KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Erklärung der Europäischen Linkspartei (EL) zum Internationaler Frauentag

Von: - (7.3.2018)

In den letzten Jahren ist die Geschlechterun­gleichheit in Europa und in der Welt um ein wesentliches gestiegen, eine Ungleichheit, die in allen Teilen der Welt zu spüren ist.

2017 gab es einen Anstieg des Index der geschlechtsspe­zifischen Unterschiede auf 68%, in Folge dessen wir auf den Stand von 2006 zurückgefallen sind. Daher verurteilt die Partei der Europäischen Linken (EL) das enorme Ungleichgewicht zwischen Frauen und Männern sowohl in ihrer politischen als auch wirtschaftlichen Partizipation, welches nicht nur ein Problem der Gleichheit ist, sondern ein strukturelles Problem darstellt, durch das sich Männlichkeitswahn und patriarchaler Kapitalismus auf alle sozialen Bereiche ausgeweitet haben.

Auf dem europäischen Arbeitsmarkt liegt die Lohndifferenz bei 16%. Gegenwärtig wird der Großteil der Teilzeitarbeit von weiblichen Arbeitnehmern verrichtet, wobei zudem eine Berufs- und Sektorendiffe­renzierung vorliegt. Darüber hinaus werden Männer in fast allen Branchen häufiger in Führungspositionen befördert. Diese „vertikale“ Segregation erklärt einen beträchtlichen Teil der Kluft zwischen Männern und Frauen und ebenso die sogenannte „gläserne Decke“, die Frauen in ihrer Arbeit und beruflichen Entwicklung einschränkt.

Frauen sind nach wie vor sozial verantwortlich für Kinderbetreuung und Hausarbeit. Dies führt zu einer schwierigen Situation in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, ein Bereich, in dem es wenig Regulierung und keine Sichtbarkeit gibt. Aufgrund der Schwierigkeiten, mit denen Frauen in dieser Hinsicht konfrontiert sind, nehmen sie häufiger Elternzeit in Anspruch und auch regelmäßig von ihrem Recht Gebrauch die Arbeitszeit zu verkürzen. Darüber hinaus entscheiden sich Frauen eher für Berufsgruppen mit denen sie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für realisierbar halten, aber sie entscheiden sich teilweise auch auf ihre Berufstätigkeit zu verzichten, weil sie ein um ein wesentlich geringeres Einkommen als Männer für gleiche Tätigkeit erhalten.

Nach Einschätzung der WHO im Bereich Gesundheit und Freiheitsrechte, führen Komplikationen, die aus unsicheren Abtreibungen resultieren, jährlich zu 47.000 Todesfällen, ein Anteil von 13% der gesamten Müttersterblichkeit in der Welt. Das Recht auf Abtreibung ist ein politisches Problem. Eine Frau ihr Recht auf Selbstbestimmung und damit auch auf Abtreibung zu verwehren, ist gleichbedeutend mit der Einschränkung ihres Potentials und war deshalb eine der ersten Forderungen der Frauenbewegung. Das Thema und die Möglichkeit eines Schwangerschaf­tsabbruchs ist eine höchst persönliche und private Entscheidung. Es hat nichts mit Glauben oder einer bestimmten Überzeugung zu tun.

Aus all diesen Gründen fordern wir als Partei der Europäischen Linken:

Eine gesetzliche Regelung für die Abschaffung des Lohnunterschiedes zwischen Männern und Frauen, was auf europäischer Ebene bedeutet, die Durchsetzung des in Artikel 157 des AEUV und in Absatz 4 der Neufassung der Richtlinie über die Gleichstellung von Männern und Frauen (2006/54 / EG), in der der Grundsatz der Lohngleichheit artikuliert ist: gleiche Arbeit, gleiches Gehalt. Eine wirksame Bekämpfung gegen die sektorale und berufliche Trennung. Zudem fordern wir die Bekämpfung von Stereotypen und Segregation in Bildung, Ausbildung und Arbeitsmarkt, Betonung der Chancengleichheit und Förderung des Zugangs von Frauen in produktiven Sektoren, die von Männern besetzt sind. Die Stärkung der wirtschaftlichen Stellung von Frauen wird dringend benötigt, indem Maßnahmen gefördert werden, die auf das Gleichgewicht zwischen Familie und Beruf abzielen. Wirtschaftliche Unabhängigkeit mit einer effektiven Verteilung von Hausarbeit und Dienstleistung, Arbeitsplatzsta­bilität und gleichem Lohn. Ein öffentliches System, welches angemessene Renten für alle gewährleistet ist dabei von wesentlicher Bedeutung, unabhängig vom Familienstand oder der Arbeitsleitung.

Wir fordern die Entkriminalisierung und die Möglichkeit der legalen Abtreibung ohne gesetzlichen Fristen, wodurch die Gesundheitsrisiken für Frauen als auch die soziale Ungleichheit in Bezug auf die freie Wahl der Mutterschaft verringert werden. Darüber hinaus fordern wir die Aufnahme von Sexualerziehung und Verhütungsaufklärung in alle europäische Bildungs- und Gesundheitspro­gramme.

Die Europäische Linke unterstützt und solidarisiert sich mit allen Mobilisierungen, die am 8. gemacht werden: feministische Streiks, Demonstrationen, Kundgebungen und all die Ereignisse, die Gleichberechtigung in Europa und der Welt fordern.


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