Sozialwirtschaft: Ein fauler Kompromiss

Mai-Demonstration der KPÖ mit Transparent »Geht´s der Pflege gut, geht´s uns allen gut!«

2,6 Prozent mehr Lohn und damit deutliche Reallohnverluste gibt es für die Beschäftigten in der Sozialwirtschaft. Es ist ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen und eine verpasste Chance.

Der aktuelle Kollektivvertragsabschluss in der Sozialwirtschaft sorgt für breiten Unmut – und das zu Recht. Was als Ergebnis harter Verhandlungen verkauft wird, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als fauler Kompromiss, der weder die dramatische Teuerung noch die massiven Belastungen der Beschäftigten ernsthaft abfedert.

Gebunden für zwei Jahre

Ab April 2026 sollen die Löhne um 2,6 % steigen. Real bedeutet das – angesichts der Inflation – lediglich rund 1,8 % für 2026 und damit einen Reallohnverlust. Noch problematischer ist der Blick nach vorne: Ab 2027 sind die Erhöhungen zwar inflationsabhängig, jedoch mit einem Deckel von maximal 2,5 %. Reallohnverluste sind damit vorprogrammiert. Für einen Bereich, dessen Gehälter ohnehin deutlich unter dem österreichischen Durchschnittseinkommen liegen, ist das ein fatales Signal.

Zwar enthält der Abschluss kleinere Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen, doch von einer spürbaren Entlastung kann keine Rede sein. Arbeitsverdichtung, chronischer Personalmangel und permanente Überlastung prägen weiterhin den Alltag. Der hohe Teilzeitanteil – besonders unter Frauen – und der Mangel an Vollzeitstellen verschärfen die finanzielle Unsicherheit zusätzlich. Die Teuerung trifft viele Beschäftigte im Sozialbereich massiv und existenziell.

Schlechte Nachrichten für alle

Die Konsequenzen tragen wir alle. Denn die Kolleg:innen in der Sozialwirtschaft arbeiten im Pflege-, Gesundheits- und Sozialbereich – Bereiche, die für das Funktionieren unserer Gesellschaft essenziell sind. Der Abschluss macht die Berufe im Sozialbereich nicht attraktiver – im Gegenteil. Er verschärft den Fachkräftemangel und ignoriert die offensichtliche Notwendigkeit weiterer Arbeitszeitverkürzungen und echter Entlastung. Wer unter diesen Bedingungen neue Kolleg:innen gewinnen oder bestehende halten will, lebt in einer Illusion. Nachdem viele Stellen in diesem Bereich von öffentlichen Budgets abhängen, werden die Beschäftigten hier auch wieder einmal Opfer einer Politik, die im Sozialbereich kürzt, statt sich mit denen anzulegen, die das Kapital haben.

Die Gewerkschaft versagt

Besonders bitter ist, wie dieser Abschluss zustande kam. Ein umfassender Streikbeschluss der Mitglieder lag vor. Viele Beschäftigte waren bereit, weiter zu kämpfen und zu streiken. Es gab Warnstreiks und Proteste – der Druck war da. Dennoch entschied sich die GPA-Führung, diesen Druck nicht zu nutzen und den Konflikt abzuwürgen. 16 Mitglieder des Verhandlungsteams, darunter auch jene des GLB (Gewerkschaftlicher Linksblock), stimmten gegen den Abschluss und zeigten damit, dass es durchaus Alternativen zum sozialpartnerschaftlichen Kompromiss gegeben hätte.

Zu diesen Alternativen gehört auch, die Beschäftigten selbst entscheiden zu lassen, statt hinter verschlossenen Türen einzuknicken.
Mit einer Urabstimmung über das Verhandlungsergebnis könnte die Gewerkschaft den Druck erhöhen und die Mitglieder aktiv einbinden.