Nie wieder heißt jetzt!
Festveranstaltung 80 Jahre Befreiung
und Ehrung langjähriger KPÖ-Mitglieder

Barbara Urbanic, Landessprecherin der KPÖ Wien und Spitzenkandidatin zur Wien-Wahl am 27. April

Vor 80 Jahren, am 13. April 1945 wurde Wien durch die Rote Armee von den Schrecken des Nationalsozialismus befreit. Aus diesem Grund lud die KPÖ Wien im Haus der Begegnung Praterstern zur Festveranstaltung ein, um an die am Widerstand beteiligten Kämpfer:innen zu gedenken. Gleichzeitig wurden Genoss*innen geehrt für Ihre langjährige Parteiunterstützung.

Barbara Urbanic, Landessprecherin der KPÖ Wien und Spitzenkandidatin zur Wahl am 27. April hielt bei diesem Festakt eine Rede, diese wir hier veröffentlichen:

Liebe Genossinnen und Genossen,

Auch ich darf Euch herzlich im Namen der Wiener Landespartei begrüßen.
Vor genau 80 Jahren war die militärische Befreiung Wiens von den Nazis durch die Rote Armee gerade in Gange.
Die KPÖ hat mehr als alle anderen Parteien für ein freies, demokratisches Österreich getan und viele Genoss:innen haben einen hohen Preis dafür bezahlt – die Unsicherheit der Illegalität, Verfolgung, Haft, Folter, Tod.
Die, die überlebt und diese Partei nach 1945 geprägt haben, haben ihre Lehren aus dem Elend des Krieges gezogen und Frieden als ein zentrales politisches Thema der KPÖ gesetzt.

80 Jahre nach der Befreiung vom Nazi-Faschismus und dem Ende des 2. Weltkrieges müssen wir erneut mit Schrecken, wenn auch ohne Überraschung – der historische Befund ist ja eindeutig – zusehen, wie schnell der bürgerliche Liberalismus in die Barbarei verfällt, wie laut die Kriegstreiberei den Humanismus übertönt.
Auch wenn die Neutralität Österreich vor den wüstesten Aufrüstungsplänen schützt, wird auch hierzulande der Rüstungsindustrie Geld in den Rachen geschoben während “wir” den Gürtel enger schnallen müssen. Am Sozialen wird gespart, auch wenn nach 30 Jahren neoliberalen Umbaus dieser Gürtel für viele Arbeitende und Lohnabhängige, für Pensionist:innen oder Geflüchtete schon längst ein Hängstrick geworden ist.

Harte Zeiten für eine Politik, die die Umstände menschlich bilden will, weil die Umstände bekanntlich den Menschen bilden.
Als Kommunist:innen wissen wir, dass die Möglichkeiten der bürgerlichen Demokratie beschränkt sind, dass wir in diesem Rahmen im besten Fall vorübergehende Linderung im unmenschlichen kapitalistischen System bringen können.
Dennoch sollten wir uns meiner Meinung alle möglichen Handlungsspielräume erkämpfen und als Werkzeug unserer Arbeit nutzen.

Mein Auftrag hier war es eigentlich, über die Wien-Wahl zu sprechen, aber ich bin davon überzeugt, dass ich Euch wenig Überraschendes zu den kommunalpolitischen Forderungen der KPÖ Wien erzählen kann. Denn selbst wenn sich die Umstände lokal wie global verändern, Wien größer, vielfältiger, aber auch für viele Menschen prekärer ist: die KPÖ steht verlässlich dafür ein, dass die Grundbedürfnisse der Menschen der kapitalistischen Profitlogik entzogen werden müssen.
Auf einem Wahlplakat für die Gemeinderatswahl 1978 fordert die KPÖ unter anderem: den Ausbau attraktiver Massenverkehrsmittel; soziale Wohn-, Miet- und Tarifpolitik; ein breites Netz des Gesundheitsdienstes; echte Mitbestimmung bei kommunalpolitischen Entscheidungen.
Also auch wenn sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geändert haben – z.B. die Wien Energie als Unternehmen aller Wiener:innen ihre Kund:innen trotzdem ausnimmt wie die Weihnachtsgänse – diese Forderungen halten und ich muss sie, denke ich, nicht weiter ausführen.
Ohnehin ist hier im Raum soviel KPÖ-Wahlkampferfahrung auf einem Fleck, dass ich mich mit meinen jungen Parteijahren für ein Bissl unterqualifiziert halte.

Drum zum Abschluss noch ein paar persönliche Worte:
Als ich vor drei Jahren, zu meinem 40. Geburtstag, der KPÖ beigetreten bin, hat mir meine älteste Schulfreundin drei Dinge aus dem Nachlass ihrer Großtante Erika geschenkt: eine Blumen-Brosche, das Dietz-Mini-Kommunistische-Manifest und Tante Erikas Parteibuch, Beitrittsdatum 28. April 1945.
Die Tante Erika ist Mitte der 50er Jahre wieder ausgetreten, vermutlich ihr zweiter Mann das nicht gutgeheißen hat, aber sie hat alles aufgehoben. Mittlerweile ist es bei mir, inklusive eines Kuverts mit allen möglichen Makerl und Losen, von Volksstimmefest über Friedenstag zu Wahlkampffonds. Materielle Zeugnisse davon, wieviel Kleinarbeit in dieser Partei steckt.

Wenn die Arbeitsschritte mühsam klein sind, wenn es Rückschläge gibt, wenn einmal wieder alles zu langsam geht sagen wir einander, oder auch uns selbst, oft: es ist ein Marathon, kein Sprint.
Ich möchte noch eine dritte Möglichkeit vorschlagen: was, wenn es ein Staffellauf ist?

Denn weder kann noch muss eine Person, eine Generation alleine gegen die bestehenden politischen und ökonomischen Verhältnisse anlaufen. Der Weg zu einer gerechten Gesellschaft, nicht nur einer ein bissl weniger ungerechten, ist nur gemeinsam und organisiert zu gehen.
Ich war immer grottenschlecht bei jeder Art von Leichtathletik, aber ich glaube, mich zu erinnern, dass die größte Herausforderung beim Staffellauf die fehlerfreie Übergabe des Staffelholzes ist. Ohne die Sportmetapher überstrapazieren zu wollen, aber bei allen Konflikten und Gelegenheiten sich bei der Übergabe zu derstessen, ist es mir wichtig, nicht aus den Augen zu verlieren, dass uns ein gemeinsames Ziel verbindet.

Ich bin jedenfalls sehr stolz darauf, meine politische Arbeit in dieser Partei leisten zu können, für die die Befreiung von der Nazi-Herrschaft vor 80 Jahren zwar ein ungemein wichtiges historisches Ereignis ist, jedoch weder der Anfang noch das Ende unserer Geschichte. Gemeinsam mit Generationen von Genoss:innen, die seit über 106 Jahren dafür kämpfen, alle Umstände menschlich zu bilden.