
HINTERGRUND
Aktuelle Debatten zu Intervention und Regime-Change im Iran erinnern an die Vorgeschichte der brutalen Herrschaft der Mullahs.
Der Sturz von Premierminister Mohammad Mossadegh im Jahr 1953 ist der Schlüssel zum Verständnis der modernen iranischen Geschichte.
Demokratisch für nationale Selbstbestimmung
Mossadegh war demokratisch gewählt. Sein zentrales Projekt war die Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie. Die Gewinne aus dem Öl sollten nicht länger an die britisch dominierte Anglo-Iranian Oil Company fließen, sondern für die Entwicklung des Landes genutzt werden. Für viele Iraner:innen war das ein Akt nationaler Selbstbestimmung.
Großbritannien reagierte mit wirtschaftlichem Druck und internationaler Isolation des Iran. Die USA schlossen sich schließlich der Intervention an. Im Kontext des Kalten Krieges wurde Mossadegh zunehmend als Risiko dargestellt – offiziell wegen möglicher kommunistischer Einflussnahme, faktisch aber wegen strategischer Interessen an geopolitischer Stabilität und Ressourcen.
Putsch von CIA und MI6
Unter dem Codenamen Operation Ajax organisierten CIA und MI6 im August 1953 den Sturz der Regierung. Durch Bestechung von Militärs, mediale Kampagnen und gezielte Destabilisierung wurde Mossadegh entmachtet. Der Schah kehrte gestärkt zurück und baute in den folgenden Jahren ein zunehmend autoritäres Regime auf.
Historisch markiert 1953 den Moment, in dem ein möglicher demokratischer Entwicklungsweg Irans gewaltsam unterbrochen wurde. Dabei stand Mossadegh nicht für Sozialismus, sondern „nur“ für parlamentarische Kontrolle, nationale Souveränität und die Verfügung über eigene Ressourcen. Genau das wurde verhindert.
Verlorenes Vertrauen in die Demokratie
Der Putsch zerstörte nicht nur eine Regierung – er beschädigte im Iran das Vertrauen in demokratische Prozesse nachhaltig.
Viele politische Kräfte im Land kamen zu dem – nicht unrichtigen – Schluss, dass Selbstbestimmung innerhalb einer von Großmächten dominierten Ordnung kaum durchsetzbar sei.
Ohne 1953 ist 1979 nicht zu verstehen.
Die spätere islamische Revolution war auch die verspätete autoritäre Antwort auf einen demokratischen Versuch, der von außen beendet wurde.
Redaktion


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