Metall-Industrie: Zum Abschluss freigegeben

Die Einigung zwischen Gewerkschaften und Konzernen in der Metallindustrie auf eine Gehaltserhöhung unter der Inflation kommt überraschend. Und sie trifft auch die Beschäftigten außerhalb der Branche.

Entgegen der Tradition starteten die Verhandlungen dieses Mal nicht mit Lohnforderungen der Gewerkschaft. Stattdessen einigte man sich in nur einer Runde auf einen Abschluss für gleich zwei Jahre – und das deutlich unter der aktuellen Teuerung.

Heuer steigen die Ist-Löhne und -Gehälter um 1,41 Prozent, die Mindestentgelte werden um zwei Prozent erhöht. Im kommenden Jahr sollen die Ist-Löhne und -Gehälter um 1,9 Prozent steigen, die Mindestlöhne und -gehälter um 2,1 Prozent. Dabei ist noch völlig unklar, ob die Teuerung nächstes Jahr nicht weiter steigt.

Katastrophaler Lohnabschluss in der Metall-Industrie

Die schnelle Einigung sei ein „starkes Zeichen der Sozialpartnerschaft”, meint ein Vertreter des Wirtschaftsforschungsinstituts. Für die kommenden Kollektivverhandlungen sei diese Einigung außerdem ein „Signal, dass auch große oder schmerzhafte Kompromisse möglich sind“. Schmerzhaft ist der Kompromiss aber nur für die, die die Industrie am Laufen halten, nicht für die Bosse, die nach wie vor Profite machen. Etwa die Voestalpine, die letztes Jahr “nur” 1,3 Mrd. Gewinn gemacht hat, statt 1,7 Milliarden wie im Jahr davor. Währenddessen bedeutet dieser Abschluss für eine durchschnittliche Mitarbeiterin einen Lohnverlust von €20.000 über ihr ganzes Leben.

Wettlauf nach unten?

Die PRO-GE erklärt den niedrigen Lohnabschluss mit der “anhaltend hohen Inflation, der verrückten Zollpolitik, der Krise der Automobilindustrie und der schwächelnden deutschen Wirtschaft”. Die Reallohn-Verluste der Beschäftigten wären laut PRO-GE “ihr Beitrag”, diese Krise zu überwinden.
Was die PRO-GE nicht dazu sagt: Ihr Beitrag zur Lösung der Probleme der Konzerne trifft auch alle anderen Beschäftigten. Denn die gut organisierte Metallbranche setzt meistens den Maßstab für andere, schlechter organisierte Branchen. So kann jetzt der Wettlauf nach unten fröhlich weitergehen.

Kritik von der KPÖ

KPÖ-Bundessprecher Tobias Schweiger lässt kein gutes Haar am gestern vereinbarten Lohnabschluss zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern in der Metall-Industrie: „Nur die Halbe der Inflation abzugelten, ist katastrophal für die vielen Menschen. Damit geht den Menschen reale Kaufkraft verloren, gerade auch weil die Inflation beim täglichen Bedarf nochmal deutlich höher liegt.” Schweiger spielt dabei auf die Inflation beim „Mikrowarenkorb” an, die 2025 bei 4,6% liegt.

Aktuelles