KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Die Herren des Geldes

(29.3.2012)

Eine Analyse der ETH Zürich führte jüngst zu dem Ergebnis, dass 147 Konzerne den größten Teil der Weltwirtschaft regieren, und dass unter den ersten 50 dieser Konzerne 49 aus dem Finanzsektor kommen. Jeder finanz- und steuerpolitische Fortschritt muss gegen deren ebenso erbitterten wie kompakten Widerstand durchgesetzt werden.*

Der Löwenanteil des privaten Geldvermögens ist von den so genannten Kapitalsammel­stellen aufgesogen. In Deutschland sind von den fast fünf Billionen Euro Geldvermögen 35 Prozent bei Banken, 25,9 Prozent bei Versicherungen, 12,1 Prozent bei Investmentfonds, 11,6 Prozent in Aktien, 9,7 Prozent in Renten und Geldmarktpapieren und 5,7 Prozent in Pensionsrücklagen angelegt.

Den Finanzkonzernen wachsen so riesige Geldmassen zu. Sie verwenden sie zur Kreditvergabe, als Kapitalanlagen (z.B. in Form von Aktien, Investmentzer­tifikaten und festverzinslichen Wertpapieren) und zur Spekulation auf den Finanzmärkten. In der Konzentration in den Finanzkonzernen wird Geld zur Macht. In Form von Leihkapital, als Institutionelle Anleger, mit dem Depotstimmrecht der Banken und dem Privileg der Aktienemission und des Börsenhandels, sichert sich das Finanzkapital beherrschenden Einfluss auf Unternehmen und Konzerne. Als Emitteur und Haupt-Zeichner von Staatsanleihen erhält es ein entscheidendes Mitspracherecht bei der Finanz- und Haushaltspolitik der Staaten. Im Zuge der Schuldenkrise der kapitalistischen Staaten wurden demokratische Rechte und die Souveränität ganzer Staaten eingeschränkt und Weichen in Richtung einer Finanzdiktatur gestellt. Mit der Aufnahme der „Schuldenbremse“ in das Grundgesetz der BRD, erhält die Bedienung der Geldvermögen quasi Verfassungsrang.

(…)

Die Macht der Institutionellen Anleger

Die entscheidende Macht in der Wirtschaft üben heute die Institutionellen Anleger aus. Sie sind die Schwergewichte auf den Finanzmärkten. Institutionelle Anleger sind Finanzunternehmen, die wie Banken Gelder von Individuen oder auch Unternehmen einsammeln. Anders als Geschäftsbanken reichen sie die Gelder nicht als Kredite weiter, sondern tätigen damit Finanzinvestments über die Kapitalmärkte: sie legen die Gelder in Aktien, Anleihen, Derivaten oder anderen handelbaren Schuldpapieren an. In der Regel bilden sie ein Portfolio aus verschiedenen Vermögenswerten und streben damit eine möglichst hohe Gesamtrendite an.

Zu den drei großen Gruppen von Institutionellen zählen Investmentfonds, Pensionsfonds und Versicherungen.

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Deutschlands größter Aktionär –– ein Amerikaner

Von besonderem Gewicht sind die Vermögensverwal­tungen (Asset Management) aufgrund der ungeheuren Geldmassen, die sie verwalten und investieren können. Die weltweit zehn größten Vermögensverwalter können über eine Gesamtsumme von 12,1 Billionen Euro verfügen.

Joachim Faber, der Fondsmanager des zweitgrößten Vermögensverwalters weltweit, der Allianz Global Investors, ist Herr über 1,5 Billionen Euro. Die Allianz Global Investors ist stark bei Anleihen, aber schwach bei Aktien. Ihre 100%ige Tochter-Kapitalanlage­gesellschaft PIMCO (Pacific Investment Management Company) gilt als der weltweit größte Aufkäufer von Staatsanleihen. Ihr Invest oder Desinvest bei Staatsanleihen kann entscheidend für die Refinanzierung von Staaten sein. Sie gehört zu den Instanzen, die das berüchtigte „Urteil der Märkte“ fällen.

Der weltgrößte Vermögensverwalter, der Finanzdienstleister und ISS-Kunde Blackrock ist umgekehrt stark in Aktien engagiert. Das ’Handelsblatt’ (1.6.11) zählt ihn zu den „heimlichen Herren des Dax“. Blackrock ist eigenen Angaben zufolge an allen 30 Dax- Konzernen beteiligt, bei 21 davon mit mehr als dem meldepflichtigen Drei-Prozent-Anteil. Der „US-Fonds Blackrock ist Deutschlands größter Aktionär“ titelt die ’Welt’ (20.1.11).

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Von strategischer Bedeutung für die Macht und Anlagepolitik von Blackrock sind dessen Aktienanteile an den beiden größten Rating-Agenturen Standard & Poors und Moodys. Bei ersterer ist Blackrock zweitgrößter Aktionär (5,4 Prozent), bei der zweiten drittgrößter mit 6,9 Prozent. Diese enge Verflechtung lässt berechtigte Zweifel an dem unabhängigen Rating der selbsternannten Bonitätswächter aufkommen. Auch ein gewisses Insiderwissen dürfte sich daraus ergeben.

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Die ausländischen Institutionellen machen durchaus ihren Einfluss geltend. Das hatte sogar Deutschlands mächtigster Manager, der Schweizer Josef Ackermann, zu spüren bekommen, als er sich zum Aufsichtsratsvor­sitzenden küren wollte. Im November verzichtete er überraschend auf einen Wechsel an die Spitze des Kontrollgremiums. Gegen den Wechsel vom Vorstandsboss zum AR-Chef gab es von vornherein Kritik. Für seine Nominierung hätte Ackermann 25 Prozent der Stimmrechte auf sich vereinen müssen. „Doch insbesondere angelsächsische Fonds votieren nicht für Manager, die in Konflikt mit der Justiz geraten sind. Großaktionäre der Deutschen Bank sind neben der Credit Suisse die Fonds Capital Group und Blackrock.“ (FAZ, 15.11.11). Und die FTD (15.11.11) ergänzt: „Und ihrer Stimmen konnte sich Ackermann nicht sicher sein. So hat die einflussreiche Stimmrechtsver­tretung Institutional Shareholder Services (ISS) signalisiert, dass sie die Ablehnung von Ackermanns Wahl empfehlen werde. Am Vorschlag von ISS orientieren sich viele Großanleger. Nach FTD Informationen hat auch der größte Einzelaktionär (Blackrock – F.S.) schwere Bedenken gegen Ackermanns Wahl“. Und Thomas von Oehsen von ISS: „Unsere Bedenken haben wir der Deutschen Bank frühzeitig mitgeteilt.“ (Wiwo 23.1.12). Das reichte offenbar. Kleinlaut gab Ackermann bekannt, dass er auf seine Kandidatur verzichten werde.

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Die Herren des Geldes und Herrscher über die Konzerne sind heute die Institutionellen Anleger, die großen Fonds, Versicherungen und professionellen Vermögensverwal­tungen. Anders als früher die Banken mit ihren Industriebete­iligungen und die Eigentümerfamilien- Clans sind sie als Finanzinvestoren in der Regel nicht an einem langfristigen, strategischen Engagement interessiert; sie sind gewissermaßen Eigentümer auf Zeit mit dem Ziel einer kurzfristigen und möglichst hohen Steigerung des Shareholder Values. Durch ihre Möglichkeit, Aktien schnell zu kaufen und zu verkaufen, können sie den Kurs und damit die Börsenkapitali­sierung des Unternehmens beeinflussen, Übernahmen provozieren und damit wirksamen Druck auf das Management in Richtung schneller Steigerung des Shareholder Values ausüben. Hauptinstrumente hierfür sind rigorose Kostensenkung, Personalabbau, Reduzierung auf das Kerngeschäft, Ausgliederungen und Übernahmen.

* Der (stark gekürzte) Text ist dem Kapitel 4 des neuen isw-Spezial – „Die Herren des Geldes – Reichtum und Macht der Einen Prozent“ (Herausgeber ist das Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsfor­schung e.V. (isw) – entnommen.

Das hochinteressante isw-Spezial beschäftigt sich u.a. mit den Themen globale Vermögensentwic­klung, Schuldenkrise; Die Macht der Institutionellen Anleger; Das Netzwerk der Konzernmacht

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