Teuerung ist kein Naturgesetz – sondern eine Frage der Macht

Kaum eskaliert ein neuer Krieg, folgt die nächste Warnung: Lebensmittel könnten teurer werden. Diesmal ist es der Iran. Ölpreise steigen, Transport wird teurer – und schon bereiten Handelsketten und Lebensmittelkonzerne die nächste Preisrunde vor. Eigentlich logisch, behaupten die Medien.

Doch ein Blick auf die Zahlen zeigt: Die Realität ist etwas anders. In Österreich sind Lebensmittel in den letzten Jahren um rund 30 Prozent teurer geworden, teilweise sogar deutlich mehr. Einzelne Grundnahrungsmittel haben sich seit der Teuerungskrise massiv verteuert. Gleichzeitig lag die allgemeine Inflation deutlich darunter. Das bedeutet: Lebensmittelpreise steigen stärker als die tatsächlichen Kosten.

Rekordprofite

Noch auffälliger ist die Entwicklung der Profite. Der Handelskonzern SPAR Österreich setzte zuletzt über 19 Milliarden Euro um und konnte seine Ergebnisse weiter steigern. Auch die REWE Group, zu der Billa und Penny gehören, schreibt Milliardenprofite.

International zeigt sich dasselbe Bild: Konzerne wie Nestlé oder Unilever steigern ihre Profite – nicht trotz, sondern auch wegen steigender Preise. Das widerspricht der gängigen Erzählung. Wenn Kosten der entscheidende Faktor wären, müssten Profite unter Druck geraten. Tatsächlich bleiben sie stabil oder steigen sogar.

Was hier wirkt, ist ein anderes Prinzip: Marktmacht.

Vier große Handelsketten kontrollieren über 90 Prozent des Lebensmittelmarkts in Österreich. In einem solchen System entscheiden wenige Konzerne, wie stark Preise steigen.

Genau das nutzen die Konzerne in Krisenzeiten gezielt aus. Steigen einzelne Kosten – etwa für Energie oder Transport –, wird sofort eine breite Preiswelle angekündigt. Die Erwartung steigender Preise wird zur Rechtfertigung, die eigenen Margen auszuweiten.

Vorgeschobene Gründe

Der Verweis auf Krieg ist dabei politisch praktisch – ökonomisch aber oft vorgeschoben. Denn der Iran-Konflikt hat auf die Versorgung mit Lebensmitteln in Europa nur indirekte Auswirkungen. Trotzdem wird er genutzt, um die nächste Teuerungsrunde zu legitimieren.

Für die Menschen bedeutet das reale Verluste. Während Löhne und Einkommen nur langsam steigen, ziehen die Preise im Supermarkt dauerhaft an. Die Folge ist eine stille Umverteilung: von unten nach oben.

Kein Naturgesetz

Diese Entwicklung ist kein Naturgesetz. Sie ist das Ergebnis politischer Entscheidungen – und kann auch politisch verändert werden.

Preise für Grundnahrungsmittel können reguliert werden, um Preistreiberei zu verhindern. Überprofite der Konzerne können wegbesteuert werden. Das macht Preistreiberei unattraktiv, und wenn sie doch stattfindet, können die Einnahmen zurück an die Bevölkerung verteilt werden. Und schließlich muss auch die Marktkonzentration nicht hingenommen werden.

Wer heute steigende Preise einfach mit Krieg erklärt, verschleiert die eigentliche Ursache: wirtschaftliche Macht und das Streben nach Profit.