KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Kein Grund zum Jubeln

Von Manfred Bauer (30.9.2010)

Der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) bejubelt den Rückgang der Privatpleiten. Zu Unrecht, wie ein Blick auf die Statistiken zeigt.

Erstmals seit Bestehen des Privatkonkurs-Gesetzes (1995) habe es bei den privaten Insolvenzen einen Rückgang um 0,4 Prozent auf insgesamt 6.819 Fälle gegeben, freut sich der KSV. Woher die Freude angesichts dieses lächerlichen Prozentsatzes stammt, bleibt schleierhaft, ebenso wie die Tatsache, dass die Zahl von fast 7.000 Konkursfällen absolut nichts über das wahre Ausmaß der Überschuldung privater Haushalte aussagt. Zumal, da in dieser Statistik nur jene Fälle angeführt sind, die über eine offizielle Schuldnerberatung einen Privatkonkurs angemeldet haben. Dies ist nämlich jenen Zigtausenden verwehrt, deren Liquidität nicht ausreicht, um sieben Jahre lang dem oder den Gläubigern eine monatliche Fixrate anzubieten. Und dazu zählen vor allem Arbeitslose, prekär Beschäftigte, allein erziehende Frauen, die immer größer werdende Gruppe der Working Poor und vermehrt Jugendliche mit oder ohne Beschäftigung, wie Alexander Maly, Chef der Wiener Schuldnerberatung, erklärt. Allein die Wiener Schuldnerberatung verzeichnet 7.500 Neuanmel­dungen pro Jahr; nur der Hälfte davon kann geholfen werden, der anderen bleibt oftmals nur die Pfändung bis ans Lebensende, sofern Pfändbares überhaupt existiert. Arbeitslosigkeit und Prekarität, die längst in der Mitte der Gesellschaft angelangt sind, sind laut Maly der häufigste Grund für eine Überschuldung. Und damit auch der häufigste Grund für eine Abweisung eines Privatkonkurses.

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