KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Frauenhetz: Sechs Thesen zu feministischer Bildung

(13.11.2012)

Input für den Workshop 'Bildung und Geschlecht', Internationale Bildungskonferenz, 19. - 20. Oktober 2012, Wien.
[Download als pdf: hier]

Frauenhetz

Credo: Es braucht feministische Frauenräume und geschlechterkri­tische Bildung, die außerhalb jeglichen Mainstreams sich verorten, (selbst-) kritisches Urteilsvermögen fördern und eine Differenz zum neoliberalistischen Assimilationssystem in Denken und Handeln darstellen und anbieten. Es braucht Bewusstseinsbildung zu Widerspruch, Solidarität und Widerstand.

Für Frauen hat Bildung letztendlich bedeutet, daß sie einer intensiven Invasion des Bewußtseins durch systematisch entwickelte Interpretationen ausgesetzt waren. Interpretationen von Spezialisten wie Psychologen, Historikern und Soziologen, daß sie aber auch mit Kurzgeschichten, Romanen und anderer Literatur berieselt wurden, die unsere Träume, Wünsche, Visionen und Phantasien formen. Der die Gesellschaft durchdringende ideologische Prozeß beinhaltet besonders für die relativ Gebildeten eine ‚Tiefenorgani­sation‘ des Bewußtseins … die Ausdehnung des Imperialismus der ‚Rationalität‘ auf die persönliche Erfahrung. (Dorothy E. Smith)

In einer Zeit, in der Widersprüche verwaltet und nicht ausgehandelt werden, ist es evident das westliche Modell ‚Demokratie’ zu befragen: es konstituiert/e sich auf Kosten der anderen Weltteile und über den Ausschluss aller Fremden und Frauen.

In einem Land, in dem Bildung nicht nur den ideologischen Zankapfel der Parteien, nicht nur den Sparstrumpf der Regierung, sondern Politische Bildung ein Stiefkind der Bildungsinsti­tutionen darstellt, ist es evident die Frage nach Orten eines Demokratielernens öffentlich zu stellen. Demokratie braucht auf Mikro-, Meso- und Makroebenen selbst/kritische Bildung.

Eine Kritik der Geschlechterver­hältnisse – und eine kritische Bildungspraxis bezogen auf diese Verhältnisse – ist der Anspruch emanzipatorischer (feministischer) Bildung. Verbunden ist die Kritik, diese kritische Praxis mit einem Bewusstsein über die Gewordenheit und Veränderbarkeit dieser Verhältnisse. Frauen müssen ein historisches Gedächtnis bewahren. „Jede Frauengeneration, die gewonnene Rechte nicht verteidigt hat und neue nicht erobern wollte, hat schon ein Stück von ihnen verloren.“ (Marielouise Janssen-Jurreit).

Feministische Bildung lässt sich im widersprüchlichen Feld von Gleichheit, Differenz, (De-) Konstruktion und Queernes verorten. Sie tritt an, soziale Ungleichheiten (durch Geschlecht, Herkunft, Milieu, Sexualität, Generation, Behinderung, Armut) zu thematisieren und Diskriminierun­gen/Ungerechtig­keiten – auch in der Vermittlungssi­tuation selbst! – entgegen zu wirken. Dabei fördert sie Entwicklungen, Stärkung und das Selbstbewusstsein der Beteiligten ebenso wie deren Selbstkritik, Selbstdistanzierung und Selbstüberschre­itung.

Feministische Bildung arbeitet mit dem Verhältnis von Lernen von Unerwartetem und Verlernen von Ideologien und Herrschaftswissen. Es gibt nicht die eine richtige Wissenskultur, die allen anderen überlegen ist! Wissen und Wahrheit sind durchzogen von Macht, Kapital und Patriarchat (mind-fucking/ Gayatri Spivak); insofern muss der Umgang mit vorgegebenen Wissensinhalten seitens der ‚Lehrenden’ und seitens der ‚Lernenden’ sich immer kritisch gestalten. Die Position der Vermittlerin hält dabei die Waage zwischen ‚Autorität’/Haltung und Respekt vor Differenzen der anderen.

Feministische Bildung erschöpft sich gerade nicht in einer Akkumulation von bloß individuell verwertbarem Wissen (Sammeln unzähliger Zertifikate; akademische Module als Schubladenwissen), sondern setzt auf kollektive Lehr- und Lernprozesse – egal um welche Wissensarten es jeweils geht –, die Persönliches mit Politischem, das Subjektive mit dem Allgemeinen verbinden. Das bedeutet auch, die Teilnehmenden nicht nur ‚abzuholen, wo sie sind’, denn das impliziert eine arrogante Positionierung der Lehrenden und die Gefahr des ‚dumm im Regen stehen lassens’. Feministische Bildung ist Entfremdung von Unmittelbarkeiten, bedeutet auch Emanzipation von sich selbst.

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