KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Die Quadratur des Kreises

Von Heidi Ambrosch (18.11.2013)

Solidarität mit den Prostituierten, aber Ächtung der Prostitution? „Denn Prostitution zerstört nicht nur Körper und Seele der sich prostituierenden Frauen (die nicht selten Hausfrauen sind, die heimlich dazu verdienen), sie macht alle Frauen zum käuflichen Geschlecht.“ Laut EMMA zur neuen Kampagne von Alice Schwarzer.

Sieht man vom unsäglichen anfänglichen Pathos ab, verblüfft dieser Satz. Das Hauptargument der Vertreterinnen, die den Kauf von Sexarbeit verbieten bzw. Prostitution abschaffen wollen, ist ja die defacto Gleichsetzung von Prostitution mit Menschenhandel, in jedem Fall aber die Verbindung mit Zwang. In diesem Satz aber sind es „nicht selten Hausfrauen“, die offensichtlich selbstbestimmt, „heimlich dazu verdienen“. Vorbei an der Steuer oder was ist in diesem Fall verächtlich? Dass es auch mich zum käuflichen Geschlecht macht? So wie ein Kopftuch mich angeblich potenziell bedroht? Tut es aber nicht.

Mich nervt die Debatte, weil ich dachte wir hätten den Bevormundungsfe­minismus hinter uns. Sie ist das Gegenteil von Frauensolidarität, weil sie zur Stigmatisierung eines Teils der Frauen beiträgt und verhindert über das zu reden, was uns wirklich bedroht! Über prekäre Arbeits- und Lebensverhältnisse, über Entdemokratisi­erung, Angriffe auf bereits Erreichtes in Sachen Selbstbestimmung.

Sexuelle Selbstbestimmung, dazu gehört für mich auch das Recht darüber selbst zu entscheiden den eigenen Körper für Geld zur Verfügung zu stellen. Und diskutieren wir doch mal über unsere gelebten sexuellen Beziehungen oder Wünsche an solche. Ist die aus Herrschafts- und Unterwerfungsgründen über viele Jahrhunderte tradierte Grundlage unseres Denkens, die Spaltung von „wahrer“ Liebe und Sexualität nicht auch noch in unseren Köpfen verankert, durch die „wahre“ Liebe körperlos scheint und Sexualität ohne Entwicklung auf tierischem Niveau verbleibt und das Sprechen darüber so zum Tabu wurde. Die Etablierung der bürgerlichen Ehe unter den Bedingungen des Privatbesitzes gab der bürgerlichen Doppelmoral in der Dualität der heiligen Mutter und der Hure weiteren Treibstoff.

Fragen wir uns, wie eine Gesellschaft gestaltet sein müsste, in der befriedigende erotische zwischenmenschliche Beziehungen gelebt werden können. Vielleicht kommen wir dann zur Forderung des Verbots jeglicher privaten Aneignung von menschlicher Arbeitskraft und Dienstleistung.

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