
Wir trauern um unsere Genossin Margit Kain

Mit großer Bestürzung haben wir die Nachricht vom Tod von Margit Kain, die am 16.Juni 2025 im 88. Lebensjahr zu Hause verstorben ist, erhalten. Noch vor wenigen Wochen konnten wir mit Margit, die bis zuletzt aktiv am Parteileben teilnahm, schöne Stunden verbringen. Ob am Maifest oder bei unseren politischen Veranstaltungen, immer ergaben sich mit Margit Kain interessante Gespräche über Politik und die Parteigeschichte.
Sie teilte mit uns ihre Erinnerungen und war erste Ansprechperson für Fragen zur kommunistischen Widerstandsgeschichte in Oberösterreich. Eine besondere Genugtuung war ihr die Benennung des Hofes der Linz Kunstuniversität nach ihrer Tante, der Kommunistin und Widerstandskämpferin Theresia Reindl, im heurigen Mai. Ohne ihrer hartnäckigen Fürsprache wäre das nicht geschehen. Wir verlieren mit Margit Kain eine Genossin voll Kampfgeist und Entschlossenheit, die sich durch Schicksalsschläge nicht unterkriegen ließ und sich unermüdlich für soziale Gerechtigkeit und eine bessere Gesellschaft einsetzte.
Margit Kain wurde am 31. Dezember 1937 als Tochter der Linzer Arbeiterfamilie Gröblinger geboren. Sie erlernte nach dem Schulbesuch den Beruf einer Stenotypistin und war als solche zunächst in der Redaktion der damaligen kommunistischen Tageszeitung „Neue Zeit“ tätig.
In der Folge arbeitete sie als Sekretärin der Österreichisch-Sowjetischen Gesellschaft und sorgte bis zu ihrer Pensionierung als „gute Seele“ umsichtig und verantwortungsvoll für die umfangreiche Tätigkeit dieser Organisation bei der Entwicklung der Kontakte zwischen Österreich und der UdSSR, bei den Russisch-Kursen und den zahlreichen Kulturveranstaltungen.
Schon in ihrer Jugend war Margit Kain politisch tätig, so als Aktivistin und Funktionärin in der Freien Österreichischen Jugend (FÖJ). Seit November 1955 gehört Margit Kain der KPÖ an und war in verschiedenen Parteifunktionen tätig. Sie war jahrelang eine der wichtigsten Aktivistinnen der damaligen Sektion Linke Brückenstraße bzw. der späteren Parteigruppe Urfahr und der KPÖ-Frauengruppe Linz sowie auch im Salzkammergut.
Sie gehörte bis 2016 dem Bezirksvorstand der Linzer KPÖ an, war von 2007 bis 2016 stellvertretende Landessprecherin und gehörte bis 2019 dem KPÖ-Landesvorstand an. Bei der 27. Landeskonferenz im Jahre 2019 wurde sie als Ehrenvorsitzende gewählt. In den Jahren 2003 und 2004 war sie in einer für die Partei äußerst schwierigen Phase auf Vorschlag der Frauenversammlung auch Mitglied des KPÖ-Bundesvorstandes.
Besonders engagierte sich Margit Kain auch für die Aufarbeitung der Rolle der Frauen im antifaschistischen Widerstand. So war sie initiativ für die Benennung einer Straße nach der Widerstandskämpferin Gisela Tschofenig-Taurer, die 2005 im Stadtteil Ebelsberg erfolgte und war maßgeblich beteiligt an der Erarbeitung einer im Dezember 2006 erschienen Dokumentation der KPÖ über die kommunistischen Frauen im Widerstand. Trotz gesundheitlicher Probleme war Margit Kain bis zuletzt aktiv, so kandidierte sie bei der Landtags- und Gemeinderatswahl 2021 und der Nationalratswahl 2024 auf der Liste der KPÖ.
Darüber hinaus war Margit Kain in verschiedenen Bereichen des Kulturlebens tätig und arbeitete den umfangreichen literarischen und politischen Nachlass ihres Gatten Franz Kain (1922-1997) auf, mit dem sie seit 1961 verheiratet war. Der Ehe entstammen zwei Kinder, Eugenie (1960-2010) und Franz (geb. 1964).
Der Verlust der Ehrenvorsitzenden der KPÖ Oberösterreich trifft uns tief. Wir werden sie und ihr großes Vermächtnis immer in Ehren halten.
Unsere aufrichtige Anteilnahme gilt ihrem Sohn Franz Kain, ihrer Enkeltochter Katharina Kain und allen Angehörigen.
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