
Heute hätte Wladimir Iljitsch Uljanov, besser bekannt als Lenin, seinen 156. Geburtstag gefeiert. In der antikommunistischen Öffentlichkeit ein rotes Tuch, für die Unterdrückten der Erde lange der verkörperte Beweis, dass nichts bleiben muss, wie es ist.
Als einer der bedeutendsten Theoretiker des Marxismus, als Revolutionär im Kampf gegen imperialistische Kriege, Ausbeutung und Unterdrückung und nicht zuletzt als Mitbegründer der sozialistischen Sowjetunion, ging Lenin in die Geschichte ein. Auch viele Jahrzehnte nach seinem frühen Tod sind imperialistische Kriege, Umweltzerstörung und Ausbeutung noch immer allgegenwärtig. Lenins Lebenswerk hat in Theorie und Praxis nichts an Aktualität eingebüßt.
Lebendiges Denken statt toter Theorie
Es gehört zu den dümmsten Vorurteilen des bürgerlichen Antikommunismus, Lenin habe sein Denken als unabänderliche Lehrsätze verstanden. Die Lebendigkeit des Denkens Lenins kommt gerade daher, dass sie sich gegen apodiktische Formeln verwehrt hat: “Jede abstrakte Wahrheit wird zur hohlen Phrase, wenn sie für jede konkrete Situation gilt”.
Wer zum Beispiel die kriegerischen Verwerfungen des Spätkapitalismus verstehen will, die wir heute auf der ganzen Welt sehen, wird an Lenins Imperialismustheorie eine große Hilfe finden. Nicht als tote Theorie, sondern als anschauliches Beispiel, wie aus den grundlegenden Widersprüchen des Kapitalismus in Verbindung mit der konkreten Situation des Weltmarktes lebendige marxistische Begriffe erarbeitet werden.
Lenin als Politiker und Organisator
Das machte auch seine Stärke als real wirksamer Marxist aus. Die Erkenntnis der allgemeinen Grundtendenz der Geschichte in der konkreten Lage sowie das daraus gewonnene Verständnis der konkreten Kräfteverhältnisse und Möglichkeitsräume machten ihn wahrscheinlich zum wirkmächtigsten Realpolitiker des Marxismus. Dazu gehörte auch seine Geduld darüber, dass sich soziale Praxis nicht theoretisch abkürzen lässt. “Es ist unbestreitbar, daß „jeder Streik die Hydra der sozialen Revolution verbirgt“. Aber es ist Unsinn, zu denken, daß wir direkt von einem Streik zur Revolution schreiten können.”
Gleichzeitig war seine theoretische wie politische Reflexion immer auf den Bruch mit der Herrschaft ausgerichtet. In seinen organisatorischen Überlegungen spielten die Möglichkeitsräume sowie die Praxis der Arbeiter:innenbewegung immer die erste Geige. So wirkte er je nach historischer Situation auf neue Formen der Organisation hin und zögerte nicht, seine eigenen Feststellungen nach wenigen Jahren als überholt zu bezeichnen.
Lenin als Inspiration
So albern die Zerrbilder des Antikommunismus über Lenin sind, sowenig ist unser Bezug zu Lenin kultische Verehrung. Sich an Lenin zu erinnern heißt, seinen politischen Appell zu erinnern und den Aufbau der klassenkämpferischen Bewegung und der Kommunistischen Partei im Hier und Heute voranzutreiben.
Dabei ist die Haltung Lenins als Marxist und Revolutionär auch heute noch wichtig: Um den Kapitalismus in Frage stellen zu können, muss man seine Funktionsweise und das gesellschaftliche Kräfteverhältnis immer wieder analysieren, man muss eine politische Bewegung in Gang bringen, die diesen Kräfteverhältnissen gewachsen ist – und man muss zur richtigen Zeit das Richtige tun.
Redaktion
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