Februarkämpfe 1934

Kampf gegen den Austrofaschismus

Historischer Abriss

Ein kurzer Historischer Abriss mit Bildern fasst die Geschehnisse im Februar 1934 zusammen. Schau ihn dir jetzt an!

Rückblick 2022

Jedes Jahr gedenkt die KPÖ in Wien, Oberösterreich und der Steiermark den Februarkämpfen 1934. Schau dir jetzt den Rückblick auf das Jahr 2022 an!

Februarkämpfe 1934

Eine Hausdurchsuchung gegen den »Republikanischen Schutzbund« im Linzer »Hotel Schiff« ist der Auslöser für die Februarkämpfe 1934 und damit den ersten bewaffneten Aufstand gegen den Faschismus. Vor allem in Wien, Linz, Steyr, dem Hausruckviertel, in Graz und der Obersteiermark kam es dabei zu Kampfhandlungen. Die Februar-Ereignisse kosteten rund 300 Schutzbundmitgliedern und Zivilist:innen das Leben.

Die politische Situation hatte sich in Österreich schon in den Tagen und Wochen zuvor zugespitzt. Die Repression der austrofaschistischen Regierung gegen die organisierte Arbeiter:innenbewegung wurde dabei immer gewalttätiger. Während die sozialdemokratische Führung zögerlich blieb, beauftragte die Leitung der KPÖ ihre Gewerkschaftsfunktionäre, einen „Aufruf zum Generalstreik“ für die Wiederherstellung der Demokratie zu verfassen. Dieser wurde am 7. Februar der Leitung der sozialdemokratischen Gewerkschaften als Vorschlag für einen gemeinsamen Aufruf von SDAP, Freien Gewerkschaften und KPÖ vorgelegt, blieb aber unbeachtet.

Vom Ausbruch der Kämpfe wurde die sozialdemokratische Parteileitung überrascht. Sie war nicht in der Lage, ihr Vorgehen zu koordinieren, sondern setzte sich noch am 12. Februar in die Tschechoslowakei ab. Mit ein Grund, warum sich nach der blutigen Niederschlagung zwölftausend sozialdemokratische Februarkämpfer:innen der bereits seit 1933 verbotenen Kommunistischen Partei anschlossen.

Unter dem Titel »Die KPÖ und der 12. Februar 1934« hat Winfried R. Garscha in den Mitteilungen der Alfred Klahr Gesellschaft einen Abriss der Ereignisse verfasst. Hier Weiterlesen

Eine Einheit des Republikanischen Schutzbunds in Wien-Favoriten vor dem Februar 1934, ganz links Hans Griebaum, der 1935 in der Sowjetunion der KPÖ beitrat und von 1936 bis 1939 in Spanien auf Seiten der Republik kämpfte. 1941 meldete er sich freiwillig zur Roten Armee, 1944/45 war er Angehöriger der Partisanengruppe “Kampfgruppe Steiermark”. 1948 wurde er Personalchef der SMV.

Mit Artiellerie beschossene Bauten im Februar 1934. Links das zerstörte Arbeiterheim in Ottakring, rechts der Schlingerhof in Floridsdorf.

Die Rote Fahne, 10.2.1934

Mit der Sonderausgabe der Roten Fahne rief die KPÖ am 10. Februar 1934 zum Generalstreik auf.

In Steyr griffen die Arbeiter und Schutzbündler am 12. Februar 1934 die Kaserne an, mussten sich aber unter heftigem Maschinengewehrfeuer des Militärs zurückziehen. In den frühen Morgenstunden wurden die Arbeiterwohnungen der Ennsleute vom Bundesheer unter Artilleriebeschuss genommen.

Postkarte der “Roten Hilfe” mit dem Portrait des Bauschlossers Josef Ahrer aus Steyr. Er wurde durch ein Standgericht zum Tode verurteilt und am 17. Februar 1934 im Gefängnis in Steyr-Berggasse gehenkt.

Das Standgericht St. Pölten führte zwischen 16. und 20. Februar 1934 mehrere Verfahren durch, in denen zwei Todesurteile und drei Kerkerstrafen zwischen 5 und 7 Jahren verhängt wurden. Die beiden Todesurteile gegen Johann Hoiss (Hoys) und Viktor Rauchenberg aus Rohnbach an der Gölsen wurden am 16. Februar vollstreckt.

Am 13. Februar 1934 stürmten Soldaten, Heimwehr und Gendarmerie das Arbeiterheim Holzleithen. Sechs Sanitäter wurden auf die Bühne des Saals gestellt und das Feuer eröffnet. Ver von ihnen u.a. der Kommunist Andreas Kropatschek, starben im Kugelhagel.

Josef Skrabal war Schutzbundkommandant im Hausruck-Kohlerevier in Oberösterreich und seit Jänner 1934 Mitglied der illegalen KPÖ. Er wurde am 12. Februar 1934 im Hausrucktunnel getötet.

Anna Haider nahm aktiv an den Februarkämpfen im Wiener Goethe-Hof teil. Zu ihren Aufgaben gehörte es, über die von Heimwehren und dem Militär abgeriegelte REichsbrücke hinweg Kampfdirektiven zu übermitteln. Mitglied der KPÖ seit 1934, war sie zwischen 1941 und 1945 inhaftiert. 1945 wurde sie Frauenvorsitzende der KPÖ Oberösterreich.

Der Februarkämpfer Bruno Sokoll wurde am 16. Februar 1934 von einem Standgericht zum Tode verurteilt, danach aber zu 15 Jahren Haft begnadigt. Als Funktionär der KPÖ organisierte er nach der Befreiung im April 1945 das Ernährungsamt in Wien-Floridsdorf.

Josef Spanner war Schutzbundkommandant im Quellenhof in Wien-Favoriten und trat 1934 zur KPÖ über. Er kämpfe von 1937 bis 1939 in Spanien und 1944/45 in der “Kampfgruppe Steiermark”.

Von Oskar Grossmann (“Alexander SChönau”) verfasste diese Broschüre über die Februarkämpfe, die 1934 in Zürich, Hamburg und der Sowjetunion herausgegeben wurde. Grossmann war Mitglied der engeren KPÖ-Führung und von 1932 bis 1935 ihr Vertreter bei der Komintern.

Die von Malke Schorr (“Herta Müller”) verfasste Broschüre über die Februarkämpfe erschien 1934 im Verlag der Internationalen Roten Hilfe.

Geflüchtete Schutzbündler in Brünn im März 1934, v.l. Anton Dobritzhofer, Josef Pfeifer, Fritz Ganko, Heinrich Winter, Anto Hloupi, Karl Stern, Josef Ruschitzka.

Ernst Fischer

Ernst Fischer, Redakteur der “Arbeiter-Zeitung”, war der prominenteste Sozialdemokrat, der nach dem Februar 1934 zur KPÖ übertrat. Er Wurde 1934 Mitglied des Zentralkomitees und Politbüros der Partei und von 1935 bis 1938 ihr Vertreter bei der Komintern.

Österreichische Februarkämpfer im Lager Znaim im März 1934.

Antifaschistischer Schwur von vier Ottakringer Februarkämpfern in der Tschechoslowakei 1934, v.l. Alfred Raab, Josef Hermann, Franz Jurica und Erich Wolf.

Schutzbündler im Flüchtlingslager Brünn vor ihrer Abreise in die Sowjetunion im April 1934, vorne Mitte: Franz Etz, Johann Hammerling, dahinter Viktor Koblicek, letzte Reihe: Josef Hermann, Erich Wolf, Alfred Raab, Franz Jurica, Josef Pöck.

August (Gustl) Moser war Betriebsratsobmann der Steyr Werke, Mitglied des sozialdemokratischen Parteirats und führend im Schutzbund aktiv. Er trat 1934 zur KPÖ über und wurde Mitglied des Zentralkomitees und Politbüros der Partei.

Gustl Moser (li.) und Alois Zehetner im Emigrantenlager Zbraslav (einem Stadtteil von Prag) , 1934. Alois Zehetner, Mitglied des SDAP-Vorstands und Betriebsrat in Steyr, emigrierte im Juni 1934 in die Sowjetunion und trat im Oktober 1934 zur KPÖ über. Er war Abgeordneter zum Moskauer Stadtsowjet, trat 1942 in die Rote Armee ein und arbeitete ab 1943 als Politinstruktor in Kriegsgefangenenlagern.

Aufmarsch der Februarkämpfer in Brünn im April 1934 vor ihrer Abreise in die Sowjetunion, u.a. Hans Dobias, Franz Dorfner, Karl Ruschitzka, Erich Kummer, Josef Wallenböck und Karl Dobias.

Die Gruppe “Rote Front” der SDAP-Linken organisierte sich nach dem Februar 1934 vorerst eigenständig und vereinigte sich im Juni 1934 mit der KPÖ. Sie gab die Zeitung “der Rote Kämpfer” heraus.

Einer der führenden Funktionäre der “Roten Front” war Franz Schuster. Er wurde 1934 ins Zentralkomitee der KPÖ gewählt und war Reichsleiter der “Roten Hilfe”. Er wurde 1939 im KZ Buchenwald interniert, wo er 1943 zu Tode kam.

Am 1. Juli 1934 veröffentliche die KPÖ einen Aufruf zur Einheitsfront. Noch im selben Monat wurde zwischen KPÖ und Revolutionären Sozialisten ein Einheitsfrontabkommen geschlossen und ein Aktionskomitee gebildet. Die “Rote Fahne” erschien etwa 15 mal im Jahr in einer Auflage von jeweils ca. 15.000 bis 30.000 Exemplaren. Sie wurde bis Mai 1935 illegal im Lande, danach in der Tschechoslowakei hergestellt.

Die deutsche Kommunistin Grete Wilde kam erstmals 1931 als “Instrktorin” nach Österreich, wo sie bei der Vorbereitung des 11. Parteitags eine wichtige Rolle spielte. 1934/35 wirkte sie erneut in Österreich und wurde ins Zentralkomitee der KPÖ gewählt, was ein ungewöhnlicher Schritt war. Danach arbeitete sie als Referentin der Kaderabteilung der Komintern. Sie starb 1943 in sowjetischer Lagerhaft.

Ferdinand Strasser war sozialdemokratischer Bürgermeister von St. Pölten und politischer Leiter des Schutzbunds. Er flüchtete nach dem Februar 1934 in die Tschechoslowakei und von dort in die Sowjetunion. Er leitete nach seiner Rückkehr nach Österreich die illegale Arbeit der KPÖ unter den Bauern. 1937 wurde er ins Zentralkomitee der Partei gewählt. er wurde von einem NS-Gericht zum Tode verurteilt und 1942 hingerichtet.

Durch den Übertritt tausender Sozialdemokraten zur KPÖ wurden die Februarkämpfe zu einem Teil der Parteigeschichte. Bei Kundgebungen der KPÖ in den 1970er Jahren wurde deshalb eine Traditionsfahne des Schutzbunds Ebergassing mitgeführt. 

Rückblick 2022

Linz

Am 12. Februar 1934 erfolgte mit dem Februaraufstand der letzte verzweifelte Versuch zur Rettung der Demokratie. Bereits im März 1933 wurde vom austrofaschistischen Kanzler Dollfuß das Parlament ausgeschaltet und die Maiaufmärsche untersagt. Im Mai wurden der Schutzbund sowie die KPÖ verboten und bereits im September 1933 die ersten Anhaltelager errichtet.
Aus diesem Anlass gedenkt die KPÖ mit einer Kundgebung der Februarkämpfe von 1934 am
Samstag, 12. Februar 2022, 11:30 Uhr, Linz, Bulgariplatz,
Die von der KPÖ-Oberösterreich gestaltete Dokumentation „Der Kampf war hart und schwer“ über die Februarkämpfe in Oberösterreich und die Rolle der KPÖ kann per Mail an [email protected] bestellt werden.

Wien Favoriten

In Favoriten wurde um 11 Uhr vor dem Denkmal für die Opfer des Faschismus am Reumannplatz eine Gedenkveranstaltung organisiert und Blumen niedergelegt.
Wir haben den Toten gedacht, Kommunistinnen und Kommunisten, Sozialistinnen und Sozialisten, die die Waffe erhoben gegen die zunehmende Gewalt des Austrofaschismus. Ihr Widerstand ist unvergessen.

Wien Brigittenau

In der Brigittenau startete um 13 Uhr eine Demonstration, zu welcher KPÖ, die KJÖ Wien, KOMintern, der GLB und Junge Linke Wien eingeladen hatten.
Vom Maria-Restituta-Platz über den Gerlhof bis zu unserem alten Parteihaus am Höchstädtplatz zog die Demonstration. In den Redebeiträgen wurde der Bedeutung des Aufstandes, die Geschichte der Verfolgung und Ermordung und der Rolle der Kommunist:innen erinnert. An der Gedenktafel im Gerlhof trafen wir auf die Kundgebung der SPÖ, wo wir gemeinsam das Lied der Arbeit anstimmten.

Wien Ottakring

Rund 300 Personen gedachten bei der gestrigen Demonstration in Ottakring der Kämpfer:innen des 12. Februar 1934. Aufgerufen hat ein breites antifaschistisches Bündnis – zentrale Forderung war, der 12. Februar soll ein gesetzlicher Feiertag werden.
Landessprecher Didi Zach führte in einer relativ kurzen Rede aus, dass der Versuch, sich der Etablierung des Austrofaschismus zu widersetzen, von enormer Bedeutung für den antifaschistischen Kampf in ganz Europa war, da sowohl die Kämpfer:innen der Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg wie auch der Widerstand gegen den NS-Faschismus vom Kampfeswillen der Februarkämpfer:innen inspiriert und motiviert war.

 

Wien Meidling

Anlässlich des 12. Februars haben wir heute in Wien an mehreren Orten Wiens den mutigen Kämpfer:innen gegen den Austrofaschismus gedacht. Ihr Einsatz im Kampf für die Freiheit ist ebenso unvergessen wie ihr Opfer. In Meidling haben wir deshalb um 10 Uhr vor der Gedenktafel an der Edelsinnstraße 8 eine Gedenkveranstaltung organisiert und Blumen niedergelegt.

Tobias Schweiger: »Jedes Gespräch zeigt, dass das Vertrauen in die KLS der langjährigen Arbeit zu verdanken ist.«

Im Spätsommer 2022 hat die KLS in Krems bei den Gemeinderatswahlen ein drittes Mandat dazugewonnen. Tobias Schweiger berichtet in einer Reportage über den Wahlkampf vor Ort. Ein Artikel aus der VOLKSSTIMME.

Krems, 20. Oktober 2022

Wahlsonntag in Krems. Viele haben sich am Wahlabend in der KPÖ-Bezirksleitung versammelt und warten gespannt auf die ersten Auszählungsergebnisse aus dem Rathaus. Die Meldungen nach dem Schließen der Wahllokale sind vielversprechend und nach ein paar Stunden ist klar: Die Kremser Linke Stadtbewegung (KLS) gewinnt fast zwei Prozent dazu und erzielt damit das beste Ergebnis seit 1962. Die Freude ist riesig. Alle sind sichtlich gerührt. Eine dritte rote Fahne wird aus dem Fenster gehisst. Für jedes Mandat eine. In der Fußgängerzone von Krems wehen sie im Abendlicht.

Wer mit offenen Ohren durch die Stadt geht, hört viel von den Mandataren der KLS. Ein paar junge Menschen gehen am Wahlkampfstand vorbei. Einer nimmt sich im Vorbeigehen ein Feuerzeug mit. Seinen Freund:innen erklärt er: »Das sind die Einzigen, die es wirklich interessiert.« Auch in den Cafes rundherum ist die KLS Gesprächsthema. Viele steuern direkt den Stand an. Nikolaus »Niki« Lackner, Gemeinderat und Koch in einem Restaurant, lädt sie von weitem ein: »Servus! Komm, setz dich kurz her. Heute gibts Käferbohnengulasch, ist vegan, nur der Liebstöcklrahm nicht.« Viele herzliche Umarmungen später wird er sagen, dass es sehr schön ist, Politik und Küche zu verbinden. »Weißt du, wenn du jemandem etwas Gutes zu Essen machst, dann gehen auch die Ohren auf. Man schmeckt, dass mir das wichtig ist, und dabei reden wir”. Sein Erkennungsmerkmal: Eine dunkelrote Küchenuniform und eine Kappe. Am Stand treffen sich langjährige Freund:innen, politische Mitbewerber:innen, Tourist:innen, Passant:innen und Einwohner:innen Krems’ über alle Klassengrenzen hinweg. Obdachlose und Geflüchtete finden ihren Weg zum Stand ebenso wie die Mitarbeiter:innen der Stadtverwaltung und werden herzlich begrüßt und bewirtet.  

Das durch die politische Arbeit der letzten Jahre geschaffene Vertrauen ist am Stand erlebbar. Die KLS ist seit 1945 im Kremser Gemeinderat vertreten. Insgesamt 32 Jahre war Franz Kral – lange als Einzelkämpfer – dort Gemeinderat. Auf ihn kommt auch immer noch das Gespräch auf der Straße. Dabei ist er seit 2016 nicht mehr Gemeinderat. Zwischen 1997 und 2002 war die KLS nicht im Stadtparlament vertreten. Doch sie kehrte zurück. Das kurzzeitige Herausfallen war der Startpunkt für Wolfgang Mahrer, den bekannten Gemeinderat und Vorsitzenden des Kontrollausschusses der Stadt. Er war früher Geschäftsführer von Kraus & Co, eine Firma spezialisiert auf den Handel mit den sozialistischen Ländern. Heute lebt er für die Kremser Politik und Kultur und ist ein wichtiger Grund für das stetige Wachstum der KLS in den letzten Perioden. 

Zum ersten Mal treffe ich ihn in seinem Heimatbezirk Egelsee. Dieser Teil von Krems liegt schon auf dem Hochplateau über der Donau, Heurigen prägen den heimeligen Ort. Dort finden wir einen Tisch, die Wirtin führt unsere Gruppe dorthin. Sie stützt sich auf den Tisch, beugt sich vor und mustert jeden von uns. »Wisst ihr, der Wolfgang, der ist ein Freund. Ich hab wie eine Löwin für meine Tochter gekämpft. So bin ich. Der Wolfgang hat geholfen, dass ich mein Recht auf Unterstützung bekomme. Sonst wäre das nicht gegangen.« Er lächelt und ergänzt knapp: »Das haben wir geschafft.« Die Begrüßung geht ins Bestellen über. Später erzählt er uns von seiner Mutter, die die ersten Schulen in Krems nach dem Krieg gegründet hat. Dafür hat sie sich eine Kaserne von der Roten Armee organisiert. Zum Kommandeur soll sie gesagt haben. “Wenn ihr Krieg wollt, braucht ihr Kasernen. Wenn ihr Frieden wollt, dann braucht ihr Schulen”. Sein Vater war im Widerstand in der Wehrmacht aktiv. Die Erinnerung an seine Eltern hält Wolfgang Mahrer hoch. Die Geschichte seines Vaters lässt sich in der Erzählung »Die Bora« nachlesen. 

In den letzten Jahren ist der KLS in Krems einiges gelungen. Ein erfolgreicher Antrag zur Verhinderung von Mieten-Teuerung, zwei Bankomaten in Stein, Gebührenbremse oder der Erhalt von Mieterschutzwohnungen, die einem Hotel zum Opfer fallen sollten. Dazu gehört auch seit Jahrzehnten  die Unterstützung der Kultur Mitte, einem überparteilichen Kulturverein, der in den Räumen der KPÖ-Bezirksleitung regelmäßig Ausstellungen und Veranstaltungen organisiert. Und mit den Kremser Nachrichten erhalten alle Kremser Haushalte auch abseits der Wahl Informationen aus dem Gemeinderat. Die KLS hat ihre eigenen Medien, und die werden auch gelesen. »Ist der Wolfgang da? Ich wollt mit ihm über seinen Artikel zur Sache GEDESAG reden. Das war sehr gut.« Die GEDESAG – Gemeinnützige Donau- Ennstaler Siedlungs- Aktiengesellschaft – hält viele Wohnungen in Krems. Die ÖVP hatte sich für ihr Parteilokal dort Sonderrechte herausgeholt, während andere Mieter:innen höhere Kosten als notwendig zu tragen hatten. Das brachte Wolfgang Mahrer ans Licht. 

Aber trotz dieser festen Verankerung in der Stadt war unklar, wie die Wahl ausgeht. Denn es hat sich viel verändert seit der letzten Wahl. 4.000 Wahlberechtigte weniger als 2017, das sind 17% weniger. Das kommt durch eine Wahlrechtsreform, die Zweitwohnsitze nicht mehr als Wahlberechtigte führt. Die Wahlbeteiligung sank zusätzlich von 65% auf 57% ab. Und die absolute Stimmenverteilung hat es in sich. Die SPÖ verlor in absoluten Stimmen über 35% ihrer Wähler:innen, die ÖVP sogar 36%, die FPÖ etwa 30% und die Grünen verloren über jede vierte Wählerin. Die KLS dagegen erhielt fast genauso viele Stimmen wie bei der letzten Wahl. Damit ist sie die einzige bisher im Gemeinderat vertretene Partei, die ihre Wählerbasis halten und erneuern konnte. Im Bezirk Lerchenfeld mit dem stärksten Rückgang der Wahlbeteiligung konnte die KLS ihre Stimmenzahl mehr als verdoppeln. Im traditionellen Kremser Arbeiter:innenbezirk ist das ein großer Erfolg.

Ich war in diesem Wahlkampf oft in Krems. Jedes Gespräch mit Leuten zeigt, dass es der langjährigen Arbeit zu verdanken ist, wie viel Vertrauen der KLS entgegenkommt. Aber hinter einem erfolgreichen Wahlkampf stehen viel mehr Menschen. Ohne die vielen Stunden der KPÖ-Landessprecherin Christiane Maringer wäre vieles nicht so rund gelaufen. Tagelang saß sie über den Artikeln der Kremser Nachrichten, dem Wahlkampfmaterial, den Bestellungen. Und auch viele Aktive der KLS haben neue Ideen eingebracht, neue Orte erschlossen und so erzählen können, auf welcher Arbeit die zukünftigen Ziele der KLS aufbauen. Um die 30 Menschen aus verschiedenen Bundesländern waren zusätzlich da, um mitzuhelfen, diese Geschichte weiterzutragen. 

Und während bei jedem Stand Aktive in der Stadt verteilen, Flyer in Postkästen tragen oder Tiefgaragen mit Material versorgen, hören die beiden zu oder erzählen, was in der Stadtpolitik passiert. »In Egelsee haben wir mehr Stimmen als die FPÖ«, erklärt uns Wolfgang Mahrer sichtlich stolz. Egelsee ist sehr ländlich geprägt, obwohl es zu Krems gehört. Eine Passantin grüßt freundlich zum Stand rüber. Ein paar Minuten später kehrt sie zurück. In der Hand ein Sackerl mit Schokoladenherzen. »Für einen Politiker mit Herz« sagt sie. 

Später am Wahlabend tritt der Bürgermeister im Rathaus vor die wartende Menge. Er verkündet das vorläufige Endergebnis. Nach der Mandatsverteilung gefragt, liest er auch diese vorläufig vor. »KLS: Drei bis Vier«. Nachrichten werden auf die Wahlfeier geschickt. Niemand kann es richtig fassen. Alle liegen sich in den Armen. Die Freudenrede von Nikolaus Lackner wird von zahlreichen Gratulationsnachrichten unterbrochen. Am Ende sind es drei Mandate geworden. Ein großartiges Ergebnis. 

Das dritte Mandat geht an Ronny Weßling. Er lebt seit vier Jahren in Krems. Beruflich ist er in der 3D-Branche selbstständig tätig. In seiner Vorstellung nennt er viele Themen, die ihm wichtig sind. Soziale Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit, Feminismus und Klima. So kam der parteiunabhängige Aktivist zur KLS. Deren Einsatz für die Kremser*innen hat ihn beeindruckt. So begann er sich zu engagieren und half mit anderen mit, den Wahlkampf zu organisieren. Auch dieser neue Schwung hat zum Erfolg beigetragen. 

Der Erfolg in Krems zeigt viele Dinge. Langjähriges und ehrliches Engagement tragen Früchte. Verankerung, wo man wohnt, ist ein wichtiger Baustein. Zugänglichkeit und Herzlichkeit können auch antikommunistische Vorurteile überwinden. Der Erfolg der KLS beruht auf dem genauen Zuhören und dem Einsatz gegen individuelle und kollektive Probleme. Die Probleme werden nicht nur benannt, sondern so lange begleitet, bis sich etwas verbessert hat. Der Erfolg beruht aber auch auf der Fähigkeit, mit Menschen zusammenzuarbeiten, wo es geteilte Interessen gibt. Sei es mit der Kultur Mitte, sei es mit Bewegungen wie Fridays for Future in Krems. Die KLS lebt eine Kultur des Miteinanders. Nicht von oben herab, sondern sie macht die Probleme der anderen zu eigenen oder zu gemeinsamen.

Nikolaus Lackner, der rote Koch von Krems kochte jeden Freitag in der Fußgängerzone von Krems.

Die Spitzenkandidaten im Wahlkampf. Rechts Manfred Mahrer, Links Nikolaus Lackner.

Der Wahlkampfstand in Aktion.

Tobias Schweiger (33) ist Bundessprecher der KPÖ.