KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Coca-Cola und die Politik!"

Schon 1996 erschossen Paramilitärs in Kolumbien den Gewerkschaftsführer Isidro Segundo Gil auf dem Werkgelände des Coca-Cola-Abfüllers „Panamco”. Kurz darauf brannten sie den Sitz der örtlichen Gewerkschaft nieder und zwangen alle in dem Abfüllwerk tätigen GewerkschafterInnen unter Todesdrohungen zum Austritt aus ihrer Organisation – und das mit dem Wissen des Werkleiters Ariosto Milan Mosquera.

Seither hat es bei Panamco insgesamt acht Morde an Gewerkschaftsvertretern gegeben, zuletzt 2002. Beschäftigte der Abfüllanlagen, die sich für ihre Rechte einsetzen, werden bis heute mit Drohungen terrorisiert, die sich auch gegen ihre Familien richten. Unter Morddrohungen werden GewerkschaftsaktivistInnen gezwungen, ihren Austritt zu unterschreiben oder aufgrund von Anklagen unter dem Vorwurf des Terrorismus inhaftiert. Bei einer Protestaktion der kolumbianische Lebensmittelgewerkschaft Sinaltrainal gegen Coca-Cola wurden in Barranquilla im Juni des letzten Jahres vier Studenten entführt.

Mit Unterstützung der United Steel Workers of America und des International Labour Rights Funds hat Sinaltrainal schon 2001 gegen die Coca-Cola-Company und deren kolumbianische Tochtergesellschaft in Florida Klage eingereicht. Wie viele andere Unternehmen auch soll der Konzern, so der Vorwurf, die rechtsextremen Paramilitärs finanzieren, um besonders in Zeiten von Arbeitskämpfen den „Betriebsfrieden“ mit Waffengewalt durchzusetzen. Der Prozess wurde jedoch eingestellt, da dem Weltkonzern zu seinem Abfüller keine direkte Verbindung nachgewiesen werden konnte. Mit der Behauptung, für die Bedingungen in seinen Abfüllbetrieben nicht verantwortlich zu sein, weist Coca-Cola seit Jahren alle Vorwürfe zurück. Tatsache ist aber, dass der Coca-Cola-Company die Situation in den kolumbianischen Abfüllbetrieben seit langem bekannt ist. Auf die Schutzgesuche der Gewerkschaft wurde dennoch nie reagiert. Die Forderungen nach Aufklärung der Morde, nach öffentlicher Verurteilung der Gewalt in den kolumbianischen Abfüllwerken, nach Wiedereinstellung der geflohenen Arbeiter und nach Entschädigung der Opfer werden seit Jahren abgeschmettert, und Sinaltrainal wird stattdessen mit Verleumdungsklagen und Terrorismusvorwürfen überzogen.

Die Schwächung der Gewerkschaft zeigt natürlich Wirkung: Die Zahl der in den kolumbianischen Coca-Cola-Niederlassungen Beschäftigten ist mit 10.000 ArbeiterInnen zwar seit zehn Jahren konstant, das Durchschnittseinkommen sank jedoch von 700 US-$ pro Monat auf 150 US-$. In Kolumbien profitiert Coca-Cola von den Angriffen auf GewerkschafterInnen, denn mit der Zerschlagung der Beschäftigtenvertretungen wird der Widerstand gegen die Umstrukturierungen aus dem Weg geräumt. Heute besitzt nur noch ein Viertel der ArbeiterInnen bei Panamco feste Arbeitsverträge!

Refresh your world!

Vor drei Jahren startete Sinaltrainal eine weltweite Boykottkampagne gegen Coca-Cola. In der USA, Kanada, Großbritannien und Irland legten in den letzten Monaten über 20 angesehene Universitäten aufgrund der Vorwürfe ihre millionenschweren Verträge mit dem Unternehmen auf Eis. In Italien schloss sich der Gemeinderat von Turin, Standort der von Coca-Cola gesponserten Olympischen Winterspiele, dem Boykott an, und mit der Fußball-WM in Deutschland steht das nächste von Coca-Cola gesponserte Großereignis vor der Tür. Der Konzern wird sich auch hier gegen die Vorwürfe verantworten müssen!

Um einer weiteren Marketing-Katastrophe vorzubeugen, erklärte Coca-Cola, sich mit GewerkschafterInnen über eine unabhängige Untersuchungskommission zu den Vorfällen in der kolumbianischen Abfüllanlage verständigt zu haben. Mit Sinaltrainal jedoch, die von den Angriffen betroffen ist, gibt es allerdings keinerlei Kontakt. Wie kann eine Untersuchungskommission unparteiisch sein, wenn nur einer der Konfliktgegner bei der Zusammensetzung der Kommission mitwirkt?


Wir fordern Coca-Cola auf:
> sich in öffentlichen Anzeigen von den Aktionen der Paramilitärs gegen die Gewerkschaft Sinaltrainal zu distanzieren und damit eindeutig Farbe zu bekennen
> die Verleumdungsklagen gegen Sinaltrainal zurückzuziehen und keine weiteren Verfahren dieser Art mehr gegen die Gewerkschaft anzustrengen
> sich direkt mit Sinaltrainal an den Verhandlungstisch zu setzen und mit unparteilicher Vermittlung über die Ereignisse in Kolumbien und eine Lösung zu sprechen
> Menschen- und Arbeitsrechte weltweit zu achten und Entschädigungszahlungen an die Betroffenen zu leisten.



Weitere Infos unter http://www.labournet.de/internationales/co/cocacola/

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