf denen ein Portrait und Sprüche von Resi drauf waren gemacht.
Wir wollen auch den kommunistischen Hintergrund von der Resi Pesendorfer betonen, weil es ja oft so ist, dass ja der ideologische Hintergrund von Widerstandskämpfer:innen dann so ein bisschen verschwiegen wird. Ihre kommunistische Identität war Triebfeder ihres Widerstands, das hat ihr Kraft gegeben und vor allem hat es die Vernetzung mit den Genossen:innen gegeben, die sich gegenseitig unterstützt haben.

Warum ist es für dich notwendig und wichtig , dass in Bad Ischl ein Platz nach Resi Pesendorfer benannt ist?

Gerlinde Grünn: Das Salzkammergut war ja einer der Hotspots des kommunistischen Widerstands in Oberösterreich. Denken wir nur etwa an den Franz Kain, Schriftsteller und Widerstandskämpfer, der als Bursche schon inhaftiert wurde; oder an die Gruppe Willy-Fred rund um den Sepp Plieseis.
Leider war es auch lange Zeit so, dass man nur die Männer gesehen und darauf vergessen hat, dass auch Frauen einen unglaublich wichtigen Beitrag geleistet haben.
Wie etwa Resi Pesendorfer, die durch ihre hochgefährliche Botentätigkeit in ständiger Lebensgefahr war. Sie hat einfach die Informationen geliefert. Sie hat Lebensmittel geliefert. Sie hat Flüchtende versteckt. Diese wichtigen Tätigkeiten wurden lange Zeit nicht gesehen. Leider war es auch in der KPÖ lange so, dass man weniger genau auf die Frauen hingeschaut hat.
Peter Kammerstätter hat aber schon sehr früh angefangen auch die Frauen zu interviewen und dadurch gesehen, dass auch Frauen einen wichtigen Beitrag zum Niederringen des Faschismus geleistet haben.
Die Dokumentation und das Weitererzählen der Geschichten ist eine Sache, die andere ist die Präsenz von Widerstandskämpferinnen im öffentlichen Raum.
Für diese Sichtbarkeit gilt es zu kämpfen.

Danke für das interessante Gespräch!
Das Interview führte Petra Roth-Hopfgarner, KPÖ Linz


Infos zur »Broschüre Resi Pesendorfer« findet sich auch auf der Seite der KPÖ-Oberösterreich.

Gerlinde Grünn: Mitglied des Linzer Gemeinderates, Landesprecherin der KPÖ-Oberösterreich.
Kontakt: ooe@kpoe.at | Instagram: gerlindegrunn

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