Kürzung der verpflichtenden Hebammenberatung - eine weitere Kurzschlussreaktion.

Seit Jahren zugesichert und von Expert:innen gefordert:  die verpflichtende Hebammenberatung kommt doch nicht. Schon wieder trifft der Kürzungswahn die schutzlosesten unserer Gesellschaft: Frauen und ihre Babys.

Das österreichische Hebammengremium schlägt Alarm: Wie diese Woche bekannt geworden ist, wird die Einführung des verpflichtenden Hebammentermins im neuen elektronischen Eltern-Kind-Pass nun aus Budgetgründen gestrichen. Seit 2014 wird an dieser politisch zugesicherten und international empfohlenen Maßnahme gearbeitet. Eigentlich hätte mit der Neuerung ein verpflichtendes Hebammengespräch in der frühen Phase der Schwangerschaft kommen sollen. Jetzt wird wieder einmal völlig kurzsichtig und unüberlegt die Kettensäge angesetzt. 

Erschwerter Zugang 

Das Streichen der Verpflichtung bedeutet nicht, dass Frauen keinen Zugang mehr zur hilfreichen Hebammenberatung haben. Expert:innen warnen jedoch ausdrücklich, dass der Zugang somit zumindest stark erschwert wird. Das betrifft vor allem die Frauen, die diese Unterstützung am dringendsten brauchen, weil sie sozial benachteiligt, psychisch belastet oder von Gewalt betroffen sind. Sie werden dieses Angebot nun weniger in Anspruch nehmen. Ein freiwilliges Angebot wird erwiesenermaßen nicht flächendeckend angenommen – Studien zeigen, dass dieses nur rund 30% der Frauen erreicht. Und das sind in den meisten Fällen ohnehin jene, die bereits gut informiert sind. 

Vorsorge ist billiger als Nachsorge

Eine enge Hebammenbegleitung während und nach der Schwangerschaft ist ein grundlegender Bestandteil einer angemessenen Gesundheitsversorgung. Dass Hebammen unmittelbar während der Geburt wichtige Arbeit leisten, ist den meisten Menschen bewusst. Dass sie aber auch während und nach der Schwangerschaft unersetzliche Arbeit leisten, ist vielen möglicherweise weniger bekannt und der Kürzungskoalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS offensichtlich egal. Durch Beratung zu Ernährung und Bewegung, Raucherentwöhnung und Suchtprävention sorgen sie für die körperliche Gesundheit von Mutter und Kind. Aber auch für die psychische Gesundheit der Mütter und damit ebenso das Wohlergehen des Kindes tragen sie Sorge: Hebammen sind dazu ausgebildet, psychosoziale Belastungen und häusliche Gewalt frühzeitig zu erkennen. Ein verpflichtender Termin bedeutet mehr Gleichheit, erleichtert den Zugang zu Hilfe und Betreuung – gerade in ländlichen und strukturschwachen Regionen – und fördert somit die flächendeckende Gesundheitsvorsorge von Frauen und ihren Kindern. 

Kurzschlussreaktion 

Abgesehen von dramatischen Folgen für die Gesundheit von Müttern und Kindern, ist das Streichen der Maßnahme für eine weitere Gruppe ein Schlag ins Gesicht: die Hebammen selbst. Nachdem jahrelang zugesichert wurde, dass das verpflichtende Gespräch kommt und somit auch der Bedarf an Hebammen steigen würde, wurden in den letzten Jahren mehr Hebammen ausgebildet. In weiser Voraussicht wurden mehr Studienplätze für Hebammen geschaffen. Jetzt steht eine gut ausgebildete Generation an Hebammen bereit, aber einkalkulierte zusätzliche Stellen fallen weg. Das Streichen der verpflichtenden Hebammenberatung kann also nüchtern betrachtet nur als völlig sinnlose Kurzschlussreaktion gesehen werden. Für kurzfristige Einsparungen nimmt die Bundesregierung in Kauf, dass die Gesundheitsvorsorge von Frauen und Kindern deutlich verschlechtert wird, dass damit die zukünftigen Kosten für die gesundheitliche Versorgung höher ausfallen und dass bereits getätigte Investitionen in die Ausbildung von und die Versorgungssicherheit mit Hebammen schlicht und einfach in den Sand gesetzt werden.