Ungleichheit tötet!

So funktioniert Kapitalismus: Der jüngste World Inequality Report 2026 und Studien der NGO Oxfam (2025) zeigen erneut: Ungleichheit nimmt global zu – ein Trend, der sich immer weiter verschärft.

Der World Inequality Report 2026 liefert den nüchternen Befund zu einer Welt, die zunehmend auseinanderdriftet: 2024 stieg das Gesamtvermögen der Milliardär:innen weltweit um 2 Billionen US-Dollar, dreimal schneller als im Jahr davor. Im Schnitt kamen fast „vier neue Milliardär:innen pro Woche“ hinzu. Gleichzeitig lebt weiterhin beinahe die Hälfte der Menschheit – rund 3,6 Milliarden Menschen – unter der Armutsgrenze von (kaufkraftbereinigten) 6,85 Dollar pro Tag.

Toxisches Vermögen

Der Report zur Ungleichheit zeigt, was das bedeutet: Vermögen konzentriert sich in einem Ausmaß, das gesellschaftlich toxisch ist. Die reichsten 10 % besitzen rund drei Viertel des globalen Vermögens, die untere Hälfte nur 2 %. Und eine winzige Spitze – 0,001 %, also weniger als 60.000 Menschen – verfügt über dreimal so viel Vermögen wie die ärmere Hälfte der Menschheit zusammen.

Oxfam nennt dieses System beim Namen: Viele Milliardär:innen erzählen gern die „self-made“-Geschichte – tatsächlich stammen 60 % ihres Reichtums aus Erbschaften, Monopolmacht oder Vetternwirtschaft.
Und das ist nicht neu und muss auch in einer globalen Perspektive gesehen werden. Oxfam betont, wie sehr koloniale Ausbeutung die Grundlagen dieser Vermögensordnung gelegt hat – und wie die Logik bis heute weiter wirkt: 2023 wurden laut Oxfam aus dem Globalen Süden netto 921 Milliarden Dollar in den Globalen Norden abgesaugt – viermal so viel, wie für „Hilfe“ ausgegeben wurde.

Ungleichheit wie vor hundert Jahren

Oxfam verweist zudem auf die historische Dimension: In Ländern wie den USA ist der Einkommensanteil des reichsten 1 % wieder ungefähr dort, wo er vor dem Ersten Weltkrieg lag – eine Rückkehr zu Verhältnissen „wie vor einem Jahrhundert“.

Diese Entwicklung gefährdet die Demokratie ganz unmittelbar. Der World Inequality Report beschreibt, wie Ungleichheit demokratische Politik neu zeichnet: territoriale Spaltungen, zerfallende Mehrheiten, sinkender gesellschaftlicher Zusammenhalt – und damit schwächere Koalitionen für Umverteilung und öffentliche Investitionen. Wenn Reichtum sich so konzentriert, konzentriert sich auch politische Macht: Lobbying, Medienbesitz, Einfluss auf Regeln und Steuern …

Und sie verschärft geschlechtsspezifische Ungleichheit – weil die Gesellschaft von unsichtbarer Arbeit am Laufen gehalten wird. Der Report macht das drastisch sichtbar: Rechnet man unbezahlte Haus- und Care-Arbeit mit, verdienen Frauen weltweit im Schnitt nur 32 % dessen, was Männer pro Arbeitsstunde erhalten (ohne unbezahlte Arbeit: 61 %). Frauen leisten – inklusive Care-Arbeit – im Schnitt 53 Wochenstunden, Männer 43. Und global erhalten Frauen nur „etwas über ein Viertel“ des gesamten Arbeitseinkommens – seit 1990 kaum verändert.

Die Reichen zerstören das Klima

Fatal ist dieser Trend auch fürs Klima. Der World Inequality Report zeigt, wie eng Emissionen und Vermögensmacht zusammenhängen: Die reichsten 10 % verantworten 77 % der Emissionen, die mit privatem Kapitalbesitz verbunden sind. Klimapolitik scheitert nicht an zu wenig Wissen – sie scheitert an Eigentumsverhältnissen.

Am Ende ist Ungleichheit nicht „nur“ ungerecht, sondern systemisch und tödlich. Oxfam spricht von „ökonomischer Gewalt“: Ungleichheit trägt dazu bei, dass mindestens ein Mensch alle vier Sekunden stirbt – durch Hunger, fehlenden Zugang zu Gesundheitsversorgung, Krisenfolgen und Gewalt.

Wer das ernst nimmt, kann sich mit Appellen nicht zufriedengeben. Es braucht radikale Umverteilung von oben nach unten und eine Perspektive auf Überwindung dieses mörderischen kapitalistischen Systems: wirksame Besteuerung großer Vermögen, eine starke öffentliche Daseinsvorsorge und soziale Infrastruktur, drastisch höhere Löhne und bessere globale Arbeitsrechte – wären wesentliche Schritte in die richtige Richtung.
Und eine Klimapolitik, die dort ansetzt, wo die Verantwortlichen für die Emissionen sitzen: in den Vorstandsetagen der großen Konzerne oder auf Megayachten.

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