KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Patrice Lumumba in Brüssel, 1960 (Bildquelle: Wikimedia, Harry Pot / CC0)

BlackLivesMatter: Patrice Lumumba

Von: Elisa Stein (2.7.2020)

 Heute vor 95 Jahren wurde der kongolesische Unabhängigkeit­skämpfer Patrice Lumumba geboren.

Ein Kommentar von Elisa Stein

Am 2. Juli 1925 wurde er als Tasumbu Tawosa in der südlichen Provinz Kasai (auch: Diamantenprovinz) geboren, später, als politisch Aktiver, wurde er Patrice Lumumba (»Aufrührerische Massen«) genannt. Als Sohn eines Bauern, nach Abschluss des kolonialen Schulwesens, schaffte er eine Ausbildung für den Postdienst. 1954 erhielt er die Carte d'Immatriculation; die Bedingungen dafür hatte er erfüllt: der Polygamie und der Hexerei abgeschworen, das Lesen und und das Schreiben sowie das Essen mit Messer und Gabel beherrscht. Bis zur »Unabhängigkeit« von der belgischen Kolonialverwaltung 1960 gab es ganze 1.500 auserwählte Kongolesen, die diese Bescheinigung ihr Eigen nennen konnten. Patrice Lumumba betrachtete die staatliche Eigenständigkeit als Recht der Kongolesen, gründete eine eigene Partei, das MNC, Mouvement National Congolais. Kaum dreißig Afrikaner hatten zu dieser Zeit im Kongo einen Hochschulabschluss, unter den 5.000 leitenden Angestellten im öffentlichen Dienst gab es drei Afrikaner. Die übrige afrikanische Bevölkerung ersetzte Arbeits- und Lasttiere, und das seit der Afrika- oder auch Kongo-Konferenz, die 1884/85 in Berlin stattfand. Ab 30. April 1885 hieß der Initiator der Konferenz, Leopold II., »Souverän des Freistaates Kongo«. Dieser war mit seinen zwei Millionen Quadratkilometern achtzig mal so groß wie das »Mutterland« Belgien. Das extrem brutale belgische Kolonialregime brachte zehn bis fünfzehn Millionen Einwohnern den Tod, Enteignungen von Grund und Boden, als gängige Strafen bei Nichterfüllung von Arbeitszielen z. B. bei der Kautschukgewinnung, Hand- und Fuss-Abhacken, auch bei Kleinkindern.

Bei der Unabhängigkeit­sfeier am 30. Juni 1960 erklärte der belgische König Bauduin der neuen kongolesischen Regierung und den anderen Anwesenden: »Die Unabhängigkeit des Kongo stellt den Höhepunkt des Werkes dar, welches vom Genie König Leopolds II. entworfen, von ihm mit zähem Mut umgesetzt …« usw. usw. Mehr brauchte er eigentlich nicht zu sagen. Lumumba hatte eine Antwort-Rede parat, als Kontrast zu königlich-westlich-weissarrogant. Seine Anhänger waren begeistert, der König, die belgischen Honoratioren, die amerikanische Regierung unter Präsident Eisenhower, die CIA, Konzernherren, die Konkurrenten im eigenen Land in Höchst-Alarm-Bereitschaft.

Am 17. Jänner 1961 wurde Lumumba mit zwei seiner Vertrauensleute gefoltert, erschossen, verscharrt, wieder ausgegraben, zerteilt in Säurebad aufgelöst, die restlichen Knochen verbrannt und in alle Winde zerstreut. Der CIA-Chefagent Devlin, am CIAProject »Wizard« beteiligt, kehrte 1974 in den Kongo zurück. Und zwar als Vertreter des weltgrößten Diamantenkonzerns De Beers Diamond.

Diese Woche entschuldigte sich der belgische König für die Untaten Leopold II., seines Vorvorgängers. #Black lives matter, die Tausenden Demonstrierenden in Belgien, haben so einiges aufgewirbelt und in Erinnerung gebracht, worauf viele Leopold-Denkmäler mit antirassistischen Parolen versehen wurden. Auch Behörden haben reagiert, in Antwerpen z. B. wurde eine Statue Leopolds II. entfernt und ins Depot eines örtlichen Museums verfrachtet.

Artikel von Elisa Stein, kpoe.at, 2.7.2020


Volksstimme - Politik & Kultur - Zwischenrufe links

Aktuelles:


ZVPÖ: Pensionsanpassungen sind keine Geschenke der Regierung an PensionistenInnen
(21.10.2020)

...mehr


Bolivien: Die Europäische Linke begrüßt den Wahlsieg der MAS
(20.10.2020)

...mehr


2,65 Milliarden Euro für das Bundesheer - eine sinnvolle Investition?
(19.10.2020)

...mehr


GLB-Bundeskonferenz wählte neuen Vorsitzenden
(19.10.2020)

...mehr


Solidarität mit den MAN-SteyrerarbeiterInnen
(15.10.2020)

...mehr