
Handels-Gehälter: Wegen hoher Inflation weniger Lohn

„Sozialpartner“ setzen Regierungskurs um und einigen sich auf Lohnverlust für Belegschaft im Handel
Über die Köpfe der 430.000 Arbeiter:innen und 20.000 Lehrlinge hinweg einigten sich die „Sozialpartner“ am Montag auf die Löhne für 2026. Wie zu erwarten war, wird auch hier im Sinne der Wirtschaftsbosse gespart. Bei 2,9 Prozent Inflation bekommen die Arbeiter:innen 2,55 Prozent mehr: eine glasklare und ungenierte Lohnsenkung – und das, obwohl letztes Jahr zumindest 2,9 Prozent mehr für dieses Jahr vereinbart waren.
Bizarre Verhandlungen
Das Bizarre: Letztes Jahr schloss die Gewerkschaft einen Kollektivvertrag über 2 Jahre. Dieses Jahr sollten die Löhne eigentlich wieder über der Inflation steigen. 2,9 Prozent mehr Lohn waren vereinbart, solange die sogenannte rollierende Inflation unter 3 Prozent liegt. Nachdem diese auf 3 Prozent gestiegen war, musste neu verhandelt werden. Jeder vernünftige Mensch muss annehmen, dass 2,9 Prozent Lohnerhöhung dann der Ausgangspunkt der Verhandlungen ist. Falsch gedacht, obwohl die Inflation höher ist, steigen die Löhne weniger als ursprünglich verhandelt. Dabei feiern z.B. Supermärkte Rekordprofite und heizen mit hohen Preisen selbst die Teuerung an.
Sozialpartnerschaft entlarvt
Die Gewerkschaft, die die geschröpften Arbeiter*innen eigentlich vertreten sollte, feiert den Lohnabschluss als „Kompromiss“. Das System Sozialpartnerschaft beweist damit aufs Neue, dass es genau das erfüllt, was es erfüllen soll. Vertreter der Reichen und Mächtigen sitzen vermeintlichen Vertretern der Belegschaft gegenüber, um einen Kompromiss auszuhandeln, der die Leistungsträger im Land mit dem Minimalen abspeist.
Die Arbeiter:innen bekommen gerade so viel, dass sich kein Widerstand rührt, aber so wenig, dass die Chefs ihren Profit im Vergleich zum Vorjahr weiter ausbauen können. Das Ergebnis ist eine Belegschaft, die um ihren hart erarbeiteten Lohn gebracht wird, eine Gewerkschaft, die den Arbeiter:innen den Abschluss als Erfolg verkauft, und ein Haufen Großunternehmer, die sich gemeinsam mit ihren Freunden aus der Spitzenpolitik ins Fäustchen lachen.
Von den Armen nehmen und den Reichen geben
Dabei ist es gerade der Handel, wo echte Lohnerhöhungen an der Tagesordnung sein müssten. Gerade mal 2.038€ verdient ein neuer Mitarbeiter im ersten Arbeitsjahr. Mangels wirkmächtiger Mietpreisbremse, astronomischen Strom- und Gaspreisen und Lebensmitteln, die zum Luxusgut verkommen, bleibt davon am Monatsende nicht viel übrig.
Dass sich die Kürzungskoalition von ÖVP, NEOS und SPÖ daran nicht stört, ist kein Wunder – der Abschluss passt in den Plan. Nachdem die Regierung Anfang des Jahres verkündet hat, Sparen sei angesagt, hat sich Woche für Woche deutlicher gezeigt, was sie damit wirklich meinen: Kürzen bei der breiten Masse, während die Vermögenden die Polit-Show heiter-fröhlich mitverfolgen können.
Offenbar haben die wohlverdienenden Minister:innen und ihre Gewerkschaftskolleg:innen bei Robin Hood nicht aufgepasst, als der entscheidende Teil kam. Denn statt „von den Reichen nehmen“ heißt’s bei ihnen: bei den Armen abkassieren und den Wohlhabenden den Goldsack servieren.
Redaktion
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