
Lenzing: von Natur innovativ beim Stellenabbau

Bis zu 600 Stellen will der Faserhersteller Lenzing streichen. Die Jobs wandern nach Indien.
Optimierung für wen?
“Die Steigerung der operativen Effizienz und die Optimierung der Produktionsstandorte” – ist das Letzte, das man hört, bevor man seinen Job verliert, weil er ins Ausland verlagert wird. Zumindest steht genau das im firmeneigenen Newsroom der Lenzing AG, welche dieser Tage bekannt gab, noch heuer rund 250 Stellen, sowie im Lauf des nächsten Jahres weitere 300 Stellen abzubauen.
Traditionsbetrieb mit Kündigungstradition
Der oberösterreichische Faserhersteller Lenzing produziert seit 80 Jahren Naturfasern für unterschiedliche Branchen und beschäftigt in Österreich derzeit rund 3.000 Arbeiter:innen. Schon 2023 strich das Unternehmen im Rahmen eines “Performance-Programms” hunderte Stellen und trotz zuletzt zu verzeichnender Umsatzsteigerungen, werden jetzt schon wieder hunderte Mitarbeitende auf die Straße gesetzt.
Schlank, effizient und vor allem billig!
Der jetzt geplante Stellenabbau betrifft in erster Linie Verwaltungspersonal – ca. 70% der 600 Entlassungen entfallen auf diesen Bereich. Ähnlich wie schon vor kurzem bei der Hofer KG angekündigt, werden auch hier die Stellen ins billigere Ausland – nach Tschechien oder Indien – ausgelagert. Was hier beschönigend als “administrative Funktionen schlanker und effizienter gestalten” umschrieben wird, entzieht in Wahrheit hunderten Angestellten und ihren Familien die Existenzgrundlage. Auch für die Region hat der Stellenabbau katastrophale Folgen: jeder sechste Arbeitsplatz ist in der Region betroffen.
Zwei Seiten derselben Medaille
Auf der einen Seite stehen also unzählige Arbeiter:innen und ihre Familien hierzulande, deren Lebensgrundlagen auf dem Spiel stehen – einfach wegrationalisiert, als würden dahinter keine Menschen mit Träumen, Plänen, Wohnungen und Beziehungen stecken. Auf der anderen Seite stehen jene, die diese Jobs nun im Ausland übernehmen: überausgebeutet, zu noch niedrigeren Löhnen und prekäreren Bedingungen arbeitend. Das sind die beiden Seiten derselben Medaille. Und es zeigt uns erneut: Klassenkampf muss global geführt werden.
Redaktion
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