Nächster Preis-Hammer bei Lebensmitteln?

Expert:innen warnen: Im Supermarkt droht der nächste Schock. Die Lebensmittelpreise könnten um mehr als 20 Prozent steigen. Die Situation erinnert an den Beginn der letzten Teuerungswelle.

Als die Gaspreise im Vorfeld und im Nachgang des russischen Einmarsch in die Ukraine anstiegen, reagierte die österreichische Politik völlig verfehlt. Durch Spekulationen auf den Finanzmärkten wurden die Energiepreise extrem erhöht. Weil bei den Energiepreisen nicht rasch eingegriffen wurde, schlug diese Preisexplosion auch beim Wohnen und Lebensmittel voll durch. Jahrelang wurden Preiskontrollen bei Grundnahrungsmitteln verweigert. Die Folge: Im Windschatten der steigenden Kosten erhöhten Lebensmittelkonzerne ihre Profite und wir wurden ärmer. 

Wiederholt sich die Teuerung?

Die Teuerung der Lebensmittel war daher in großen Teilen NICHT durch gestiegene Kosten verursacht, sondern durch die Ausdehnung der Profit-Marge. Während die Regierung aktuell noch gegen die letzte Teuerungswelle eine symbolische Senkung der Mehrwertsteuer nachgelegt hat, droht sich die Situation zu wiederholen. Denn im Zuge des Iran-Krieges kommt es zur deutlichen Reduktion von Kunstdünger auf dem Weltmarkt. Das beunruhigt zunehmend auch bürgerliche Ökonomen.   

Doppelt falsche Hoffnungen

Dass die Lebensmittelpreise nicht bereits jetzt spekulativ in die Höhe getrieben werden, liegt an einer falschen Hoffnung der Finanzmärkte, meint der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher. Aktuell rechnen die Spekulant:innen auf den Finanzmärkten damit, dass sich die Situation zeitnah entspannen würde. Dahinter steht die Logik, dass die spekulative Preisbildung von der irrationalen Einschätzung der Marktakteur:innen über die Summe aller Einschätzungen der anderen Marktakteur:innen abhängt. Eine prekäre Situation, die sich auch sehr schnell zum Schlechteren ändern kann. 

Schlechte Aussichten

Und wenn sich diese Situation ändert, dann auf unsere Kosten. “Die Menschen werden sich daran gewöhnen müssen, dass Lebensmittel in den kommenden Jahren deutlich schneller teurer werden als andere Produkte,” prognostiziert DIW-Chef Fratzscher. Und, so beurteilt er die Situation: “Weder Unternehmen noch Politik sind vorbereitet.” Eine Beurteilung, die man für Österreich nur doppelt unterstreichen kann. Denn Österreichs Regierung macht nur zu deutlich, dass das Zaudern und Zögern ihr Mittel der Wahl bei explodierenden Preisen ist. 

Schlechtes Wetter

Und verschärft wird die ganze Situation potentiell noch durch die Klimakrise, denn es droht in den kommenden 12 Monaten ein besonders starkes El Niño-Jahr. Dieses Wetterphänomen könnte zu erheblichen Dürren und starken Überschwemmungen in unterschiedlichen Erdteilen führen – beides kann neben fehlendem Dünger zu zusätzlichen Ernteausfällen führen. Vor diesem Hintergrund werden starke Preiserhöhungen für Grundnahrungsmittel auf den Weltmärkten noch wahrscheinlicher.