KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Genosse Hans Kalt ist am 1.März in Wien gestorben.

(11.3.2009)

Hans Kalt 1922 –2009.

Wir verabschieden uns am Freitag, dem 13. März um 11 Uhr 30, in Wien 11., Feuerhalle Simmering. – Mit Genossen Hans Kalt verliert die KPÖ einen ihrer führenden Funktionäre, Journalisten, Ökonomen und Publizisten.

Geboren 1922 entstammte Hans Kalt einer Wiener Neustädter sozialistischen Familie, in der er früh mit den Grundgedanken des Marxismus vertraut wurde. 1941 scharte er als 19jähriger einen illegalen kommunistischen Zirkel um sich und spielte nach der Befreiung eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau der KPÖ in seiner Heimatstadt.

Aber bereits 1946 entsandte ihn die Partei nach Kärnten, wo er die Leitung der dortigen Tageszeitung der KPÖ, den „Volkswillen“, und später die Funktion des Landessekretärs übernahm.

Von 1964 bis 1970 war Hans Kalt Landtagsabgeor­dneter der KPÖ im Kärntner Landtag.

Seit 1961 gehörte er dem Zentralkomittee der KPÖ an, das ihn 1969 zunächst als ZK-Sekretär und in das Politische Büro wählte und wenig später zum Chefredakteur des Zentralorgans „Volksstimme“ bestellte, was die Übersiedelung nach Wien bedingte.

Nach dem Tod von Walter Wachs übernahm Hans Kalt 1982 die Leitung der Finanzkommission der Partei und schied deshalb als Chefredakteur der „Volksstimme“ aus. Bis 1990 gehörte er dem Zentralkomittee und dem Politischen Büro an.

In dieser Zeit begann Hans Kalt mit der Publikation grundsätzlicher ökonomischer Studien. Bereits Anfang der 70er Jahre befaßte er sich mit der Entwicklung des staatsmonopolis­tischen Kapitalismus in Österreich und widmete sich diesem Thema in theoretischen Konferenzen und zahlreichen Beiträgen in „Weg und Ziel“. Früh erkannte Hans Kalt die Bedeutung der seit den 70er Jahren beschleunigten Akkumulation von Finanzkapital für die weitere krisenhafte Entwicklung des Kapitalismus. Seine diesbezüglichen Studien veröffentlichte er 1985 unter dem Titel „Das Finanzkapital in Österreich“ , „Ist die Wirtschaft noch zu steuern?“ (1993) und „Der große Raubzug – die strategische Wende des österreichischen Finanzkapitals“ (1995).

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der sozialistischen Länder Europas widmete sich Hans Kalt der Aufarbeitung der ökonomischen Ursachen des Zusammenbruchs. Kritische Anmerkungen zur Entwicklung des realen Sozialismus äußerte er – allerdings intern – bereits seit den 80er Jahren. Es erschienen seine Bücher „Neubeginn mit Marx“ (1993) und „Stalins langer Schatten – das Scheitern des sowjetischen Modells“ (1994).

Eine der Schlussfolgerungen Kalts bestand darin, eine politische Kultur abzulehnen, die den wissenschaftlichen Meinungsstreit politischer Zweckmäßigkeit unterordnet. Fragen der Demokratie maß er für eine künftige sozialistische Entwicklung zentrale Bedeutung bei: „Demokratie und persönliche Freiheitsrechte“, schrieb er, „sind nicht nur eine allgemeine humanistische Errungenschaft, nicht einmal nur eine gleich wichtige Voraussetzung für die Entwicklung einer sozialistischen Gesellschaft wie die Vergesellschaftung der wichtigen Produktionsmittel. Sie ist deren Lebenselement, ohne die eine sozialistische Entwicklung schließlich unmöglich wird.“

Ohne direkt in die damaligen programmatischen Debatten in der KPÖ einzugreifen, bildeten Hans Kalts Publikationen doch wichtige Beiträge zur Erneuerung der Partei und für die Überwindung dogmatischer Denkmuster.

Noch in den Jahren, als Hans Kalt schon von seiner Krankheit gezeichnet war, schrieb er über die Entwicklung der EU, über die Entwicklung der Kirche und über die sich anbahnende Finanzkrise.

Schon schwer krank, stellte sich Hans Kalt dem Raubzug der deutschen Regierung auf das Vermögen der KPÖ entgegen und stellte in stundenlangen Vernehmungen die von den deutschen Behörden aufgestellten bösartigen und ihren Zwecken dienenden Vermutungen und Behauptungen richtig. Nicht zuletzt seine beeindruckende Sachkenntnis vor Gericht und die Integrität seiner Persönlichkeit zwang schließlich das Oberverwaltun­gsgericht in Berlin, in seinem politisch motivierten und der deutschen Staatsräson untergeordneten Urteil auf jede sachliche und juristisch haltbare Begründung zu verzichten und die Enteignung der KPÖ mit Fiktionen zu unterlegen.

Das Leben Hans Kalts war in allen seinen Phasen seiner Partei, der österreichischen und internationalen Arbeiterbewegung gewidmet, an deren Fähigkeit, die Gesellschaft schließlich in sozialistische Richtung zu verändern, er nie zweifelte. So bleibt er in unserem Gedächtnis verankert.

Unser Beileid gilt seiner Frau Lydia und der ganzen Familie.

Bundesvorstand der KPÖ, Wiener Stadtleitung, Bezirksgruppe Favoriten

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