KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Pionier der österreichischen ArbeiterInnenbewegung

(21.1.2013)

Karl Steinhardt (1875–1963)

Am 21. Jänner jährt sich zum 50. Mal der Todestag jenes Mannes, der 1918 an der Wiege der KPÖ stand und dessen Auftreten am 1. Weltkongress der Kommunistischen Internationale für deren sofortige Gründung ausschlaggebend war: Karl Steinhardt.

Der 1875 geborene Steinhardt ist ein Pionier der österreichischen ArbeiterInnen­bewegung: 1890 nahm er an der ersten in Wien ausgerichteten Maidemonstration teil, im September 1893 begegnete er Friedrich Engels bei dessen einzigen Besuch in Wien. 1891 organisierte der Buchdruckerlehrling eine Lehrlingsdemon­stration der Fachschule für Buchdrucker anlässlich des „Internationalen Kampftages der Arbeiterklasse“. Nach einigen Jahren der Wanderschaft lebte Steinhardt von 1899 bis 1913 in Hamburg, wo er in der SPD und der Buchdruckerge­werkschaft aktiv war.

Aus politischen Gründen ausgewiesen, kehrte Steinhardt 1913 nach Wien zurück, wo er 1916 wegen Antikriegspro­paganda aus der SDAPÖ ausgeschlossen wurde. 1917 beteiligte er sich an der Gründung einer Gruppe von ausgeschlossenen und ausgetretenen Sozialisten, die auch im Jännerstreik des Jahres 1918 in Erscheinung trat. Als im November 1918 die KP(D)Ö von Angehörigen verschiedener linksoppositi­oneller Gruppierungen gegründet wurde, spielten Steinhardt und seine „Kommunistische Gruppe“ die zentrale Rolle neben der Gruppe um Elfriede Friedländer-Eisler und Paul Friedländer.

Zu einer Person der österreichischen Zeitgeschichte wurde Steinhardt auch durch sein Auftreten am 12. November 1918, als die österreichische Republik proklamiert wurde und er vor dem Parlament eine Rede hielt. Am 1. Parteitag der KPDÖ in Wien am 9. Februar 1919 wurde Steinhardt zum Generalsekretär der Partei gewählt und zum Delegierten zum bevorstehenden internationalen Kongress der kommunistischen revolutionären Parteien und Gruppierungen in Moskau bestimmt.

Nach einer abenteuerlichen Reise, die ihn durch die Fronten des Bürgerkriegs führte, traf Steinhardt am 3. März 1919 in Moskau ein, wo bereits am Vortag die Konferenz eröffnet worden war. Zwar war es Lenins Absicht, im Rahmen dieses Kongresses eine neue „Internationale“ ins Leben zu rufen, ein diesbezüglicher Antrag der Bolschewiki wurde jedoch aufgrund des Delegierten der KPD zurückgezogen. Steinhardts Eintreffen brachte den Umschwung: Er hielt eine flammende Rede, in der er in enthusiastischen Worten über die österreichische Arbeiterbewegung und die politische Entwicklung in Österreich berichtete. Nach einer Unterredung mit Lenin brachte er am nächsten Tag den österreichischen Antrag auf Gründung der Kommunistischen Internationale ein. Daraufhin wurde diese Frage neu aufgeworfen und am 4. Mai 1919 der einstimmige Beschluss gefasst, sich als Gründungskongress der Kommunistischen Internationale zu konstituieren. Aufgrund dieser Episode, die die entscheidende Wendung des Konferenzverlaufs markiert, wurde Steinhardt auch zu einem Stück internationaler ArbeiterInnen­bewegung.

Steinhardt war auch Delegierter am 2. Weltkongress der Kommunistischen Internationale im Juli/August 1920, wo er zum Mitglied des Exekutivkomitees der Komintern gewählt wurde. In dieser Funktion und als Parteienvertreter der KPÖ lebte Steinhardt bis Juli 1921 in Moskau, wo er am 3. Weltkongress im Juni/Juli 1921 erneut als Delegierter teilnahm.

1921 ging Steinhardt nach Deutschland, wer er sowohl in Bremen als auch in Hamburg als Korrektor und Redakteur der kommunistischen Parteizeitungen tätig war. Aus Deutschland ausgewiesen, kehrte er 1925 nach Österreich zurück, wo er bis 1928 für die Handelsvertretung der UdSSR arbeitete. Danach folgten lange Jahre der Arbeitslosigkeit. 1938 und 1943 wurde Steinhardt zwei Mal kurzzeitig von der Gestapo festgenommen, drei Mal fanden in seiner Wohnung Hausdurchsuchungen statt. Bis 1945 war er wieder in seinem erlernten Beruf als Buchdrucker tätig.

Als die Parteiführung der KPÖ im April 1945 aus Moskau zurückkehrte, war Steinhardt bereits wieder im Rahmen der Buchdruckerge­werkschaft aktiv geworden. In Parteienverhan­dlungen wurde er von seiner Partei als Vizebürgermeister der Stadt Wien nominiert. In der ersten Wiener Stadtverwaltung nach der Befreiung durch die Rote Armee erhielt er das Ressort für Wohlfahrtswesen, womit er für die Kinder- und Erwachsenenfürsorge verantwortlich wurde. Steinhardt war in den Monaten seiner Amtstätigkeit bis Februar 1946 mit ganzer Kraft im Dienst der Werktätigen aktiv und erfreute sich aufgrund seines Engagements und Idealismus großer Wertschätzung über KPÖ-Kreise hinaus.

Nach den Novemberwahlen des Jahres 1945 war Steinhardt bis 1949 Abgeordneter der KPÖ zum Wiener Landtag und Gemeinderat. Am 13. Parteitag im April 1946 wurde er ins Zentralkomitee der Partei gewählt, dem er bis 1951 angehörte. Zudem amtierte er als Wiener Obmann der Kinder- und Elternorganisation „Kinderland“. Als Pionier der österreichischen ArbeiterInnen­bewegung und Parteiveteran war er gern gesehener Gast bei Parteitagen, Maidemonstrationen und offiziellen Parteifeierlichke­iten. Karl Steinhardt ist am 21. Jänner 1963 in Wien gestorben und liegt am Neustifter Friedhof begraben.

Die Alfred Klahr Gesellschaft bringt zum 50. Todestag von Karl Steinhardt dessen 1950 geschriebene „Lebenserinnerungen eines Wiener Arbeiters“ zum Preis von 15 Euro (exkl. Versandkosten) heraus.

Bestellungen unter klahr.gesellschaft@aon.at .

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