GEGEN DAS VERGESSEN: Dass Auschwitz nicht noch einmal sei.

(25.1.2021)

Anlässlich des bevorstehenden Jahrestags der Befreiung des KZ Auschwitz durch die Rote Armee, hat das Auschwitz-Komitee unter dem Titel »GEGEN DAS VERGESSEN: Dass Auschwitz nicht noch einmal sei« am Sonntag, dem 24. Jänner, zu einer Onlineveranstal­tung eingeladen.

Mit dabei waren Beiträge von Esther Bejarano (Überlebende der KZ Auschwitz und Ravensbrück, Ehrenpräsidentin des VVN-BDA), Éva Fahidi-Pusztai (Überlebende der KZ Auschwitz und Buchenwald), Eva Stocker (Regisseurin), Sylvia Wempner (Schauspielerin) und Rolf Becker (Schauspieler und Gewerkschafter). Die Veranstaltung ist auf YouTube nachzusehen.

Wir dokumentieren, wie folgt, die Gedenkworte von Esther Bejarano:


2020 war ein furchtbares, ein schlimmes Jahr!

Es begann mit Morddrohungen gegen den Pianisten Egon Levin, der heute in Berlin mit dem Internationalen Auschwitz Komitee ein Konzert veranstaltet. Es ging weiter mit dem antisemitischen und rassistischen Attentat in Halle. Unsere Antifa Gruppen werden drangsaliert – dem Bundesverband der VVN-BDA ist immer noch die Gemeinnützigkeit aberkannt.

Maßloser Egoismus, fehlendes Mitgefühl von Menschen in Not, selbst das Zeichen der Solidarität, das Tragen von Mund-Nase-Masken zum Schutze ihrer Mitmenschen wird von manchen als Freiheitsberaubung gewertet. Die Wissen nicht wovon sie reden.

Der Kit, der unsere Gesellschaft zusammenhält, ist bröckelig. Neue und alte Nazis und Rassisten versuchen eine Pogromstimmung heraufzubeschwören. Leider auch oft im Bündnis mit sogenannten bürgerlichen Milieus und Gruppierungen, die sich als »staatstragend« bezeichnen. Gegenwertig ganz nah sind hier die Erinnerung an Hoyersverda, Rostock-Lichtenhagen, Mölln und Solingen. Aus Verschwörungsi­deologien werden sehr leicht Vernichtungsphan­tasien. Und aus solchen Worten auch Taten.

Uns allen ist doch klar, Kriege und Unterdrückung bedeuten Vertreibung und Flucht. Jede Waffe, die in Krisenregionen verkauft wird, schafft neues Leid, neue Vertreibungen und so auch neue Flüchtlinge auf der ganzen Welt.

Die Welt neu denken, das fordern wir seit vielen Jahrzehnten in unserem Kampf gegen Antismeitismus, Rassismus und Antiziganismus. Den Faschismus an seiner Wurzel zu packen, ganz frei und offen die Probleme anzusprechen und dennoch voller Respekt vor der Würdigung und Freiheit der Anderen. Das ist eine der großen Aufgaben, an denen die Gesellschaft auf Gedeih und Verderben nicht scheitern darf. Dazu gehört auch das Verbot aller NS Nachvolgeorga­nisationen, ihrer Symbole und Schriften.

Damit könnten wir alle sofort anfangen: Ein Weg dahin, der 8. Mai muss ein Feiertag werden. Ein Tag an dem die Befreiung der Menschen vom NS Regime gefeiert werden kann. Von uns allen gemeinsam. Und wer Bedenken hat, ob gerade auch Deutsche diesen Tag feierlich begehen sollten, der stelle sich vor, wie würde die Welt heute aussehen, wenn die Nazis gewonnen hätten.

Ich habe vor einem Jahr gesagt am 8. Mai wäre dann Gelegenheit über die großen Hoffnungen der Menschen nachzudenken. Über Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Schwesterlichkeit. Dafür zu kämpfen, lohnt es sich.

Es bleibt noch viel zu tun. Seid dabei, habt Mut und Geduld! Und bleibt gesund, ihr Guten! Eure Esther!

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