Rekrutierung im Klassenzimmer

Die “geistige Landesverteidigung” wird stärker in Lehrplänen verankert, Vorträge vom Bundesheer nehmen massiv zu und das Bundesheer soll Lehrer stellen und will jetzt auch noch Lehrer schulen – Österreichs Schulen werden zum Rekrutierungsbüro für’s Bundesheer.

Das österreichische Bundesheer war letztes Jahr erstmals auf der Innsbrucker Herbstmesse, das laut Website “größte Familien- und Shoppingerlebnis im Herbst”, vertreten. Doch nicht nur hier zeigt sich, wie allgegenwärtig das Bundesheer mittlerweile in unser aller Alltag ist. Auch unsere Schulen sind längst Schauplatz klammheimlicher Imagepflege für das Bundesheer. Jetzt bietet es sogar Schulungen für Lehrer:innen an. 

Das Bundesheer erobert die Schulen

Bereits im Sommer 2023 wurden zwei Bundesheer-Offiziere in die Schulbuchkommission bestellt. Zur etwa selben Zeit kam es zu einem Schulterschluss zwischen den ÖVP-geführten Ministerien für Verteidigung und Bildung: es sollten vermehrt Bundesheerler als Quereinsteiger für den Lehrberuf gefunden werden. Dass das wohl nicht in erster Linie die Bekämpfung des Lehrermangels, sondern die Ausweitung der Präsenz des Bundesheeres in den österreichischen Schulen zum Ziel hatte, lässt sich vermuten, wenn man bedenkt, wie wenig Interesse auch bisher da war, um den Lehrermangel tatsächlich zu bekämpfen. Außerdem wurde beschlossen, die geistige Landesverteidigung ab 2026 stärker in den Lehrplänen zu verankern und Vorträge vom Bundesheer nehmen an Österreichs Schulen exponentiell zu. Waren es 2017 noch 220 Vorträge pro Jahr, waren es 2025 schon um die 3.000(!)

Friedenspädagogik statt “Geistige Landesverteidigung”

Das sechsteilige Ausbildungsmodul des Bundesheeres für Lehrer:innen thematisiert unter anderem das geopolitische Umfeld Europas, sowie Aufgaben und Fähigkeiten des Bundesheeres, die Neutralität Österreichs, Radikalisierungsprävention oder “staats- und wehrpolitische Bildung”. Zugegeben – nicht alle Aspekte dieser Ausbildung sind schlecht oder unnötig (manche hingegen schon) – wozu es aber das Bundesheer brauchen soll, um Themen wie Antifaschismus, Neutralität, internationale Organisationen oder Radikalisierungsprävention in Österreichs Schulen zu verankern, ist und bleibt suspekt und unverständlich. Wer tatsächlich denkt, dem Staat sei an Radikalisierungsprävention gelegen, der findet unzählige Beispiele dafür, wie Initiativen und Projekte, die sich mit genau dieser wichtigen Arbeit beschäftigen, kaputtgespart und eingestampft werden. Statt Jugendliche mit militärischen Konzepten zu indoktrinieren, braucht es Bildung, die auf Frieden, Diplomatie und kritische Reflexion setzt, meint Tobias Schweiger, Bundessprecher der KPÖ. Diese Ansicht teilen auch Lehrer:innen, für die die große Präsenz des Bundesheeres mehr von Rekrutierungsstrategie zeugt, als von Friedenspädagogik. 

Schluss mit Kriegstreiberei und Panikmache

Die Welt befindet sich gerade in einer sehr konfliktreichen Zeit. Überall wo wir hinschauen, entstehen und lodern neue und alte Konflikte. Dass diese Konflikte und Kriege aber kein Naturgesetz sind, sondern Ergebnis aktiv gesetzter Taten von in Kriegslogik verfangenen Regierungen, bleibt in der Auseinandersetzung mit diesen Themen oft eher im Hintergrund. Auch Österreich lässt sich als eigentlich neutrales Land mittlerweile immer weiter in die Logik von Krieg und Aufrüstung hineinziehen – das Bundesheer wird in vielen Lebensbereichen und medial immer präsenter; Geld, das wir so dringend für Sozial-, Gesundheits- und Bildungswesen bräuchten, wird stattdessen in Aufrüstung investiert. Es wird Zeit, dass junge Menschen wieder lernen, wie Frieden tatsächlich zustande kommt und bewahrt wird. Denn Waffen schaffen keinen Frieden – weder bisher noch in Zukunft.