KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Flickwerk Schulsystem

Von Josef Stingl (4.7.2011)

Die letzten Wochen waren von der Diskussion um „das Aufsteigen mit drei Fünfern“ geprägt: Ursprünglich propagierte man eine Einigung zwischen den rot-schwarzen Koalitionspartnern. Dann folgte allerdings ein Rückzieher des schwarzen Spindelegger. Jüngst anscheinend wiederum eine Einigung: In Zukunft darf man mit zwei „Fleck“ (bzw. manchmal sogar mit drei) in die nächste Klasse aufsteigen.

Am eigentlichen Problem dieses österreichischen Schulsystems ändert sich dabei allerdings nicht viel – oder besser gesagt: g a r   n i c h t s !

In diesen Tagen gibt’s die Zeugnisse. Nackte Zahlen über die zahlreich notwendig gewordenen Wiederholungsprüfun­gen geben wieder einmal Einblick in das traurige Versagen unseres Schulsystems: Trotz intensivsten Bemühens und sündteurer Nachhilfebetreuung werden zahlreiche SchülerInnen mit einem oder mehreren „Ungenügend“ ihr Schuljahr beenden, und einen Großteil ihrer Ferien – einer dringend benötigten familiären Freizeit – dem bevorstehenden „Nachzipf“ opfern müssen.

„Opferbereitschaft“ bedarf es ebenso seitens der Eltern: Immerhin 15 Prozent aller SchülerInnen müssen dafür Nachhilfe in Anspruch nehmen. Die Kosten ergeben zum Beispiel in der AHS-Oberstufe immerhin jährlich durchschnittlich 830 Euro pro Kind. Und wenn der Sprössling trotzdem versagt, sind mindestens weitere 400 Euro für die entsprechenden „Nachzipf-Intensivkurse“ einzuplanen. Insgesamt kostet alleine den Tiroler Eltern die Nachhilfe jährlich rund neun Millionen Euro … Nicht erwähnt sind dabei jene Eltern, die dieses Geld gar nicht mehr aufbringen können, und nach ihrem täglichen Arbeitsstress einem andauernden Übungsstress mit dem Nachwuchs gegenüberstehen …

Warum das so ist?

Eine realitätsfremde und verfehlte Bildungspolitik, gepaart mit offensichtlich erfolglosen, und teilweise überholten Unterrichtsmet­hoden, deren Früchte sich nicht selten in Desinteresse und Frustration der Kinder und Jugendlichen wiederspiegeln … und wer dabei nicht „mitkommt“ muss eben Nachhilfe konsumieren (… so nebenbei für MancheN eine günstige Gelegenheit für ein „kleines“ Zubrot …).

Katrin Siller schreibt ihn ihrem Leitartikel „Nachhilfeboom schreit nach Reformen“ selbst in den „schwarz angehauchten“ „Tiroler Nachrichten“: „Die Schuld für den Nachhilfeaufwand ist … im mangelhaften Schulsystem zu suchen. Ein flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen – wie es auch das aktuelle Bildungsvolksbe­gehren fordert – würde das Problem entschärfen und viel Druck von Eltern und Schülern nehmen.“

Daher Schluss mit dem Flickwerk Schulreform!

Neben dem Bildungsvolksbe­gehren ist die Unabhängige Initiative "Eltern für eine gemeinsame Schule aller 10 bis 14jährigen Kinder “ eine Möglichkeit sich dafür stark zu machen. Sie verlangt vom österreichischen Parlament „die Gemeinsame Schule aller 10– bis 14jährigen Kinder jetzt zu beschließen und bis 2017 in bestmöglicher Qualität mit ausreichender Finanzierung zu verwirklichen!“.

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