KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Warum ich KPÖ wähle!

Von Claudia Hoffmann (26.6.2013)

Wie jeder Jugendliche dachte auch ich, dass ich mich gegen meine Eltern stellen kann und mein „eigenes“ Leben leben kann. Als junger Menschen sind wir alle die starken Revoluzzer und nichts, aber wirklich nichts kann uns aufhalten. Egal was unsere Eltern uns damals sagten, es war alles Mist und sie hatten prinzipiell unrecht!

So war auch ich. Also zog ich zu meiner „großen Liebe“

Ich hatte damals gerade mit meiner Lehre als Großhandelskauffrau angefangen. Eigentlich wollte ich Ärztin werden, warum auch sonst hätte ich mich mit dem Realgymnasium und der Sprache Latein gequält? Aber Pläne in dieser jugendlichen Dummheit sind oft zum scheitern verurteilt. Aber das ist eine andere Geschichte.....

So zog ich zu meinem Freund. Wir hatten eine Wohnung, die bestand lediglich aus 1 Küche und einem Wohnzimmer. Die Küche hatte gerade mal einen Kasten, einen Herd und eine Abwasch. Das Wohnzimmer war ca. 15 m² groß. Ich fand es „damals“ recht kuschelig. Alles war besser, als zu Hause zu wohnen. Jugendliches Denken eben.

Es war weder eine Dusche noch ein WC noch eine Heizung in dieser Wohnung. Das WC war ca 15m von der Wohnung entfernt, im Freien, unterteilt in 3 Wc´s, wovon jeder der Partein einen eigenen Schlüssel hatte.

Es gab nicht einmal warmes Wasser in dieser Wohnung. Es war ja auch kein Boiler da.

Somit mussten wir, wenn wir uns waschen wollten das Wasser am Herd wärmen und danach in die Abwasch schütten, damit wir uns mit einem Waschlappen waschen konnten. Daneben stand der Elektroheizstrah­ler, damit es nicht so kalt war.

Irgendwann mal hatten wir uns dann einen Boiler gekauft – besser gesagt, hab ich das von meinem Lehrgeld bezahlt. Damit wir zumindest warmes Wasser hatten. Ich glaube es war einer mit 25l Fassungsvermögen der unter der Abwasch montiert wurde. Somit war schon mal ein Problem gelöst.

Im Winter war es wirklich sehr kalt. Wir hingen zwischen Küche und Wohnzimmer eine dicke Decke auf, damit der Heizstrahler zumindest einen Raum warm hielt. Die Küche war saukalt.

Und das schrecklichste war – in der Nacht die Toilette zu besuchen. Das hieß nämlich anziehen, samt Schuhe – hinaus ins Freie – auf die kalte Toilette gehen – und den selben Weg wieder retour. Und das Tag für Tag. Es wurde kälter und kälter und kälter.......­.........

Das war genau vor 22 Jahren…und ich dachte immer die Welt würde sich verändern. Falsch gedacht! 

Jetzt, 22 Jahre danach habe ich beschlossen, den Weg Richtung Sozialberuf einzuschlagen. Ich möchte irgendwann DKGS werden, wenn schon das mit der Ärztin nichts wurde. Aber, wie so oft im Leben fängt man eben klein an. Also mache ich gerade die Ausbildung zur Heimhelferin, welche ich hoffentlich in einem Monat nach 9 Monaten absolvieren werde..

Heimhelferin wird ja bekanntlich als die bessere Putzfrau betitelt. Irrglaube.

Von Bettlägrigen , Dementen, bis hin zu Psychisch Kranken ist alles vorhanden. Und alle brauchen die selbe Hilfe. Der eine mehr, der andere weniger. Dazu gehört genauso die Körperpflege der Hilfsbedürftigen, die Korrespondenz mit den Angehörigen, die Kommunikation mit dem restlichen Team, das sinnvolle Ausnutzen der noch vorhandenen Ressourcen, die Motivation und die Hilfe, dass eigene Leben solange es geht, zu Hause zu verbringen. Und man wird mit dem Tod aber ebenso mit dem Glücklichsein konfrontiert.

Ich kann mich noch erinnern, als ich mit dem mobilen Praktikum angefangen habe. Man wurde ja schon seelisch vorbereitet auf das „Leben“ draußen. Das Leben, welches keiner so sieht. Allerdings – was sich manchmal hinter den Türen tatsächlich abspielt – da hilft sogar die seelische Vorbereitung nichts mehr.

Wir fuhren zu einer Dame. Ich nenne sie mal die Dame x – schon aus Datenschutzgründen. Alter 60 Jahre. Dame x hat angehende Demenz. War einmal Chefsekretärin eines großen Konzerns.

Als ich in Ihre Wohnung kam, hätte ich am liebsten vor lauter Elend umgedreht. Sie besaß einen Hund. Eine Wohnung, die aus 4 Zimmern bestand und einem großen Vorzimmer. Ich schaute mich ein wenig um und erschrak, nachdem die Wände voll mit kleinen Fliegen besetzt waren. Die Küche ein einziges Chaos.

Nach einem längeren Gespräch erfuhr ich ihre Geschichte, sofern sie noch wusste, was sie erzählte.

3 Wochen später waren wir wieder bei dieser Dame. Sie erzählte uns, dass ihre Glühbirne defekt wäre und bat uns, diese zu tauschen. Auch das taten wir, schließlich will man die Dame nicht im dunklen sitzen lassen.

Eigenartigerweise funktionierte auch die neue nicht. Nach kurzem hin und her fiel uns auf, dass in keinem der Räume Licht brannte. Der Kühlschrank nicht mehr funktionierte, der E-Herd nicht und auch keine Mikrowelle.

Kurzer Blick – selber Gedanke!

Wir klopften beim Nachbarn an und wollten den Schlüssel für den Stromzählerkasten haben. Dieser war so freundlich und sperrte für uns diesen auf. Und, was sahen unsere Augen? Der Stromanbieter hat sich am Stromzähler verewigt.

Also riefen wir beim dem sogenannten Stromanbieter an und erkundigten uns. Man erzähle uns, das die Rechnung nicht beglichen wurde, somit wurde der Strom abgedreht. Man nannte uns eine Summe und Herr y versicherte uns, wenn wir diese heute ( es war ein Donnerstag) einzahlen und die Bestätigung faxen, der Strom morgen sofort wieder aufgedreht wird.

Gesagt getan. Frau x suchte ihre Wohnung nach Geld ab, fand dann lose herumliegend 230 Euro.(Wobei sicherlich noch mehr zu finden gewesen wäre).....Mit diesem Geld und mit Frau x fuhren wir auf die Bank, der Zahlschein wurde eingezahlt und die Bank war sogar noch so freundlich und faxte unentgeltlich den Beleg an den Stromanbieter.

Mit Herrn y haben wir uns wieder in Verbindung gesetzt, welche uns bestätigte, das Fax erhalten zu haben und versicherte uns, der Strom würde morgen (Freitag) wieder aufgedreht werden.

Am Freitag hatten wir leider eine andere Tour, somit waren wir nicht bei Frau x eingeteilt.

Dafür am Montag.

Frau x öffnete uns nach mehrmaligen Klopfen die Türe und siehe da – welch eine Überraschung, der Strom war noch immer nicht aufgedreht.

Somit saß Frau x das ganze Wochenende(!!!) über im Finstern, hatte weder einen Kühlschrank, noch konnte sie sich etwas zu essen machen, da der E-Herd ja auch nicht funktionierte. Von der Mikrowelle wollen wir gar nicht erst reden.

Bei erneutem Anruf bei dem Stromanbieter wurden wir darauf hingewiesen, dass wir für die Stromeinschaltung einen Termin hätten vereinbaren müssen. Eigenartigerweise hat uns Herr Y, dessen Namen wir uns notiert haben, das aber nicht gesagt. Dieser versicherte uns, den Strom am nächsten Tag sofort aufzudrehen.

Aber wie immer dort trägt KEINER die Schuld!

Nachdem auch sozial engagierte Menschen irgendwann einmal ausrasten können, haben wir unsere Enttäuschung lautstark kundgetan und auf die Unmenschlichkeit dieser Aktion hingewiesen.

Wie kann es sein, einen Menschen im Finsteren sitzen zu lassen, ohne der Möglichkeit einen Herd oder eine Mikrowelle zu benutzen. Geschweige von den Lebensmitteln im Kühlschrank und Tiefkühlfach, welche auf gut deutsch „dahin waren“

Das war nur ein kleiner Auszug aus meinen Erfahrung in einem sozialen Beruf! 

Jetzt stellt sich natürlich die Frage – Wie kann es sein, dass so etwas passiert? Darf es sein, dass Menschen ohne Strom leben müssen? NEIN!!!

Wie kann es in einem Land wie unserem sein, dass Menschen zu Hause keinen Herd besitzen und keinen Kühlschrank? Oder eine simple, billige Mikrowelle? Wer gibt einem Sachwalter das Recht, für diesen Menschen eine Waschmaschine(!!) zu kaufen, aber keinen Kühlschrank und keinen Herd? Ist da keine Notwendigkeit vorhanden? Braucht dieser Mensch keine Milch? Keine Butter? Keine Wurst? Auch das ist, meiner Meinung nach,menschliche Grundversorgung!

Wie kann es sein, dass Leute noch immer keine WC´s in den Wohnungen haben und im Winter nach draußen gehen müssen, um ihr „natürliches Geschäft“ zu erledigen? Menschenunwürdig!

Wie kann es sein, dass Menschen ohne Warmwasser leben müssen? Und keine Duschen vorhanden sind? Eine Waschschüssel tut es also auch? Würdet Ihr Euch damit zufrieden geben? Ich denke nicht!

Viele alte Menschen haben Angst, dass sie in finanzielle Schwierigkeiten kommen,wenn sie sich Hilfe nach Hause holen! Denn jeder möchte zu Hause alt werden, aber wer soll all das bezahlen?

Ich glaube kaum, dass jemand mit diesen Menschen tauschen würde. Ich denke nicht, dass jemand nur einen einzigen Tag unter solchen Voraussetzungen und mit diesen Ängsten lebe möchte!

Hier gibt es kein WENN und kein ABER. Genau hier gehört dringend etwas verändert!

Darum bin ich bei der KPÖ und darum wähle ich die KPÖ. Weil ICH – WIR etwas verändern will/wollen und es für mich die EINZIGE SOZIALE PARTEI ist! Denn genau um diese Sachen geht es bei uns!

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