KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Rechenexempel oder die kleinen Leute sind immer die Verlierer

Von Herbert Fuxbauer (21.4.2015)

Ich habe vor kurzem unter alten Fotos und Briefen ein altes Postsparbuch meiner vor 14 Jahren verstorbenen Mutter gefunden. Im Sparbuch war der letzte Eintrag mit Poststempel – ja so etwas gab es damals - versehen. Datum 03.3.1998. Kontostand 535 Schilling. Bevor ich das Geld der Bank schenke, bin ich heute auf eine Postfiliale marschiert, um das Sparbüchl aufzulösen.

Am Postkassenschalter erklärt man mir, die Auflösung mache die BAWAG und die sind Gott sei Dank in jeder Postfiliale in einem Eck zuhause.

Zuerst ein Übertrag in ein neues Sparbuch, eines das auch in den Sparbuchdrucker paßt. Das ist gleich bis zur letzten Seite vollgeschrieben mit Zinsnachträgen und KESt-Abzügen. In der Mitte des zweiten Buches dann endlich das Guthaben zum heutigem Tag: 42,41 €. Losungswort paßt auch weil Mutter es vorsorglich es auf ein Zetterl im Sparbuch aufgeschrieben hat­te.

Nachdem ich mich identifiziert habe, darf ich über das Guthaben verfügen und das Sparbuch auflösen. Hierzu muß ich ein Formular ausfüllen, sozusagen einen Antrag stellen welcher in die Bank-Zentrale übermittelt und anschließend das Guthaben auf mein Konto überwiesen wird, danach die Löschung des Sparbuches. Dauer etwa eine Woche. Soviel um an 42 € zu kommen.

Schauen wir uns zunächst die Zahlen genauer an. Der Einfachheit halber rechnen wir nur mit Euro. Guthaben im März 1998 war 38,88 €, das Guthaben heute, nach 17 Jahren samt Zins und Zinseszins beträgt satte 42,41 €, ein Zuwachs von 3,53 € oder 9,08%. Dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Verzinsung von 0,53% .Gut, meine Mutter hätte sich auch an einem Fonds beteiligen, oder Miteigentümerin einer börsennotierten Aktiengesellschaft werden können, aber mit knapp 39 Euro? Da hätte sie schon etwa das 100 fache Vermögen gebraucht, hatte sie aber als kleine Rentnerin nicht.

Nehmen wir also an, Mutter hätte damals 3.880 € als reines Investment und Spekulationskapital frei verfügbar gehabt und nehmen wir an sie hätte damals mit dem Geld 55 Stück „DWS Aktien Strategie Deutschland“ Anteile gekauft.

Kurs im Jahr 2000 etwa 70€ je Anteilsschein, Kurs am 14.April 2015 356,62 €

Meine Mutter hätte also im selben Zeitraum aus 3.880 Euro 356,62×55 = 19.614,10 € gemacht. Zieht man davon die KESt ab, bleiben immer noch 15.680,58 oder 11.800 € Gewinn oder 304% Zinsen. Das entspricht einer Verzinsung mit Zinseszins von ca. 11,41% jährlich.

Dieses Beispiel zeigt sehr deutlich, wie durch Kapital und Finanzspekulation die Vermögen immer größer werden, die kleinen Leute die Angeschmierten bleiben und um ihr Dasein kämpfen müssen.

Sehr bescheiden mußte meine Mutter haushalten, keinen Luxus, geschweige denn eine Finanzspekulation, sie hatte einfach nicht das Geld dafür.

Ich werde mit den 42 € vom Postsparbuch Blumen kaufen und meiner Mutter aufs Grab legen.

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