GESUNDHEIT & PFLEGE | INTERVIEW
Die Pflege blutet aus -
der Drehtüreffekt im Gesundheitssystem

Wir haben uns mit Wolfgang Zauner, KPÖ-Mitglied und langjährig Beschäftigten im Pflegebereich getroffen, um über aktuelle Probleme im Gesundheitssystem zu sprechen. Fehlende Zeit für Patient:innen führt zu Drehtüreffekten und Burn-Out der Pflegekräfte. Welche Lösungen würden helfen, dass Gesundheit nicht weiter krank macht?
Du hast in mehreren Bundesländern in Krankenhäusern gearbeitet und weitere berufliche Stationen in Gesundheits- und Pflegeberufen hinter dir: Was sind deine Erfahrungen mit dem österreichischen Gesundheitssystem?
Wolfgang Zauner: Meine Erfahrungen sind zwiegespalten. Ich bin davon überzeugt, dass wir sehr gutes medizinisches und pflegerisches Personal haben, das bemüht ist und hochwertige Arbeit verrichtet. Aber wir bluten aus, weil der Mangel an Ressourcen immer größer wird. Das betrifft sowohl Zeitressourcen als auch Materielles, sei es Finanzierung oder das nötige Equipment.
Kannst du dafür ein Beispiel nennen, wie sich das im Krankenhaus äußert?
Wolfgang Zauner: Ein häufiges Beispiel wäre eine chronische Wunde infolge einer Durchblutungsstörung. Da gibt es eine sehr hochwertige Versorgung, gute Pfleger:innen und Therapien im Krankenhaus. Aber sobald die Patient:innen entlassen sind, kommt es oft wieder zu einer Verschlechterung der Situation.
Das liegt daran, dass im Krankenhaus die Ressourcen fehlen, die Patient:innen und Angehörigen darin zu schulen, ihre Erkrankung zu verstehen und die nötige Pflege vorzunehmen. Dadurch entstehen Drehtüreffekte, dass wir Patient:innen entlassen und bald wieder aufnehmen müssen, was die knappen Ressourcen noch weiter belastet.
Das ist sicher eine belastende Situation sowohl für Patient:innen als auch für das Personal?
Wolfgang Zauner: Das ist leider ein generelles Problem, das ich in der Gesundheits- und Krankenpflege sehe: Wir sind ja dazu verpflichtet, nach bestem Wissen und Gewissen zu arbeiten, und wollen das auch gerne tun. Aber die Ressourcen reichen oft nur für das Nötigste.
Wir lernen in der Ausbildung vieles, wenn wir aber dann arbeiten, können wir das meiste realistisch gar nicht umsetzen. Die nächste Aufgabe, die nicht warten kann, wartet immer, und so gehen gerade Gesundheitsförderung und die psychischen Bedürfnisse der Patient:innen meistens unter.
Es ist unglaublich frustrierend, wenn man das Gefühl hat, seine Arbeit nicht gut machen zu können, weil man einfach die Zeit nicht hat. Das führt letztlich auch dazu, dass das Personal den Frust internalisiert und es zu Burnout oder Depressionen kommt. Oder es kommt zu einer Abstumpfung, irgendwann muss man notwendigerweise eine Strategie finden, wie man damit umgeht. Im ersten Fall leidet man selbst daran, im zweiten die Patienten und Patientinnen.
Also ist das größte Problem der Personalmangel?
Wolfgang Zauner: Ja. Beim Pflegeschlüssel gibt es ein Missverhältnis zwischen Personal und Patient:innen. Es wird ja immer davon geredet, dass uns in ein paar Jahren 180.000 Pflegekräfte oder so fehlen. Aber das sind nur die Zahlen, um den Status Quo aufrechtzuerhalten. Damit ist keine Pflegekraft entlastet, keine Patientin bekommt damit bessere Versorgung.
Als nächstes gibt es das Problem, dass immer mehr diplomiertes Personal bzw. Personal aus dem „gehobenen Dienst“ der Gesundheits- und Krankenpflege durch Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz ersetzt wird. Die Pflege geht wieder davon weg, dass die Pflege aus einer Hand kommt, also von Anamnese über Planung, zu Durchführung und Evaluierung von einer Person gemacht wird. Es kommt zu einer Aufteilung dieser Aufgaben, mit den entsprechenden Reibungsverlusten.
Auch hier geht es ums Geld, richtig?
Wolfgang Zauner: Ja, leider ein weiteres Beispiel dafür, wie zu wenig bereitgestellte Ressourcen die Situation für Personal und Patient:innen unnötig verschlechtern. Wenn mehr Personal mit schlechterer Ausbildung am Bett steht, steigt einfach die Wahrscheinlichkeit, dass Dinge übersehen werden und Fehler passieren. Das ist ausdrücklich nicht die Schuld der Pflege(-fach)assistenz! Sie machen Ihre Arbeit gut, aber eine bessere und längere Ausbildung hilft in diesem stressigen Beruf einfach, die Allermeisten würden diese auch sicher gut abschließen, es ist halt eine Geldfrage, also eine Frage des politischen Willens. Es gibt auch Untersuchungen dazu, dass die Sterblichkeitsrate steigt, wenn beim höher ausgebildeten Personal gespart wird.
Wenn du an deine Berufsfelder in Wien denkst, was läuft in der Wiener Gesundheitspolitik falsch?
Wolfgang Zauner: Was die Krankenhäuser betrifft, mangelt es auch in Wien an Personal, so sind in mehreren städtischen Krankenhäusern Stationen und/oder Betten gesperrt.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass wenn Betten auf einer Station gesperrt sind, diese oft trotzdem belegt werden, nur weil das Bett im Computer gesperrt ist, verschwindet es ja nicht als physisch vorhandenes Bett in einem Raum. Das führt bei schlecht besetzten Stationen natürlich zu Stress und auch Frust. Es ist ja nicht so, dass wenn eine Station fehlt, auch weniger Patient:innen da sind.
Die SPÖ hat bei der letzten Wahl zahlreiche Wahlversprechen gemacht, was sich im Gesundheits- und Pflegesystem in Wien verbessern soll. Wie siehst du gerade die letzten 5 Jahre?
Wolfgang Zauner: Naja, es wurde gesagt, dass die Arbeitsstunden reduziert werden sollen, das ist nicht passiert.
Der Gesundheitsstadtrat Peter Hacker hat sich sogar offen dagegen gestellt. Die Ausbildungsplätze wurden tatsächlich stark erweitert. Aber meine Kolleg:innen, die immer noch im Dienst sind, bemerken nicht, dass es dadurch tatsächlich zu einem ebenso starken Anstieg bei den Abschlüssen gekommen wäre.
Hacker hat auch die Anstellung für pflegende Angehörige angekündigt, auch das wurde nicht umgesetzt, stattdessen ist beim Fonds Soziales Wiens (FSW) das Netzwerk für pflegende Angehörige aufgesetzt worden, was bestenfalls ein Trostpflaster ist und auch nicht stark beworben wurde.
Sind keine positiven Nachrichten zu vermelden?
Wolfgang Zauner: Tatsächlich sind nach Corona die Löhne in den Krankenhäusern der Gemeinde stark erhöht worden, das Einstiegsgehalt ist auch besser, weil es eine Reform von den Arbeitsverträgen gegeben hat. Beim FSW, das ja nicht wie der Wiener Gesundheitsverbund eine MA ist, ist das aber nicht der Fall. Insgesamt würde ich sagen, dass schon da und dort kleine Verbesserungen stattfinden, die Lohnerhöhung aber nach Corona natürlich auch notwendig war, immerhin haben viele Leute den Pflegeberuf in dieser Zeit verlassen und es hat dringend Verbesserungen gebraucht, um das Personal zu halten. Dennoch fährt das Gesundheitssystem weiter Richtung Wand, das Steuer wurde bisher nicht herumgerissen.
Pfleger:innen sagen oft, es braucht eine Verbesserung der Rahmenbedingungen. Was müsste in Wien passieren, um die Situation für Pfleger:innen zu entlasten?
Wolfgang Zauner: Also in allen Bereichen bräuchte es eine Reform des Betreuungsschlüssels, dazu aber auch eine Reduktion der Arbeitszeit. Da gibt es natürlich das Problem, dass bereits zu wenig Personal da ist. Aber wie gesagt: es gibt viele Personen, die eine Ausbildung haben, fraglich ist, wie man diese in den Pflegeberuf zurückholen kann. Ich glaube, es bräuchte ein Modell, das ausgehend von einem besseren Pflegeschlüssel den Lohn, den die nicht vorhandenen Kräfte bekommen würden, auf die vorhandenen aufteilt. Das heißt, wenn zu wenig Personal im Dienst ist, bekommt das Personal, das im Dienst ist, diesen Aufschlag. Das würde dazu führen, dass die Kräfte angemessen entschädigt werden für die Mehrarbeit, die sie leisten müssen.
Gleichzeitig fällt das ökonomische Motiv weg, diese Schieflage aufrechtzuerhalten. Viele, die Teilzeit arbeiten, würden die Stunden wieder erhöhen bei einer Stundenreduktion. Weil mit Teilzeit sind Zusatzdienste nur Mehrdienst und keine Überstunden, diese werden schlechter entlohnt und erst nach drei Monaten ausbezahlt. Eine Stundenreduktion würde also kurzfristig nicht zu weniger Arbeitsstunden, aber zu höheren Ansprüchen auf Überstunden führen.
Was wären weitere Maßnahmen, die du sinnvoll findest?
Wolfgang Zauner: Es braucht einen deutlich besseren Ausbau der Betreuung außerhalb des Krankenhauses, um Drehtüreffekte zu vermeiden.
Das heißt z.B. gute Ärztezentren, in denen Ärzte mehr Zeit für die einzelnen Patienten bekommen. Es gibt nicht zuletzt deswegen so viele Wahlärzte, weil bei Kassenärzten auch hohe Unzufriedenheit aufkommt, da einfach die Zeit fehlt.
Generell könnte die Versorgung wahrscheinlich generell stark verbessert werden, wenn mehr Zeit für die Menschen da ist. Der zwischenmenschliche Faktor in der Behandlung und Therapie wird vernachlässigt, spielt aber eine große Rolle. Wenn sich Menschen nur schnell abgefertigt fühlen, nehmen sie ihr eigenes Mitwirken an der Therapie weniger ernst. Damit Menschen gesund leben können und/ oder bei ihrer Gesundung mitwirken können, braucht es einfach viel Geduld und Zeit.
Wolfgang Zauner: Meine Erfahrungen sind zwiegespalten. Ich bin davon überzeugt, dass wir sehr gutes medizinisches und pflegerisches Personal haben, das bemüht ist und hochwertige Arbeit verrichtet. Aber wir bluten aus, weil der Mangel an Ressourcen immer größer wird. Das betrifft sowohl Zeitressourcen als auch Materielles, sei es Finanzierung oder das nötige Equipment.
Kannst du dafür ein Beispiel nennen, wie sich das im Krankenhaus äußert?
Wolfgang Zauner: Ein häufiges Beispiel wäre eine chronische Wunde infolge einer Durchblutungsstörung. Da gibt es eine sehr hochwertige Versorgung, gute Pfleger:innen und Therapien im Krankenhaus. Aber sobald die Patient:innen entlassen sind, kommt es oft wieder zu einer Verschlechterung der Situation.
Das liegt daran, dass im Krankenhaus die Ressourcen fehlen, die Patient:innen und Angehörigen darin zu schulen, ihre Erkrankung zu verstehen und die nötige Pflege vorzunehmen. Dadurch entstehen Drehtüreffekte, dass wir Patient:innen entlassen und bald wieder aufnehmen müssen, was die knappen Ressourcen noch weiter belastet.
Das ist sicher eine belastende Situation sowohl für Patient:innen als auch für das Personal?
Wolfgang Zauner: Das ist leider ein generelles Problem, das ich in der Gesundheits- und Krankenpflege sehe: Wir sind ja dazu verpflichtet, nach bestem Wissen und Gewissen zu arbeiten, und wollen das auch gerne tun. Aber die Ressourcen reichen oft nur für das Nötigste.
Wir lernen in der Ausbildung vieles, wenn wir aber dann arbeiten, können wir das meiste realistisch gar nicht umsetzen. Die nächste Aufgabe, die nicht warten kann, wartet immer, und so gehen gerade Gesundheitsförderung und die psychischen Bedürfnisse der Patient:innen meistens unter.
Es ist unglaublich frustrierend, wenn man das Gefühl hat, seine Arbeit nicht gut machen zu können, weil man einfach die Zeit nicht hat. Das führt letztlich auch dazu, dass das Personal den Frust internalisiert und es zu Burnout oder Depressionen kommt. Oder es kommt zu einer Abstumpfung, irgendwann muss man notwendigerweise eine Strategie finden, wie man damit umgeht. Im ersten Fall leidet man selbst daran, im zweiten die Patienten und Patientinnen.
Also ist das größte Problem der Personalmangel?
Wolfgang Zauner: Ja. Beim Pflegeschlüssel gibt es ein Missverhältnis zwischen Personal und Patient:innen. Es wird ja immer davon geredet, dass uns in ein paar Jahren 180.000 Pflegekräfte oder so fehlen. Aber das sind nur die Zahlen, um den Status Quo aufrechtzuerhalten. Damit ist keine Pflegekraft entlastet, keine Patientin bekommt damit bessere Versorgung.
Als nächstes gibt es das Problem, dass immer mehr diplomiertes Personal bzw. Personal aus dem „gehobenen Dienst“ der Gesundheits- und Krankenpflege durch Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz ersetzt wird. Die Pflege geht wieder davon weg, dass die Pflege aus einer Hand kommt, also von Anamnese über Planung, zu Durchführung und Evaluierung von einer Person gemacht wird. Es kommt zu einer Aufteilung dieser Aufgaben, mit den entsprechenden Reibungsverlusten.
Auch hier geht es ums Geld, richtig?
Wolfgang Zauner: Ja, leider ein weiteres Beispiel dafür, wie zu wenig bereitgestellte Ressourcen die Situation für Personal und Patient:innen unnötig verschlechtern. Wenn mehr Personal mit schlechterer Ausbildung am Bett steht, steigt einfach die Wahrscheinlichkeit, dass Dinge übersehen werden und Fehler passieren. Das ist ausdrücklich nicht die Schuld der Pflege(-fach)assistenz! Sie machen Ihre Arbeit gut, aber eine bessere und längere Ausbildung hilft in diesem stressigen Beruf einfach, die Allermeisten würden diese auch sicher gut abschließen, es ist halt eine Geldfrage, also eine Frage des politischen Willens. Es gibt auch Untersuchungen dazu, dass die Sterblichkeitsrate steigt, wenn beim höher ausgebildeten Personal gespart wird.
Wenn du an deine Berufsfelder in Wien denkst, was läuft in der Wiener Gesundheitspolitik falsch?
Wolfgang Zauner: Was die Krankenhäuser betrifft, mangelt es auch in Wien an Personal, so sind in mehreren städtischen Krankenhäusern Stationen und/oder Betten gesperrt.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass wenn Betten auf einer Station gesperrt sind, diese oft trotzdem belegt werden, nur weil das Bett im Computer gesperrt ist, verschwindet es ja nicht als physisch vorhandenes Bett in einem Raum. Das führt bei schlecht besetzten Stationen natürlich zu Stress und auch Frust. Es ist ja nicht so, dass wenn eine Station fehlt, auch weniger Patient:innen da sind.
Die SPÖ hat bei der letzten Wahl zahlreiche Wahlversprechen gemacht, was sich im Gesundheits- und Pflegesystem in Wien verbessern soll. Wie siehst du gerade die letzten 5 Jahre?
Wolfgang Zauner: Naja, es wurde gesagt, dass die Arbeitsstunden reduziert werden sollen, das ist nicht passiert.
Der Gesundheitsstadtrat Peter Hacker hat sich sogar offen dagegen gestellt. Die Ausbildungsplätze wurden tatsächlich stark erweitert. Aber meine Kolleg:innen, die immer noch im Dienst sind, bemerken nicht, dass es dadurch tatsächlich zu einem ebenso starken Anstieg bei den Abschlüssen gekommen wäre.
Hacker hat auch die Anstellung für pflegende Angehörige angekündigt, auch das wurde nicht umgesetzt, stattdessen ist beim Fonds Soziales Wiens (FSW) das Netzwerk für pflegende Angehörige aufgesetzt worden, was bestenfalls ein Trostpflaster ist und auch nicht stark beworben wurde.
Sind keine positiven Nachrichten zu vermelden?
Wolfgang Zauner: Tatsächlich sind nach Corona die Löhne in den Krankenhäusern der Gemeinde stark erhöht worden, das Einstiegsgehalt ist auch besser, weil es eine Reform von den Arbeitsverträgen gegeben hat. Beim FSW, das ja nicht wie der Wiener Gesundheitsverbund eine MA ist, ist das aber nicht der Fall. Insgesamt würde ich sagen, dass schon da und dort kleine Verbesserungen stattfinden, die Lohnerhöhung aber nach Corona natürlich auch notwendig war, immerhin haben viele Leute den Pflegeberuf in dieser Zeit verlassen und es hat dringend Verbesserungen gebraucht, um das Personal zu halten. Dennoch fährt das Gesundheitssystem weiter Richtung Wand, das Steuer wurde bisher nicht herumgerissen.
Pfleger:innen sagen oft, es braucht eine Verbesserung der Rahmenbedingungen. Was müsste in Wien passieren, um die Situation für Pfleger:innen zu entlasten?
Wolfgang Zauner: Also in allen Bereichen bräuchte es eine Reform des Betreuungsschlüssels, dazu aber auch eine Reduktion der Arbeitszeit. Da gibt es natürlich das Problem, dass bereits zu wenig Personal da ist. Aber wie gesagt: es gibt viele Personen, die eine Ausbildung haben, fraglich ist, wie man diese in den Pflegeberuf zurückholen kann. Ich glaube, es bräuchte ein Modell, das ausgehend von einem besseren Pflegeschlüssel den Lohn, den die nicht vorhandenen Kräfte bekommen würden, auf die vorhandenen aufteilt. Das heißt, wenn zu wenig Personal im Dienst ist, bekommt das Personal, das im Dienst ist, diesen Aufschlag. Das würde dazu führen, dass die Kräfte angemessen entschädigt werden für die Mehrarbeit, die sie leisten müssen.
Gleichzeitig fällt das ökonomische Motiv weg, diese Schieflage aufrechtzuerhalten. Viele, die Teilzeit arbeiten, würden die Stunden wieder erhöhen bei einer Stundenreduktion. Weil mit Teilzeit sind Zusatzdienste nur Mehrdienst und keine Überstunden, diese werden schlechter entlohnt und erst nach drei Monaten ausbezahlt. Eine Stundenreduktion würde also kurzfristig nicht zu weniger Arbeitsstunden, aber zu höheren Ansprüchen auf Überstunden führen.
Was wären weitere Maßnahmen, die du sinnvoll findest?
Wolfgang Zauner: Es braucht einen deutlich besseren Ausbau der Betreuung außerhalb des Krankenhauses, um Drehtüreffekte zu vermeiden.
Das heißt z.B. gute Ärztezentren, in denen Ärzte mehr Zeit für die einzelnen Patienten bekommen. Es gibt nicht zuletzt deswegen so viele Wahlärzte, weil bei Kassenärzten auch hohe Unzufriedenheit aufkommt, da einfach die Zeit fehlt.
Generell könnte die Versorgung wahrscheinlich generell stark verbessert werden, wenn mehr Zeit für die Menschen da ist. Der zwischenmenschliche Faktor in der Behandlung und Therapie wird vernachlässigt, spielt aber eine große Rolle. Wenn sich Menschen nur schnell abgefertigt fühlen, nehmen sie ihr eigenes Mitwirken an der Therapie weniger ernst. Damit Menschen gesund leben können und/ oder bei ihrer Gesundung mitwirken können, braucht es einfach viel Geduld und Zeit.
