1 Monatsgehalt weniger - So viel verlieren Beschäftigte durch die Teuerung

Seit der jüngsten Schnellschätzung der Statistik Austria feiert sich die Regierung: Die Inflation ist auf 2 % “gesunken”. Wow, klasse. Wo soll man da anfangen, die Missverständnisse bzw. Nebelgranaten auszuräumen?

Erstens: Eine besondere Leistung der Regierung ist das nicht.

Das Absinken der Inflationsrate verdankt sich allen voran dem Jahreswechsel. Weil von 2024 auf 2025 die Strompreisbremse ausgelaufen ist, wurde in jedem Monat von 2025 im Vergleich zum Vorjahr alles wieder schneller teurer. Dieser Effekt fällt im Übergang von 2025 auf 2026 von allein aus der Berechnung der Inflation wieder heraus. Daraus folgt: Diese Zahl sagt nichts über die Leistung der Regierung aus.

Zweitens: Sinkende Inflationsrate heißt … erhöhte Preise

Regelmäßig wird versucht, uns zu verkaufen, dass sinkende Inflationsraten sinkende Preise heißen. Möööp. Falsch! Sinkende Inflationsraten heißen nur, dass der Preisanstieg von diesem Monat zu vor einem Jahr relativ kleiner ist als der Preisanstieg von vor einem Jahr zu vor zwei Jahren.

Drittens: Sinkende Inflationsrate heißt nicht einmal langsamere Teuerung

Das heißt aber nicht einmal, dass die Preise langsamer steigen. Inflation in der Berichterstattung hat wenig mit der Teuerung an der Kassa zu tun. Ein Beispiel: Obwohl die Teuerung des täglichen Einkaufs von 2023 auf 2024 um 4,5 % stieg und von 2024 auf 2025 nur um 3,8 %, stiegen die Preise 2025 in absoluten Zahlen sogar schneller. Das hat mit Mathematik zu tun, hilft aber niemandem, der an der Kasse die Cent-Beträge ausrechnen muss. Was hilft es mir, wenn das Brot in Prozent weniger teurer wird, ich aber trotzdem noch tiefer in die Tasche greifen muss? Kleinere Inflationsrate heißt nicht automatisch kleinere Belastung für die Masse.

Viertens: Inflation ≠ Teuerung

Das liegt unter anderem daran, dass sich die Situation der Bevölkerung mit der allgemeinen Inflationsrate schlechter erfassen lässt. Sinnvoller sind da etwa Preisvergleiche wie der Mikrowarenkorb, bei dem der tägliche Einkauf herangezogen wird. Dieser wurde in den letzten Jahren deutlich teurer, als die allgemeine Inflationsrate zeigt: Von 2021 auf 2025 wurden die Preise im Schnitt um 33 % erhöht.

Fünftens: Kein Inflationsausgleich

Die Schmierenkomödianten der Reichen, also ÖVP-Politiker und andere Meinungsverbreiter, reden noch immer gerne von einer Lohn-Preis-Spirale als Ursache der Teuerung. Nachdem es sich nicht um einen Irrtum, sondern um das Ablenken von den eigentlichen Ursachen handelt, helfen da keine Fakten. Trotzdem: Verglichen mit dem täglichen Einkauf haben Arbeiter und Angestellte in der Sozialwirtschaft oder Angestellte im Handel von 2021 auf 2025 deutlich niedrigere Lohnsteigerungen erhalten. So viel niedriger, dass ihnen ein ganzes Monatsgehalt pro Jahr fehlt, wenn sie im Supermarkt einkaufen gehen. Außerdem werden in Österreich Löhne und Gehälter verhandelt, nachdem die Preise erhöht wurden. Solange die Reichen das Zeitreisen nicht erfunden haben, ist eine Lohn-Preis-Spirale in dieser Hinsicht also unmöglich.