Shrinkflation: Opium für das Volk

Simon A. Eugster via Wikimedia Commons

Die Regierung brüstet sich mit Maßnahmen gegen schrumpfende Verpackungsgrößen, die Statistik Austria bezieht sie in die Berechnung der Teuerung nicht mehr ein. 

Weniger Inhalt zum höheren Preis? Keine Seltenheit im Supermarktregal. Die Packungsgröße bleibt gleich, der Preis auch oder steigt, aber immer weniger ist drin. Ob beim Müsli, in der Schokoladenpackung oder im Tiefkühlpackerl: Weniger ist mehr, zumindest für die großen Lebensmittelkonzerne. 

Shrinkflation der Politik

Diese Praxis möchte die Bundesregierung nun an den Pranger stellen. 60 Tage lang sollen Supermärkte Preisänderungen durch schrumpfende Verpackungsgrößen kennzeichnen müssen. Strafen bis zu 15.000 Euro drohen, kleine Greißler sind ausgenommen. Nicht falsch, aber ohne Effekt auf die Preise in den Supermarkt-Regalen. Wo Kampf gegen die Teuerung draufsteht, ist nur Symbolpolitik drin. 

Einfacher wäre natürlich, die Packungsgrößen vorzugeben. Denn dass eine Schololadetafel nicht 100 oder 200 Gramm haben muss, sondern auch 90 oder 176 Gramm haben kann, ist Ergebnis neoliberale Politik. Bis 2009 waren Verpackungsgrößen reguliert. Doch dann fand das EU-Parlament das sehr bürokratisch und deregulierte die Packungsgrößen. Mit neuen Möglichkeiten zum Tricksen für die Lebensmittelkonzerne und Nachteilen für alle anderen. 

Zeitgleich erfasst die Statistik Austria die Auswirkungen der Shrinkflation auf die Teuerung seit diesem Jahr nicht mehr. Der Grund ist die Umstellung der Datenübermittlung mittels Scankasse, welche die Inhaltsmenge nicht erfasst. Die tatsächliche Teuerung der Lebensmittel liegt demnach real noch etwas höher als die offiziellen Inflationszahlen. Gleichzeitig erklärt die Statistik Austria, verringerte Inhaltsmengen hätten bei einzelnen Produktgruppen wie Schokolade sehr wohl drastische Effekte, für den Großteil der Lebensmittel sei dies aber nicht der entscheidende Preistreiber. 

60% Übergewinne

In den letzten Jahren sind die Lebensmittelpreise geradezu explodiert – das merken wir alle beim täglichen Einkauf. Die Gründe dafür sind vielschichtig, aber so kompliziert auch wieder nicht. Lagen die Profite von Billa und Spar in den Jahren vor der Coronakrise zusammen bei etwas mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr, sind sie 2020 auf über 200 Millionen gestiegen und haben sich inzwischen bei 168 Millionen eingependelt. Ein Plus von 60 Prozent, wie das unabhängige Momentum-Institut recherchiert hat. Es scheint ganz so, als ob Spar und Billa sich ein nettes Körberlgeld von ein paar 10 Millionen einstecken, das wir tagtäglich an der Kassa bezahlen dürfen. 

Auch die großen Lebensmittelkonzerne machen größere Gewinne. So gelang dem globalen Großkonzern Nestle von 2022 auf 2023 eine Gewinnsteigerung von über 20%. Neben steigenden Energiekosten in der Produktion sind die Aufschläge der Gewinne der Konzerne der entscheidende Preistreiber bei den Lebensmitteln. 

Wählertäuschung durch Konsumentenschutz

Mit dem Schwerpunkt auf Shrinkflation drückt sich die Regierung um das eigentliche Problem herum: die gestiegenen Profitmargen der Lebensmittelkonzerne und Supermarkt-Ketten. Dabei könnte Politik das tun, was logisch wäre: Die Preise für unsere Grundbedürfnisse regulieren und entstandene Überprofite wieder zurück in die Gesellschaft verteilen. Dann müsste niemand zwischen Essen und einer warmen Wohnung wählen. 

 

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