Supermärkte: Rekordprofite durch Rekordpreise

Die Profite der beiden Supermarktketten Billa und Spar liegen rund 60 Prozent über der Zeit vor Corona. Die Rechnung zahlen wir alle.

In den letzten Jahren sind die Lebensmittelpreise geradezu explodiert – das merken wir alle beim täglichen Einkauf. Doch wer profitiert davon eigentlich? Fragt man die Supermarktketten, so sind immer die anderen Schuld: gestörte Lieferketten, der sogenannte Österreich-Aufschlag, der es ihnen verunmöglicht, im Ausland billiger einzukaufen. Was die Supermarktgiganten aber gerne verschweigen: Sie machen seit der Explosion der Lebensmittelpreise auch selbst Rekordprofite.

60 Prozent Überprofite

Lagen die Profite von Billa und Spar in den Jahren vor der Coronakrise zusammen bei etwas mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr, sind sie 2020 auf über 200 Millionen gestiegen und haben sich inzwischen bei 168 Millionen eingependelt. Ein Plus von 60 Prozent, wie das unabhängige Momentum-Institut recherchiert hat. Es scheint ganz so, als ob Spar und Billa sich ein nettes Körberlgeld von ein paar 10 Millionen einstecken, das wir tagtäglich an der Kassa bezahlen dürfen. Aber wer bezahlt den Eigentümerfamilien von Spar nicht gerne eine neue Villa?

Dass sie das mit uns machen können, liegt auch daran, dass sie mit allerlei Tricks hohe Preise als niedrig darstellen. Allein im letzten Monat stellte das Marktamt in Wien 198 Verstöße gegen gesetzliche Regeln bei den Preisauszeichnungen fest. Mengenangaben auf den Preisschildern stimmen nicht oder die Grundpreise sind einfach falsch. Besonders beliebt ist die Praxis, die Preise erst massiv zu erhöhen und dann Rabatte zu gewähren. Wirkt dann so, als wäre das Produkt billiger, ist es aber gar nicht. Das ist alles verboten, aber gängige Praxis.

Missverstandene Konzerne

Die Konzerne fühlen sich natürlich ungerecht behandelt und missverstanden. Rainer Will, Chef des Handelsverbands, meint etwa: “Ziel sei, eine Branche mit 150.000 Beschäftigten in Misskredit zu bringen.” Nur, sind es nicht zehntausende Supermarktkassierer:innen, deren Lohnabschluss gerade wackelt, die falsche Preise angeben oder Schindluder mit Rabatten treiben, sondern die Manager und Eigentümer, die auf unsere Kosten Profite mit teuren Lebensmitteln machen.

Bleibt noch die Politik, die könnte das tun, was logisch wäre: Die Preise für unsere Grundbedürfnisse regulieren und entstandene Überprofite wieder zurück in die Gesellschaft verteilen, so dass niemand zwischen Essen und einer warmen Wohnung wählen muss. Stattdessen führt sie einen Kleinkrieg gegen Preistricksereien. Besser als nichts, aber lange nicht genug.

 

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