KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

"Der Blick zurück führt uns in die Gegenwart"

(29.4.2015)

Rede von KPÖ-Bundessprecher Dr. Mirko Messner bei der Festveranstaltung zum Gedenken an die Gründung des Ersten Österreichischen Freiheitsbataillons in Tribu?e, Slowenien, am 25. April 2015

Drage tovarišice, dragi tovariši,
Liebe Genossinnen und Genossen!

Einige von uns waren schon gestern bei der Feier des örtlichen Partisanenverbands zum 70. Jahrestag der Befreiung in Dolenjske Toplice. … Wir haben spüren können, wie lebendig der Antifaschismus hier in Slowenien pulsiert. Und dass er sich bei weitem nicht beschränkt auf die Erinnerung an Vergangenens. Und dass sich die Erinnerung bei weitem nicht beschränkt auf jene, die mit der Waffe in der Hand gegen die Nazis und die Qusilinge gekämpft haben, sondern dass sie die große Masse all jener Jugendlichen und vor allem Frauen einschließt, ohne die der bewaffnet gegen die Okkupanten kämpfende Teil der slowenischen nationalen Befreiungsbewegung verhungert oder an den Verwundungen gestorben wäre.

Die österreichische Erinnerungspolitik, bezogen auf die Periode des Nazifaschismus, ist ein nicht abgeschlossenes Kapitel der Nachkriegsges­chichte. An ihrem Anfang stand die Amnesie. Österreich, also das herrschende, medial abgesicherte, stellte sich zunächst als Opfer der Nazi-Aggression dar. Es hat sehr lange gedauert, bis die Mittäterschaft von Österreichern und Österreicherinnern ins öffentliche Bewusstsein gedrungen ist; der gewaltsame Tod des Wiener Widerstandskämpfers und Kommunisten Kirchweger, erschlagen von einem österreichischen Neonazi, öffnete das Fenster dazu, denn da erst wurde vielen bewusst, wie elegant und massiv sich die alten und neuen Nazis im österreichischen wissenschaftlichen und politischen Leben eingerichtet hatten. Und mit der sogenannten Waldheim-Affäre gelangte dann der Täterdiskurs in breiteste Öffentlichkeit.

Aber noch ist dieser Diskurs über Österreich und den Nationalsozialismus nicht komplett. Den Opfer-Diskurs durch den Täter-Diskurs zu ersetzen, reicht nicht. Denn es gab und gibt da noch ein drittes Österreich, bis zum heutigen Tag noch immer im Schattenbereich offizieller, medialer und diskursiver Öffentlichkeit. Es ist das Österreich des Widerstands. Und im Unterschied zur hiesigen slowenischen Widerstandsbe­wegung, die sich im breitem nationalen, also kulturellen und gesellschaftlichen Konsens organisieren konnte, die in jedem Dorf ihre Stützpunkte hatte, im Unterschied dazu musste der österreichische Widerstandsgedanke mit viel Mühe gegen den gesellschaftlich dominanten Deutschnationa­lismus ankämpfen. Und so ist es kein Zufall, dass der österreichische antifaschistische Widerstand, so breit er politisch und weltanschaulich war, indem er auch Katholiken, Monarchisten, Sozialdemokraten und andere mit einschloss, dass also der österreichische antifaschstische Widerstand in erster Linie und hauptsächlich von zwei Gruppen getragen wurde: vom slowenischen Widerstand in Kärnten und vom kommunistischen Widerstand in ganz Österreich. Und so, wie es dem Deutschnationa­lismus in Österreich nach dem Krieg gelang, das Wissen über den slowenischen Widerstand in Kärnten in die dunklen Gemächer der Kärntner Haus- und Hofgeschichtsschre­ibung zu versperren, genau so gelang es im antikommunistischen gesellschaftlichen Konsens in der Zeit des Kalten Kriegs, den Beitrag der Kommunistinnen und Kommunisten zur Befreiung Österreichs aus dem öffentlichen Bewusstsein nahezu wegzuradieren.

Die Moskauer Deklaration der Alliierten hatte einen eigenen Beitrag der österreichischen Bevölkerung zur Befreiung vom Nationalsozialismus eingefordert. Wir stehen heute an einem Ort, wo genau das getan wurde: hier wurde im Rahmen der slowenischen Volksbefreiun­gsarmee das

Erste österreichische Freiheitsbataillon gegründet. Dieses und andere, die danach gegründet wurden, waren die einzige militärische Formation, die aus Österreichern und Österreichern bestand und die unter selbständiger österreichischer Führung stand.

Gewiss, Österreich hat sich nicht selbst befreit. Es waren die Alliierten, es war in erster Linie die Rote Armee, die das unter ungeheuren Opfern getan hat. Aber wenn nach dem eigenen Beitrag gefragt wird, hier, an diesem Ort, wurde einer der bedeutenden formiert.

Dass es zur Gründung dieses Bataillons kam, war ein bewusster Entschluss der Führung der KPÖ. Es war kein Zufall. Ebensowenig wie die österreichische Unabhängigkeit­serklärung, die am 27. April in Wien veröffentlicht wurde – praktisch als Geburtsurkunde der heutigen österreichischen Republik. Und es ist kein Zufall: Sie trägt die Unterschrift der Vertreter dreier Parteien: Der Sozialistischen Partei, der Volkspartei und der Kommunistischen Partei Österreichs.

Die Erinnerung an die Gründung der Ersten österreichischen Freiheitsbata­illions, an die antifaschistische Befreiungsbewegung in diesem Land, in dem wir uns heute getroffen haben, ist nichts Nostalgisches. Der Blick zurück führt uns in die Gegenwart. Es war möglich, in Zeiten ungeheurer und brutalster Repression einen massenhaften zivilen, kulturellen und bewaffneten Widerstand zu organisieren, der dann auch siegreich war.

Und so, wie wir heute in Slowenien, in Österreich, in Europa und weltweit Zeugen sind chauvinistischer und faschistischer Wiedergänger in neuem Outfit, so müssen wir uns selber wünschen, zu Kooperation und Solidarität zu finden. Zu Kooperation und Solidarität aller, die das menschliche Leben nicht dem Diktat der Profitmaximierung unterworfen sehen wollen, die unter Demokratie etwas anderes verstehen als »Marktkonformität«, die die Solidarität als Werkzeug für eine andere Gesellschaft entwickeln wollen, in der kein Platz ist für Imperialismus, Krieg und Faschismus.

In diesem Sinne: Es lebe das Erste österreichische Freiheitsbataillon. Es lebe die Erinnerung an alle, die ihr Leben im antifaschistischen Kampf gelassen haben, es lebe die internationale Solidarität, die auch die heutige Veranstaltung möglich gemacht hat.

Danke, dass ihr da wart, und danke den Mitveranstaltenden dieses Treffens.


Slowenisch

Avstrijsko antifašisti?no gibanje je imelo težko izhodiš?e: nemški nacionalizem je nevtraliziral velik del avstrijskega prebivalstva in ga vezal na nemški imperializem. In ?eprav so nasprotovali nemškim nacistom tudi avstrijski monarhisti, katoli?ani in drugi, sta avstrijski odpor oblikovali predvsem in v prvi vrsti dve skupini: koroški Slovenci na jugu avstrijske države, in pa komunisti v ostali Avstrji. Ve?ina Avstrijcev, ki so jih ubijali gestapovci na Dunaju in drugod, ki so padli kot pripadniki osvobodilnih gibanj po celi Evropi, so bili ?lani Komunisti?ne stranke Avstrije.

V Moskovska deklaraciji so zavezniki zapisali, da bo usoda Avstrije po vojni odvisna tudi od lastnega doprinosa k osvoboditi. Danes smo tu na kraju, kjer se je oblikoval važen del teg lastnega doprinosa: tu se je ustanovil 1. avstrijski bataljon, edina vojaška formacija Avstrijcev pod samostojnim avstrijskim komunisti?nim vodstvom.

Prispevek avstrijskih komunistov in avstrijskih bataljonov – razen prvega, ki se je ustanovil na tem kraju, so se oblikovali še drugi – k osvoboditvi Avstrije se zrcali tudi v slede?em dejstvu: 27. aprila so podpisali na Dunaju izjavo o neodvisnosti Avstrije. Ta rojstna listina današnje avstrijske republike ima tri podpise: podpis predsednikov avstrijske Socialisti?ne stranke, avstrijske Ljudske stranke in Komunisti?ne stranke Avstrije.

To dejstvo ni slu?ajno, temve? sad antifašisti?nega odpora, žrtvovanja, in pa sad mednarodne solidarnosti pokon?nih ljudi. Solidarnosti, ki jo potrebujemo vsi, ki si želimo boljši svet, svet brez imperializma, vojn in fašizma, svet, ki se ne podrejuje diktatu koncernov in finan?nih mogotcev.

Hvala vsem, ki ste danes prišli, hvala prirediteljem, doma?inom, županji, predsedniku ZZB, zastopnikom KPA in Zvezi koroških partizanov. Še se bomo sre?avali!


Rede von KPÖ-Bundessprecher Dr. Mirko Messner bei der Festveranstaltung zum Gedenken an die Gründung des Ersten Österreichischen Freiheitsbata­illons, Tribu?e, Slowenien, 25. April 2015

Es gilt das gesprochene Wort.


Bericht zur Veranstaltung:
Der eigene Beitrag zur Befreiung: Das Erste Österreichische Freiheitsbataillon

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