
Krimineller Kapitalismus: 123-Transporter beantragt Insolvenz

Die nächste Betrugsmaschine geht pleite, zahlreiche Kund:innen von 123-Transporter bangen um die offenen Rückzahlungen ihrer Kautionen.
Kautionsrückzahlungsansprüche in Millionenhöhe
123 Shared Mobility, Betreiber der Marke 123-Transporter in Österreich, hat beim Landesgericht Wr. Neustadt Insolvenz beantragt. Dem gehen vor allem unzählige Forderungen von Kund:innen voraus, ihre Kaution zurückgezahlt zu bekommen. Außerdem habe das Unternehmen horrende Strafen verrechnet, die gar nicht fällig gewesen wären. Der Gläubigerschutzverband teilt mit, dass „eine Vielzahl von Kunden“, die Ansprüche auf Kautionsrückzahlungen haben, von der Insolvenz betroffen sind. Dabei geht es um fast 5 Millionen Euro, mit denen das Unternehmen bei seinen Kund:innen verschuldet ist. Ob sie ihr Geld wiedersehen, steht aktuell in den Sternen.
Geschäft ohne Grundlage
Wer vermutet, eine Verleihfirma hätte allein durch die Transporter-Flotte Vermögenswerte, die für die Rückzahlungen an die Kund:innen herangezogen werden können, liegt … falsch. 123-Transporter arbeitete mit der Baumarktkette Obi zusammen, die Eigentümerin der Fahrzeuge ist. Diese Kooperation wurde zurückgezogen. Bei 123-Transporter selbst sind nur fünf Beschäftigte gemeldet. Das Unternehmen ist eine Fassade ohne Fundament und ohne Kern. Dazu stand das Unternehmen schon Ende 2023 tief im Minus.
Trotzdem wurde 123-Transporter noch letztes Jahr als erfolgreiches Start-Up gefeiert. Wie bei vielen “Profit-Sternchen” der letzten Jahre wurde investiert, prominente Investor:innen stiegen ein, um die Ausdehnung auf Länder in Osteuropa zu finanzieren.
Ob wer in den Häfn geht, seht ihr, wenn das Gericht loslegt.
Die Justiz ermittelt gegen den Firmenchef wegen gewerbsmäßigen Betrugs. Seine Devise soll gewesen sein, eingezogene Kautionen so lange wie möglich zurückzuhalten und so viel wie möglich nachträglich zu strafen – selbst wenn für Service-Mitarbeiter keinerlei Regelverstoß erkennbar war.
Laut Medienberichten wurden ab Mitte September große Überweisungen vom Zahlungsdienst des Start-Ups auf ein Konto einer Neunkirchner Bank getätigt. Fast eine halbe Million Euro wurde binnen weniger Tage abgezogen. Der verantwortliche Firmenchef aus Niederösterreich ist mittlerweile spurlos verschwunden.
Krimineller Kapitalismus
Das Versprechen vom schnellen Geld hat im Kapitalismus System. In Zeiten großer Vermögen in den Händen weniger Kapitalbesitzer:innen sprießen Start-Ups aus dem Boden, um eine weitere Möglichkeit zu schaffen, den Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Dass diese Unternehmen häufig gar nicht tragfähig sind, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Wo Profite versprochen werden, da fließt das Geld hin. Denn der Reichtum unserer Gesellschaft ist mittlerweile so konzentriert, dass sich allzu oft keine profitable Anlagemöglichkeit in den bestehenden Unternehmen findet. Der Spekulation sind Tür und Tor geöffnet, und am Ende zahlen wir Kund:innen drauf.
Redaktion
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