Meinl-Reisinger: Für Habsburg und gegen Neutralität

Erwin Kugler CC BY-SA 3.0

Was macht Außenministerin und NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger? Sie hielt Kaiserspross Karl Habsburg eine lobhudelnde Rede zum Geburtstag.

Gemeinsame Kommandostrukturen statt Neutralität

Kaiserspross Karl Habsburg wurde am 11. Jänner 65 Jahre alt. Anlässlich dieses festlichen Anlasses hielt Außenministerin Beate Meinl-Reisinger eine Rede. Neben Lobhudelei für das Geburtstagskind gab es vor allem ein Plädoyer für eine Großmacht-EU und gegen die österreichische Neutralität.

Russland, Trump und das böse China müssen herhalten, um in ihrer Rede unsere Neutralität zu untergraben. So fordert Meinl-Reisinger die Aufhebung der Einstimmigkeit in der Außen- und Sicherheitspolitik der EU – etwas, das vollkommen unvereinbar mit der österreichischen Neutralität ist. Ebenso wie die Bündelung der Kommandostrukturen der europäischen Armeen, die sie fordert.

Liberal und aristokratisch

Doch wie passt eine liberale Partei eigentlich zu einem Herrscherhaus, das Europa in einen Weltkrieg gestürzt hat?
Na ja, zunächst wäre da einmal die Liebe zu den Vereinigten Staaten von Europa. Immerhin halten die Habsburger die Donaumonarchie gewissermaßen für die Ur-EU. Aber auch sonst scheint es mit dem Republikanismus der liberalen NEOS nicht weit her zu sein.

Gleich zwei Hochwohlgeborene sitzen für die NEOS im Parlament. Anna Stürgkh ist EU-Abgeordnete für die Partei und entstammt dem Geschlecht der Stürgkhs. Ihr bis dato sicherlich bekanntester Vertreter war Karl Stürgkh, der während des Ersten Weltkriegs Ministerpräsident war und als solcher verantwortlich für den Tod von Millionen Menschen. Wie passend, dass seine Nachfahrin Anna Stürgkh heute im EU-Parlament sitzt und erklärt: „Wenn man im Europäischen Parlament sitzt, ist eigentlich klar: Wir sind im Krieg.“

Der zweite prominente Adelige der NEOS sitzt im Nationalrat und heißt Douglas Hoyos. Er entstammt dem edlen Geschlecht der Hoyos, die vor allem für ihren Großgrundbesitz bekannt sind. Entsprechend ist er im Schloss Raan aufgewachsen, einem von sieben Schlössern, die die Familie heute noch ihr Eigen nennen darf. Und weil es sich standesgemäß so gehört, ist er auch gleich mit Anna Stürgkh verheiratet.

Dem Adel verpflichtet

Stellt sich abschließend die Frage, wem die NEOS und ihre Außenministerin Beate Meinl-Reisinger jetzt eigentlich verpflichtet sind: der Republik oder dem Adel? Der Verfassung oder dem Kaiser? Immerhin kann Karl Habsburg nicht mal sagen, dass er nicht der legitime Herrscher Österreich ist. Bei ihrer Rede anlässlich Karl Habsburgs 65. Geburtstag sprach sie das nicht an, ebenso wenig wie ein anderes Thema: die Habsburger Juwelen, die die Familie bis vor Kurzem geheim hielt. Vergangenen Herbst eröffnete der Habsburger Spross Karl der Welt, dass die Familie wertvolle Juwelen nach dem Sturz der Monarchie heimlich entwendete und außer Landes brachte. Was sie nicht verscherbelt haben, wollen sie jetzt behalten und zur Sicherheit weiter im Ausland aufbewahren.  Das wäre doch ein Thema für eine Außenministerin. Doch die hat dazu bisher geschwiegen – nicht nur an Karls Geburtstag.