
Nicht schön: Klimt-Gemälde zu Rekordpreis versteigert

Warum auch die Preise am Kunstmarkt explodieren und was das mit dem schlechteren Leben der Arbeiter:innenklasse zu tun hat.
Beim berühmten Auktionshaus Sotheby’s in New York wurde diese Woche ein Gemälde von Gustav Klimt (1862–1918) versteigert. Kostenpunkt: 204 Millionen Euro. Das „Bildnis Elisabeth Lederer“ ist damit das teuerste je verkaufte Klimt-Gemälde und das zweitteuerste je bei einer Auktion verkaufte Werk der Kunstgeschichte. Nur Leonardo da Vincis Jesusbild ging für einen höheren Preis über die Ladentheke.
Was man für 204 Millionen Euro kaufen kann
Wenn man sich ehrlich ist, kann man sich unter 200 Millionen Euro wenig vorstellen. Man kann damit etwa jeder Berufsschülerin und jedem Berufsschüler in Österreich ein Jahr lang jeden Tag einen Döner bezahlen. Oder man kann damit Wohnraum für 3000 bis 4000 Menschen bauen. Oder man kann eben ein Bild von Gustav Klimt ersteigern. Ähnlich wie die Transferpreise für Fußballer sind die Preise für Kunstgegenstände in den letzten Jahren regelrecht in den Himmel gewachsen.
Warum man für Gemälde 200 Millionen bezahlt
Der Grund liegt wenig überraschend im Zustand des Kapitalismus. Während die Perspektiven für die breite Bevölkerung in den letzten Jahren immer schlechter wurden, haben sich immer größere Vermögen in den Händen weniger angesammelt.
Umso schwieriger wird es aber, dieses Vermögen wieder für die kapitalistische Produktion zu verwenden. Denn nur weil mehr produziert werden kann, kann nicht mehr gekauft werden. Die Vermögende suchen immer mehr Ausweichmöglichkeiten für ihr unproduktives Kapital. Neben den Aktienmärkten und Immobilienmärkten wird dafür der Kunstmarkt immer häufiger genutzt. Denn solange die Verhältnisse bleiben wie sie sind, kann man das Gemälde in zehn Jahren notfalls wieder teurer verkaufen.
Selbst die Satire hat ihr Preisschild
Das Kunst zum Vermögensspeicher degradiert wird wurde selbst wieder Gegenstand der Kunst. Und entgeht deshalb auch nicht der Verwertung derselben. Beim gleichen Anlass wurde auch ein goldenes Klo von Maurizio Cattelan versteigert – mit gut 10 Millionen Euro fast ein Schnäppchen. Die Toilette aus 18-karätigem Gold mit dem Titel “America” ist im Übrigen voll funktionsfähig.
Ein Schelm, wer da an Lenins Überlegung denkt, nach dem weltweiten Eintreten in den Sozialismus goldene Bedürfnissanstalten zu bauen. “Das wäre die „gerechteste” und beste anschaulich-belehrende Verwendung des Goldes für die Generationen, die nicht vergessen haben, wie man des Goldes wegen zehn Millionen Menschen niedergemetzelt und dreißig Millionen zu Krüppeln gemacht hat” meinte Lenin 1921.
Sozialismus oder Barbarei
Vom Sozialismus sind wir leider meilenweit entfernt und so zeigt sich die Barbarei in aller Offenheit. Während Hunderte Millionen Menschen hungern und auch in den reichen Ländern zahllose Menschen in die Armut fallen, werden hunderte Millionen in einem Kunstwerk veranlagt. Die steigenden Kunstpreise sind ergo kein Indiz für den Wert des Schönen. Im Gegenteil.
Redaktion
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